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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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68 Lo seh haderech! Aktion für die zionistische Organisation und Bewegung von Bedeutung wird. Eine andere, für uns vielleicht wichtigere Frage ist, welche Folgerungen aus der zionistischen Situation, insbesondere dem Stand der zionistischen Anschauung im Kartell, für die Forderungen des Kartells zu ziehen sind. Diese von Holdheim und seinen Anhängern (in einigen Punkten auch von Mayer) behandelte Frage soll noch in einem besonderen Aufsatz geprüft werden. Lo seh haderech! Von Simon Sehereschewsky - Königsberg (V. J. St. „Maccabaea" Königsberg, a. B.) Auf dem Kommers der Erstchargiertentagung sagte Weizmann etwa folgendes: „Heute, da von Deutschland eine verflachende Bewegung ausgeht, muß das K. J. V. Kampftruppe des Zionismus sein." Als ich von diesem Worte hörte, da wurde mir mit einem Schlage klar, was uns fehlt, warum wir so schlecht sind und wie dem abgeholfen werden kann. Nicht die Interesselosigkeit, nicht wirtschaftliche Not der Bundesbrüder, nicht der Umstand, daß mehrere K. J. V.-Generationen durch den Krieg ausgefallen sind und auch nicht Mangel an geeigneten Formen sind m. E. die eigentlichen Gründe unserer jetzigen Misere. Sie sind erst sekundärer Natur. Die eigentliche Ursache für unsere Krise, in der wir uns unzweifelhaft, auch trotz der optimistischen Ansicht des Präsidiums, befinden, ist das Fehlen einer bestimmten A u f g a b-e, eines Zieles, das leuchtend vor uns stehe und dessen Strahlen sichtbar in unser Leben eingreifen, es nach ihm? formend und gestaltend. Daß wir uns nicht bewußt sind, was wir sind und was wir sein sollen, was für Ansprüche andere an uns stellen und was wir von uns fordern sollen, und daß wir deshalb auch nicht den Weg kennen, den wir zur Erreichung unseres Zieles gehen müssen. Und dies alles hat uns Weizmann mit seinen Worten wiedergegeben. Kampftruppe! oder: „Das K. J. V. soll seine Mitglieder zu Männern erziehen, die im Bewußtsein der nationalen Einheit der jüdischen Gemeinschaft entschlossen sind, für eine der Vergangenheit des Judentums würdige Erneuerung des jüdischen Volkstums einzutreten." Es ist dieselbe Forderung, die lange bei uns besteht, die wir aber vergessen, deren wir uns bisher leider nicht bewußt genug gewesen sind. Es wird dasselbe verlangt und doch etwas anderes! Denn heute bedeutet „eintreten" etwas ganz anderes als vor 10 Jahren, heute ist es viel schwerer, setzt es viel mehr voraus als damals. Damals hieß es Kampf gegen die Assimilation. Damals kämpfte man für die Anerkennung des Zionismus. * Heute bedeutet es Kampf für die Reinhaltung des nationalen Gedankens, Kampf für die Nationalisierung der Judenheit, Kampf für die jüdische Schule, für die Volksgemeinde. Aber auch der Gegner ist ein anderer geworden. Damais kämpfte man gegen den Assimilanten, für den „Zionismus" vielfach etwas Neues, Unbekanntes war, mit dem man sich kaum befaßte, geschweige auseinandersetzte. Heute ist der Zionismus eine Angelegenheit der ganzen Welt geworden, man beschäftigt sich mit ihm, setzt sich mit ihm auseinander, er ist „salonfähig" geworden. Eine große Mittelschicht hat sich gebildet,

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