Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Forderung des K J. V. 67 Diese Einzelheit enthält ein Symptom, das für eine allgemeine Feststellung von Bedeutung ist. Die harmonisch abgestimmte Gruppe, die Mayer erstrebt, ist wertlos, weil sie ein für jüdische Fragen zu bescheidenes Ziel ist. Es ist nichts, gar nichts gewonnen, wenn einzelne junge Juden sich in einer Gruppe Gleichgestimmter befriedigt fühlen. Das K. J. V. würde sich verraten, wenn es sich nach dieser Gesinnung gestalten wollte, die das im kleinen, harmonischen Kreise zu befriedigende Glücksgefühi Einzelner zum Maßstab nimmt. Gerade die entgegengesetzte Anschauung muß für K. J. V. er gelten. Sie müssen wissen, daß das jüdische Volk von Gegensätzen zerrissen ist, und daß man es trotzdem verbinden muß. Sie müssen sich mitten hinein begeben in dieses * gegensätzliche jüdische Leben. Ihr Ziel muß sein, die Gegensätze dadurch zu erledigen, daß sie sie entweder anpacken und überwinden, oder mit ihnen auskommen, nicht dadurch, daß sie ihnen aus dem Wege gehen und sich ihnen so entziehen. Der Aufbau des jüdischen Volkes kann nur darin bestehen, eine Gesamtheit mit einander entgegengesetzten Menschen zu bilden. Die Fähigkeit für diese Aufgabe zu erwerben ist das Ziel des K. J. V. Deswegen verstößt gegen den Geist des K. J. V., wer, vom Geiste der Gegensätzlichkeit bedrückt, sich in eine Gruppe Gleichgestimmter zurückziehen will. Wenn das K. J. V. zur Fähigkeit des Lebens im jüdischen Volk erziehen will, muß es diese Stimmung mit Entschiedenheit bekämpfen. Denn sie wird dem jüdischen Volk nicht zum Leben verhelfen, das sich notwendig aus dem Leben ungleicher Menschen zusammensetzen muß, sie steht in absolutem Widerspruch mit einem Programm, das der Errichtung jüdischen Gesamtheitslebens dienen will. Wenn man aber die Orientierung nach dem Glücksgefühl des Einzelnen als Maßstab nehmen will, so darf man bezweifeln, wie weit dieses überhaupt in der kleinen, selbstgenügsamen, und sich selbst bestimmenden Gruppe zu finden ist. Dieser Zweifel an dem Wert der Gruppe, auch in ganz persönlicher Beziehung, beruht auf zwei Gründen: es ist keineswegs gesagt, daß die Gruppe, in der Reibungen und Gegensätze als störend empfunden werden, die für die Entwicklung der einzelnen Persönlichkeit geeignete Umgebung ist. Gerade wer eine Persönlichkeit zu entwickeln hat, wird mehr gewinnen, wenn er Gelegenheit hat, seine Persönlichkeit bei der Einwirkung auf die Bildung eines gemeinsamen Willens zu zeigen, als wenn er jedem Gegensatz, jeder Auseinandersetzung aus dem Wege gehen kann, weil die Notwendigkeit der Bildung eines gemeinsamen verbindlichen Willens nicht besteht. Und zweitens: junge Juden, die erkannt haben, daß der Aufbau einer Gegensätze enthaltenden jüdischen Gesamtheit von ihnen als die Forderung jüdischen Lebens verlangt wird, können sich mit dem Leben in der Gruppe nicht begnügen. Wer in der Gruppe lebt, muß, wenn er ein ernster Zionist ist, von dem Gefühl bedrückt sein, daß er dieser Forderung nicht genügt. Er muß wissen, daß die Erziehung zum jüdischen Menschen nicht gelingen wird, bevor nicht Staatsdiener erzogen worden sind, ja, daß heute die Aufgabe der Erziehung zum jüdischen Menschen in der Erziehung zum Staatsdiener besteht. Er muß daher wissen, daß es verkehrt ist, wenn man aus dem Kartell statt einer „politisch-zionistischen Organisation" eine „Gemeinschaft junger jüdischer Menschen" machen will. Er muß erkennen, daß das Ziel des K. J. V. bleiben muß: durch Bildung einer politisch-zionistischen Organisation eine Gemeinschaft junger jüdischer Menschen herzustellen. Die Forderung der Persönlichkeit enthält, wenn diese Persönlichkeit zionistisch sein will, keinen Gegensatz zu der Forderung des K. J. V. Die Besprechung dieser Frage ist auch aus dem Grunde nötig, weil sie in Zusammenhang mit der Forderung steht, daß Zionismus eine Verpflichtung für das persönliche Leben des einzelnen Zionisten bedeuten müsse — einer Forderung, die gerade im Zeichen der Keren Hajessod-