Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Forderung des K- J. V. 65 Auch die Anhänger der „Persönlichkeit" werden keine freiere Methode zionistischen Zusammenschlusses zeigen können, als daß die Zugehörigkeit zur zionistisch verbundenen Gruppe und damit jede ihrer Handlungen auf dem freien Entschluß jedes Einzelnen beruht, für dessen Motivierung nichts als die ideelle Kraft des Zionismus zur Verfügung steht. In einem Punkte allerdings besteht ein entscheidender Gegensatz zu Mayers Ansicht: wir verlangen, daß derjenige, der seine Verpflichtung gegenüber der Idee anerkennt, dieses Anerkenntnis ernst meint.und sich ihm unterordnet. Er soll sich mit seimer Person in die Idee, die er für seine Person ergriffen hat, hineinstellen. Er soll auch wissen, daß diese Idee nur in verbundenem Zusammenwirken der von ihr ergriffenen Wirklichkeit werden und damit auch für den Einzelnen befreiend wirken kann, daß sie aber eine Farce, ein lacherlicher Aufputz persönlicher Gefallsucht bleiben muß, wenn jeder ihrer Anhänger entscheidend darüber zu bestimmen hat, wie weit Maß und Art ihrer Wirksamkeit für ihn Geltung haben soll. Mayer glaubt, daß aus dem anarchischen Leben der Gruppe, in der jeder nur nach den Gesetzen handelt, die er selbst sich aufstellt, die besten zionistischen Ergebnisse entstehen würden. Die Frage, ob eine an eine Gesamtheit sich richtende Idee ihre Verwirklichung von anarchischer Bestimmung des Einzelnen erwarten kann, oder ob sie Organisation braucht, soll hier nicht allgemein nachgeprüft werden (ihre Formulierung enthält eigentlich schon die Antwort). Es soll auch nicht — was nötig wäre — näher darauf eingegangen werden, daß die Proklamierung der Anarchie im Grunde nichts anderes enthält, als die Verneinung eines Wertes der ordnenden Macht, der sie berechtigen könnte, Bestimmungen zu treffen. Damit ist gesagt, daß in unserm Fall — bei der Frage: Bestimmung des Einzelnen durch sich selbst oder durch eine jüdische Gesamtheit — zur Diskussion steht, ob die jüdische Gesamtheit dem Einzelnen wertvoll genug erscheint, daß sie auch über ihn Bestimmungen treffen könnte. Gerade in unserm jüdischen Fall kann man sich mit einem Hinweis auf Tatsachen der Erfahrung begnügen. Haben die Juden jetzt nicht lange genug in einer Form gelebt, die dem Einzelnen freie Selbstbestimmung in jüdischer Beziehung ließ? Haben wir nicht diesen Zustand durchgemacht, in dem das Judentum nicht durch die Bindung einer bestimmenden Gesamtheit, sondern anarchisch auf den Einzelnen wirkte? Was ist, gerade infolge dieses Zustandes, aus dem Judentum geworden? Ist es nicht der letzte grundlegende Sinn des politischen Zionismus, daß eine jüdische Zukunft nur dann möglich ist, wenn der Zustand eines anarchischen Judentums überwunden und eine organisierte jüdische Gesamtheit wiederhergestellt wird? Diese grundlegende zionistische Erkenntnis, daß das Judentum nur gerettet werden kann, wenn es wieder organisierte Gesamtheit wird, ist für die Erziehung' des K. J. V. immer bestimmend gewesen. Wenn es zionistische Kraft in uns gibt, dann beruht sie darauf, daß wir die Notwendigkeit, das Judentum zur Gesamtheit zu machen, unseren Bundesbrüdern einhämmern und sie mit dem Gedanken erfüllen: es muß im Judentum eine Gruppe geben, die -diesen Gedanken verstanden hat und sein Verständnis durch das Vorbild ihres Lebens, durch die Bereitwilligkeit zur Einfügung ihrer Person in den großen Kreis beweist. In diesem Sinne werden wir immer politisch-zionistische Organisation bleiben müssen. Das K. J. V. hat in diesem Gedanken seine Menschen erzogen, die doch nicht * alle, wie Mayer in verantwortungsloser Uebertreibung sagt, eine „stets gleiche, sanft verebbende Laufbahn" genommen haben*), sondern die doch zum *) Es mae: bei dieser Gelegenheit einmal auf die beliebte Methode hingewiesen werden, Urteile dieser Art in grenzenloser lind unbekümmerter Allgemeinheit zu verkünden und gleichzeitig vor Einzelnen Verbeugungen zu machen, wie z. B, vor dem — auch in dieser Beziehung erprobten — Löwenstein. Merkt man nicht, daß es, gelinde gesagt, unangebracht ist, die Arbeit eines Bundesbruders so ehrenvoll zu erwähnen und gleichzeitig ihre Grundlagen munter als unwahrhaftig, verlogen usw. zu kennzeichnen?