Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Neugestaltung des Karteils. 59* So muri :ntir so wird ein „altes" neues K, J. V. entstehen^ Der .^aktive" iLJf. V.er wird zuerst Bundesbruder and Zionist werden und dann als „Inaktiver" an die Arbeit gehen: Hebräisch, Beruf -zionistischer; «Galutharbeit £tc. Jedenfalls aber ein Chaluz! Ihr braucht darum keine Angst zu haben*, sie gehen ihren zionistischen Weg. — Wird das K.J. V. leben? oder sterben? — Neugestaltung des Kartells. Von Franz Mayer, Heidelberg (V.J. St. Hasmonaea-Berlin, V. J. St. Ivria-Heidelberg a. B.) Man kann im K.J.V. die Erziehung nach den politischen Notwendigkeiten des Zionismus und seinen Anforderungen an den einzelnen Menschen betreiben, man kann das Ich dem Staate unterordnen: man gelangt so dahin, von oben herab zionistische Maximalforderungen zu stellen. Das war der tragende Grundgedanke, das war die Erziehungsmethode des K. J. V. bis heute. „Die zionistische Situation fordert." Man kann aus sich selbst heraus, aus eigener Erkenntnis und eigenem Wilien, die Förderungen des Zionismus so weit bejahen, als man das mit dem von der Natur vorgezeichneten Entwicklungsgang der eigenen Persönlichkeit und mit der Erkenntnis ihrer inneren Gesetzlichkeit und Möglichkeiten und mit ihrem Wollen, diese ganz auszuwirken, vereinbaren kann. Man wird so zu zionistischen Mindestforderungen gelangen. Man kann auch zu Maximalforderungen kommen. Aus sich heraus, aus sich selbst! Das soll der tragende Grundgedanke des neuen K. J. V., des K. J. V. von morgen werden. „Die Eigenpersönlichkeit des jungen, jüdischen Menschen fordert!" Es sind dies zwei grundgegensätzliche Leitgedanken: die des alten und die des kommenden K. J. V., unvereinbar miteinander, ein vollkommen anderes Erziehungssystem fordernd und einen ganz neuen Aufbau des Kartells. Man soll das erkennen und dem Rechnung tragen! Man wird es nicht tun. Man wird Holdheims umstürzlerische Reden wie all die seiner zahl- und namenlosen Vorgänger ohne Beachtung lassen, man wird verkünden, sie entsprächen nicht der wahren Stimmung des Kartells, und wird über sie zur Tagesordnung übergehen; bestenfalls wird man sie „zu Tode diskutieren", sie werden zu einer neuen, Ideologie werden, einer Ideologie mehr, einer Phrase mehr, einer Unwahrhaftigkeit mehr, die man nett zurechtgebogen dem verwachsenen Organismus einfügt. Sie werden das verlieren, was ihren eigentlichen Wert ausmacht; ihre umwälzende Kraft, die aus der glatten Verneinung und Umkehrung alles Bestehenden ihr erwächst. Man muß das stärker betonen und dann energischer und rücksichtsloser fordern, als es Holdheim getan hat; auch er hat seine Forderungen nicht mit der Unbedingtheit gestellt, kraft deren sie sich allein durchsetzen können. Auch er bangt zu angstvoll in Zweifeln und vermeint immer noch, auf die Nacheiferung der Jungen vertrauen zu können, derer, die es ernst meinen mit einer Neugestaltung, und vergißt dabei, daß diese schon längst dem Kartell den Rücken gekehrt haben; auch er verkennt die stets gleiche Unbekümmerheit der „Unentwegten" und erwartet auch jetzt noch einen neuen Kurs von den stets gutgläubigen „Maßgebenden". Die Neugestaltung des Kartells kann nicht ausgehen von dem Willen einzelner Einsichtsvoller, die langwierig und mühselig Schritt für Schritt ankämpfen sollen gegen den Widerstand derer, die im