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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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58 / / Gesundung oder Tod? gegangen, macht B. Z. K., Binjan Haarez, Gemeindearbeit etc., sofern - diese Beschäftigungen überhaupt ernst zu nehmen sind, wieder andere stellen Todesdiagnose . . . . Ein neues Bild. Man gestatte mir diese polemische Bemerkung. Ich finde jene Ruder-, Sport-, Wander-, Leichtathletik-V. J. St. er anmaßend. Sie machen ihre Sache sicher vortrefflich, und ihnen ist es zuweilen zu verdanken, daß der jüdische Name durch spaltenlange Zeitungsberichte über erste, zweite und vierte Preise bei sportlichen . Wettbewerben in höchst dekorativer Weise verherrlicht wird. Sie sind auch Bundesbrüder im neuen Sinne des Wortes. Alles das mag zugegeben sein. Aber — wenn es um unsere letzten Fragen geht, wenn es sich um Tod oder Leben und noch mehr handelt, dann sollten sie bescheiden schweigen. Formen sind noch nie Inhalte gewesen! Und ein Rezept, wie es ein unschuldvoller Kollege ausstellt, das K.J.V. zu versportlichen, liebe Freunde, das zöge den Tod nach sich. Collegae in medicina! Wenn jemand im Sterben liegt, soll er Sport treiben t Wenn er um sein Leben ringt, turnen und rudern! — Ja, also das K.J.V. ist gestorben — K.J.V. er leben (trotz Sport-V. J. St. er). Was ist zu tun? Eine sehr, sehr schwierige Frage. So tief sind wir nun gesunken! Zuerst einmal fort mit der greulichen Arroganz. Diese Anmaßung hat schon die Älteren ausgezeichnet. Wir müssen die Idee vom Führertum zu Grabe tragen. Wir müssen tausend uns lieb gewordene Dinge begraben. Die falschen Götter müssen zerschlagen ^werden. Reiner Tisch und den Kehricht in die Ecke! Kehricht ist: Unsere Auffassung von San Remo, unsere Auffassung von zionistischer Arbeit und Politik, unserer Kult der Jugendkultur, unsere Auffassung von der Ausnahmestellung der deutschen Juden, namentlich der deutschen Akademiker und vieles andere mehr. Und was bleibt? Das Pathos, liebe Freunde! Das Pathos, zu dem nur ein wirklich und innerlich junger Mensch, eine Jugend, ein jugendliches Volk fähig ist. Es bleibt die unerhörte Erschütterung zionistischen Erlebens! Das Erlebnis des volklichen Zusammenhangs wird , niemals, aufhören, eine elementare Wirkung auf das Leben des Einzelnen und der Gesamtheit auszuüben, selbst wenn materiell schon weit mehr erreicht sein wird als jetzt. Die Lage der heutigen zionistischen Politik zeigt das zur Evidenz. Nicht so sehr die Wichtigkeit der Aufgabe, ist Schuld an der Stagnation, als vielmehr das Nachlassen des zionistischen Pathos. Ihr sucht den Ausweg aus dem Niedergang in lauter allgemeinen und pädagogischen Lösungen: Unterdrückung oder Befreiung menschlicher und individueller Problematik. Die Lösung einer zionistischen Frage kann nur . . . eine zionistische sein. Einer unserer Bundesbrüder befindet sich auf dem Irrweg, zu glauben, daß bei der heutigen Lstge der Dinge ein gewissenloser Kapitalist, sofern er seine Gelder in Palästina investiert, wichtiger für den Aufbau des Volkes ist als ein Chaluz, der Nationalfondsgelder in Anspruch nimmt. Män muß diesem Bundesbruder verzeihen, aber über ihn zur Tagesordnung übergehen. Wenn es de m r]K. J. V. ge 1 in g t, in jedem seiner Leute einen Spannungs zustand zionistischen Lebe ns zu erzeugen und zu erhalten, dann lebt das K.J.V.! Wie schon angedeutet: Pathos ist keine billige Sentimentalität, keine Wechselmünze. Pathos ist kein Chaos, kein Tohu wabohu. Pathos ist nicht Arroganz, nicht Uberhebung. Zwischen der Qual und dem G1 ü c k des J u d es einsliegt der Antrieb zur inneren Revolutionierung, aus dem allein und sicher die fruchtbare Arbeit geboren wird. — Pathos! Der himmlische Funke des Zionismus erlischt in der „Versaehlichung"; er leuchtet, wird zur Flamme in der von ihm durchglühten Arbeit. _V__L^.. SJSJ.— ~-----

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