Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gesundung oder Tod? 57 Gesundung oder Tod? Von Hans Oppenheim, Hirschberg-Schlesien (V. J. St. Maccabaea- Berlin, A.H.) Und es will mich schier bedünken, daß beide, die Zufriedenen wie die Unzufriedenen, nicht aufden "Grund der Dinge gekommen sind. Gehen wir mal von etwas Unbestrittenem aus: Holdheim-Cohn behaupten, das K. J. V. sei tot; die Jungen und die Unentwegten entgegnen, das K. J. V, lebe auf. — Beide sind sich aber jedenfalls darüber einig, daß wenigstens zeitweise kein Leben im K. J. V. gewesen ist. Warum stellen Holdheim-Cohn die Todesdiagnose? — Weil sie beobachtet zu haben glauben, daß jedes geistige Leben*, jeder geistige Wille zur Auseinandersetzung mit zionistischen Fragen erloschen ist. — Warum haben die Jungen Vertrauen auf die Zukunft? — Weil es ihnen gelungen zu sein scheint, einen gefühlsmäßigen Zusammenhang mit dem K. J. V. und im K. J. V. gefunden zu haben. Also — so könnte man folgern — nur der Unterschied zwischen Aktiven und Inaktiven. Nein. Es wimmelt von Inaktiven unter der Aktivitas und außerdem die „Unentwegten". — Der Kernpunkt liegt wo anders: z. B. Holdheim, der Intellektualist, sucht ja etwas ganz anderes im K. J. V. als -— na, z. B. Leo Rosenblüth. Jenen quält vielleicht die Frage nach der geistigen Berechtigung des Zionismus, dieser bejaht aus vollem Herzen sein Judesein und fragt mehr nach dem „Wie" als nach dem „Ob". Daß diese beiden Menschentypen gemeinsam K. J. V.-Bundesbrüder sein können, ist mir zweifellos. Wenn sie auch die Voraussetzungen scheiden, so einen sie doch das Ziel. Sie dürfen bloß nicht einseitig bestimmend auf die Gestaltung einer K. J. V.-Gemeinschaft wirken. Aus dieser Gegenüberstellung sollte klar hervorgehen, daß beide Teile aneinander vorbeireden. Und zwar haarscharf, viel schärfer, als es bei allen vorhergegangenen Auseinandersetzungen, die nun schon seit Jahren im Kartell hin und hergehen, der Fall gewesen ist. Denn das Ende dieser Diskussion ist stets ein Kompromiß der Anschauungen gewesen, noch mehr, war ein Kompromiß auf Kosten unausgesprochener Gefühlsmomente. In jedem lag die Sehnsucht nach Klarheit, und man einigte sich auf einer diese Judenproblematik überhaupt nicht berührenden Formel: „Versachlichung und Arbeit." Weiter, wie entsteht der Block: Unentwegte und Junge, alte und neue K. J. V. er? — Die Verbindung vor dem Kriege hat ihre Aufgabe erfüllt, der alte K. J. V. er verdient das absprechende Urteil, das ihm fast ausnahmslos entgegengebracht wird, nicht. Im Gegenteil l Wie war denn die Situation? Es gehörte*ein großer geistiger Mut und eine unerhört revolutionäre Gesinnung dazu, in Deutschland als junger Akademiker die Gefolgschaft HerzFs auf sich zu nehmen. Freilich war es in der Hauptsache und fast ausschließlich Inhalt des' Verbindungslebens, jüdisch-revolutionär zu sein und selbstverständlich durch Pflege jüdischer Kulturwerte diese neue Anschauung zu festigen, mit ins Leben zu nehmen. Kein Wunder, daß die naturgemäß resultierende geistige und gesellschaftliche Isolierung unsere Älteren eng verband und die Bundesbrüderlichkeit, persönliche Weggenossenschaft als lebenswarmen Begriff schuf. Und heute? — Einmal hat sich die Situation politisch geändert. Die Erwähnung von San Remo und des Keren Hajessod mag genügen, d. h. jeder Zionist (also auch K. J. V. er) steht einer großen Menge sachlicher Aufgaben gegenüber, die die Älteren in diesem Maße und Dringlichkeit nicht gekannt und nicht haben zu leisten brauchen. Andererseits ist das Kartell viel größer geworden. Ein Teil (leider ein sehr großer!) hat sich, wie schon gesagt, auf den Kompromiß der sachlichen Arbeit geeinigt (wie man sieht, ohne jeden Erfolg!), ein anderer ist unzufrieden beiseite