Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Die Arbeit des Kartells in der zionistischen Organisation. die' Irre, sie fuhren es 'auf Abwege als daiß es unbewegt und betrachtend der Entwicklung folge. Lieber hundertmal falsche Wege gehen, aber gehen — als uns von eingerammelten Wegweisern einen Weg zeigen lassen, der unbetretbar ist. Niemals werden uns Literaten, : Ästheten, Romantiker, Einsiedler oder Berufsfanatiker führen. ' Achad Haams Bedeutung für den Zionismus bestand in seiner Kritik; aber niemals hätte er eine zionistische Bewegung schaffen können. Die Bewegung schufen im wesentlichen die Einseitigen, die Unentwegten, die Menschen mit Scheuklappen, die immer angefeindet wurden, ehrgeizig und überheblich erschienen. Auch über diese Dinge sollte man, ehe man Angriffe unternimmt, nachdenken und objektiv abwägen, wo Arroganz und Lügenhaftigkeit anfängt. Das also muß aus unseren Diskussionen verschwinden, wollen wir wirklich miteinander reden. Doch nun zurück zu Holdheims Frage: Wir sind wirklich die letzten, die mit den Erfolgen zufrieden sind und nicht scharfe Kritik üben an den bisherigen Arbeiten. Die Zahl der Diensttuenden ist noch klein. Aber — ich sagte schon — wir sehen weiter und wissen, daß es anders wird. H o 1 d h e i m verlangt nun, wie wir sahen, von jedem die Erkenntnis der entscheidenden Stunde unseres Volkes und die Mitwirkung des Einzelnen, aber als Programm des Kartells sollen mir „Mindestforderungen" aufgestellt werden. Unter Minimalforderung verstand H o 1 d ~ heim folgendes (J. St. 13. Kriegsheft Seite 341): „ . . . Als Minimal!orderung müssen wir verlangen, daß Leute, die zu uns gehören wollen, sich nicht nur mit dem in dem Baseler Programm ausgesprochenen politischem Endziel einverstanden erklären, sondern auch bereit sind, nach Maßgabe ihrer Fähigkeiten für die Erreichung ihres Zieles zu arbeiten." Das erkennen wir heute noch genau so an, und vergegenwärtigen wir uns dann noch die Bedeutung der Worte Holdheims, die auch 'Weizmann uns in Berlin sagte „unser Volk lebt im Kriegszustand"; dann kommen wir zu dem Ergebnis, daß unsere Politik sich nach diesen Grundsätzen gerichtet hat. Vielleicht sind wir naiver oder phantastischer, aber wir glauben an das Kartell und glauben nur an ein Kartell, an dessen Pforten Holdheims Worte stehen: Die Uebersiedlung nach Palästina bleibt unwandelbar als oberste zionistische Erfüllungbestehen. Wir glauben ferner an unsere Menschen und haben ein Vertrauen auf die Entwicklung des Kartells, wir glauben, daß sich das Programm unserer Betätigung nach den Besten richten muß, daß das Kartell nach de% Erfüllenden beurteilt werden muß, und daß es der Leitung darauf ankommen muß, diese Zahl zu vermehren. Wir glauben noch an das, was Blumeixfeld auf dem Delegiertentag 1920 in Berlin gesagt hat: „Von vornherein sei zugegeben, daß sehr viele Zionisten, vermutlich die große Mehrheit, den Anforderungen der Bewegung, die durch die eigene, menschliche Tat das jüdische Leben und das jüdische Land zu gestalten hofft, nicht gerecht werden. Niemand kann daraus ein Vorwurf gemacht werden. Jeder von uns kann den Bedingungen des Lebens erliegen, und viele ausgezeichnete Menschen sehen allmählich ein, daß ihr Wille den "Widerständen nicht gewachsen ist Sie finden sich mit den Yerhältnissen ab und begnügen sich damit, helfend und fördernd der Organisation zu dienen. Moralische Forderungen muß man vor allem an sich selbst stellen, und niemand sei es als Schuld angerechnet, daß er nicht zur persönlichen Verwirklichung seiner zionistischen Idee gelangt. Soll nun aber die zionistische Organisation auf den Teil zugeschnitten werden, der doch selbst empfinden muß, daß es verlorene zionistische Chancen in seinem Leben gibt, oder auf den Teil, .der durch sein Leben die Bewegung sichtbar werden läßt? Ich glaube, daß in der Tat alle zionistische Arbeit nur denv Sinn haben kann, nur darauf eingerichtet sein kann, den Kreis der Menschen zu stärken und zu vergrößern, die selbst den Aufbau des jüdischen Lebens in Palästina und im Garath unternehmen wollen, ohne Rücksicht darauf, ob die Zeitströmung ihnen günstig ist, ob die Anforderungen der Umgebung es gestatten und ob die vermeintlichen Gesetze der Entwicklung nicht andere Maßnahmen erforderlich machen." <*) X B. Jahrg. XXV Nr. U