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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Die Arbeit des Kartells in der zionistischen Organisation. 53 eine ausgedehnte zionistische Tätigkeit zu beginnen. Insbesondere ist es von Bedeutung, daß schon am Ende des Semesters der Leiter der Z. A. sich mit allen Bundesbrüdern, die in die Ferien gehen, genau in Verbindung setzt und in einen Briefwechsel mit den verschiedenen Bezirksverbänden und dem Präsidium tritt. Die Bundesbrüder müssen immer wieder darauf hingewiesen werden, daß ihre Ferien für zionistische Arbeit verwendet werden können *). Ebenso wird es erforderlich sein, daß bei jeder neuen Aktivmeldung die in Frage kommenden Zentralstellen benachrichtigt werden, denn es ist schon häufig vorgekommen, daß B. V.-Vorsitzende ohne Kenntnis von den in ihrem Bezirk befindlichen jüngeren Bundesbrüdern waren. Durch eine von uns angefertigte Kartothek nach Orten wird es möglich sein, diese Arbeit sehr zu fördern. Wenn also nach den bisherigen Ausführungen die zionistische Arbeit in Deutschland keineswegs nur eine Altherrenfrage bedeutet, so muß doch verstanden werden, daß die wesentlichste Arbeit außerhalb des Kartells von A. H. A. H. geleistet werden müßte. Wie weit wir die Möglichkeit haben, gegen A. H. A. H., die seit Jahren zionistisch versagt haben, vorzugehen, scheint mir eine Frage der Verbindungen und Altherrenbünde zu sein. Sicherlich wird es eine Verbindung, die wirklich konsolidiert ist, auf die Dauer nicht vertragen, daß zu ihren A. H. A. H. Bundesbrüder gehören, die im zionistischen Leben dauernd versagen. Es sei hier mit einigen Worten auf das Altherrenproblem eingegangen, das sehr ernst und immer noch nicht gelöst ist. Ich möchte hier ^einige Sätze aus einem Artikel von Erich Cohn anführen, die im Jahre 1910 geschrieben sind **), und die — mutatis mutandis — auch heute noch Geltung haben und uns diegrundsätzliche Frage vorlegen, ob unsere erzieherischen Grundlagen, wie wir sie heute haben, genügend sind. Erich Cohn spricht von der Epoche Rosenkranz—Zwirn und fährt dann fort: „Es bedarf kaum des Beweises dafür, wie ephemer in wesentlichen Stücken die Bedeutung jener Epoche gewesen ist. Was ist von ihr geblieben? Fast nichts! Wäre der V. J. St. damals das gewesen, was man uns glauben machen will: diese geschlossene Kerntruppe zielbewußter, disziplinierter Zionisten und wirklich korporativ zusammengeschlossener Akademiker — der B. J. C. wäre mit fast einem halben Tausend —mit den zweieinhalbhundert Alten Herren darunter, heute eine Macht im jüdischen Leb^n Deutschlands, das Rückgrat des deutschen Zionismus. Aber was sehen wir tatsächlich? Der Zionismus Zwirn s und Rosenkranz' kann nicht hoch genug gewertet werden: für seine Güte briBgt fast jeder Tag uns neue Beweise. Aber außer ihnen ist es nur eine Handvoll Alter Herren, kaum melv als zwei Dutzend, diese meist persönlichen Freunde der beiden, die ihre Schuldigkeit im jüdischen, im zionistischen Leben tut. Die andern? Sie sind zerstoben und vergessen. Sie sind Zionisten gewesen; d.er Zionismus ist ihnen eine Jugendschwärmerei, deren sie, klein und müde geworden, mit gerührtem Lächeln gedenken. Und wenn sie sich noch Zionisten nennen, so ist ihr Zionismus eine Karikatur des großen und starken Ideals. Ich glaube eine Empfind mg vieler jungen V.J. St. er wiederzugeben, wenn ich sage: wir haben, wenn wir einen Alten Herren kennen lernen, zunächst ganz instinktiv eine Scheu, mit ihm über jüdische Dinge zu sprechen — weil wir ihm eine Beschämung und uns eine Enttäuschung ersparen wollen. — Geblieben ist bei den meisten nichts als ein ganz verschwommenes und unklares allgemein-jüdisches Gefühl, das ihnen selber so wenig wie dem Judentum nützen kann. Und es.steht uns an den Söhnen unserer Alten Herren dieselbe Aufgabe bevor, die an den Vätern hätte geleistet sein sollen____ Zionist sein, heißt, seine Existenz und seine Zukunft identifizieren mit der des jüdischen Volkes, heißt, bereit sein, auf jedes persönliche Wohlergehen zu verzichten um des Ideals willen, dem man sich ein für allemal hingegeben hat. Und es/bedeutet, einen zähen und unerbittlichen Kampf kämpfen gegen die Uebermacht des alten Judentums. Es ist klar, daß ein derartiger Fond zionistischer Gesinnung stark genug sein muß, eine Gruppe von Menschen zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzuschließen. Denn dieser Zionismus setzt eine solche Fülle gemeinsamer Interessen, eine so äh liehe geistige Disposition voraus, daß ein starkes Solidaritätsbev ußtsein, nach außen und nach innen, die unmittelbare Folge sein muß. . . Daß die V. J. St. er zu politisch denkenden Männern erzogen werden müssen, heißt: vom ersten Tage seiner Aktivenzeit muß dem V. J. St er klar gemacht werden, daß er nicht um seiner selber willen auf der Welt ist, sondern, daß er seinen Wert erhält erst durch das, was er für die jüdische Allgemeinheit leistet. Heute, in einer Zeit, da das Judentum seinen letzten und schlimmsten Existenzkampf zu bestehen hat, ist jeder verpflichtet, aus sich zu machen, was er kann, und jede Begabung, die der Gesamtheit nützt, ist gleich gut. Dieses Pflichtgefühl, dieses Bewußtsein, daß man sich selber erst ganz empfängt, wenn man sich seinem Volke hingibt, ist wahre politische Bildung. Sie muß dazu führen, daß jeder sich im jüdischen Leben die Tätigkeit aussucht, die seiner Veranlagung entspricht." *) Vergl. das eben erschienene Heft „Merkblatt für Ferienarbeit". **) Vergl. J. St. Jahrg. 7 Nr. 7 S-182 u. f.

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