Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Die Arbeit des Kartells in der zionistischen Organisation; land darstellen, die nicht nur als Werbe- und Ausbildungsort für einzelne Korporationen gelten dürften, sondern zum Mittelpunkt und zum Ausstrahlungspunkt neuer zionistischer Tätigkeit auszubauen sind. Erst wenn unsere Menschen erkannt haben, undovenn es Ihnen wirklich zum Bewußtsein gekommen ist, daß wir mit diesem deutschen Reich, in dem wir leben; innerlich mindestens ebenso durch jüdische und bebesonders zionistische Gesichtspunkte wie durch wirtschaftliche, deutsch - geschichtliche und deutschpolitische Ereignisse verbunden sind, erst dann wird es nicht mehr schwierig sein, organisatorische Anregungen mit Erfolg zu erteilen. Ein besonders wichtiger Punkt, der noch immer nicht von allen Arbeitsstellen richtig verstanden ist, bedeutet die persönliche Bearbeitung der Bundesbrüder, die vor und im Examen stehen. Es sollte jedem Bundesbruder, bevor er in den Beruf geht, die Frage vorgelegt werden, ob er sich nicht für einige - Zeit zur Verfügung stellt. Die den Kartellorganisationen jetzt zugestellten Formulare erleichtern diese Arbeit wesentlich. III. Von solchen Erwägungen ausgehend, erscheint mir auch die Frage der Bezirksverbände immer akuter zu werden. Wer sich einmal die Karte von Deutschland daraufhin angesehen hat, an welchen Orten heute überall schon Bundesbrüder wohnhaft sind, wird erkennen, welche Kraft und welche Bedeutung das Kartell innerhalb des deutschen Judentums haben könnte. Früher wurde die Frage der Bezirks verbände im wesentlichen nur als eine Frage der Altherrenschaft erörtert. Es war nicht möglich, die B. V. zu einem wirklichen Leben zu bringen. Wenn wir heute wieder an eine Neubelebung der Bezirksverbände herangehen, so tun wir das, weil wir das Vertrauen haben, hier neues zionistisches Leben hervorzubringen. Wir alle wissen heute, daß die zionistische Arbeit in Deutschland von einigen wenigen Menschen geleistet wird, und es ist uns allen bekannt, wie viele von unsern Alten Herren zionistisch an ihren Orten versagt haben. Wir stehen heute vor einer Situation, in der wir wissen müssen, daß in kurzer Zeit eine Menge von Bundesbrüdern in das Berufsleben eintreten werden, und es gilt schon heute, in jeder Beziehung vorbereitet zu sein. Wir haben ferner die Erfahrung gemacht, daß viele ältere Bundesbrüder zurückgewonnen werden, über das K. J. V., d. h. durch jüngere Bundesbrüder für zionistische Tätigkeit im deutschen Zionismus. Praktisch wird es darauf hinauskommen, daß in allen Bezirksverbänden, wo Verbindungen in dem Bezirke liegen, diese in engster Fühlungnahme mit dem Leiter des B, V. arbeiten. Ferner wird es notwendig sein, die Bezirks verbände so sehr auf Gebiete zu beschränken, daß sie Arbeitsmöglichkeiten haben. Voraussetzung für alles dieses ist, daß die Leiter der Bez irksverbände selbst in einem lebendigen Zusammenhang mit dem Kartell stehen und daß das ihnen statutarisch gewährte Recht zur Wahl von Delegierten zum Kartelltag wirklich einen Sinn erhält. Ich schlug deshalb schon vor einiger Zeit vor, anläßlich der Kartelltage einen Tag der Beratung der B. V.-Vertreter zu widmen, auf dem im Mittelpunkt der Beratung die zionistische Arbeit in Deutschland stehen sollte. Im Rahmen dieser Ausführungen erscheinen mir von besonderer Bedeutung die Universitätsferieh. Es geht nicht an, daß in dieser'Zeit für viele unserer Bundesbrüder so etwas wie ein zionistischer Urlaub beginnt. Gerade die Ferien, in denen eine Menge Bundesbrüder an Orte zurückkehren, wo sonst nur ein geringes zionistisches Leben ist, wo im allgemeinen Alte Herren wohnhaft sind, wird es möglich sein, die Bezirksverbände zu einer wirklichen Aktion zu bringen. Wir müssen dazu kommen, organisatorische Maßnahmen zu treffen, die es dem B. V.-Vorsitzenden möglich machen, mit Beginn der Ferien