Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Die Arbeit des Kartells in der zionistischen Organisation. konnte. Stets wurden wir von den Ereignissen, die sich um uns abspielten, mit fortgerissen und bisweilen trugen wir sogar Anregungen oder Kämpfe in das zionistische Leben außerhalb des Kartells. Voraussetzung dazu allerdings war und ist auch noch heute die Aufnahmefähigkeit und die Verarbeitungsmöglichkeit politischer Ereignisse durch unsere Bundesbrüder. Und so erscheint mir Vorbedingung einer wirklichen fruchtbaren Tätigkeit des Kartells in der zionistischen Organisation eine feste und bewußte politische Erziehung in der Verbindung; zu sein. Es sei hier daran erinnert, daß nach dem Kriege das Kartell picht zur Ruhe gekommen ist. Der Sturm, der von der einen Seite gegen jede Form gelaufen ist, die Bestrebungen, Spezi alkorporationen zu schaffen, die Ringfrage — das waren alles Kämpfe *gegen ein einheitliches Kartell. Andererseits hatten wir uns mit Menschen auseinanderzusetzen, die für sich jede Galutharbeit mit der Begründung der Vorbereitung auf Palästina ablehnten. Diese Kämpfe waren sicherlich notwendig und haben schließlich doch zu einem einheitlichen Kartell geführt. Aber noch lange hatten wir überall mit Menschen zu tun, die zwar nicht mehr aus ihrer Ideologie eine prinzipielle Streitfrage machten, die aber durch ihr passives Verhalten, aus ihrer nicht positiven Stellung zum K. J. V. die Verbindungen an einer Konsolidierung verhinderten. Heute dürfen wir feststellen, daß diese Kämpfe gegen die Grundlagen des Kartells keine Rolle mehr spielen. Man hat heute erkannt, daß die zionistische Bewertung einer Verbindung von einer gewissen, von allen anerkannten zionistischen Grundstimmung abhängig ist. Je mehr diese zionistische Grundstimmung "zu einem wirklichen Besitz ganzer Verbindungen geworden ist, um so mehr wird der zionistische Wert und somit die zionistische Kraft des Kartells gesteigert werden. Es ist heute nicht mehr an der Zeit, über den Zusammenhang von Galutharbeit und Erez-Israel prinzipiell zu sprechen. Jeder weiß, daß Erez-Israel nur mit Hilfe des Galuth aufgebaut werden kann. K. J. V. heißt daher auch eine Bejahung der Galutharbeit. K. J. V. bedeutet den starken Wunsch nach Nationalisierung und Zionisierung des deutschen Judentums. K. J. V. ist eine jüdische Position des Galuth für Erez-Israel. Es ist also unmöglich, über die Arbeit des Kartells in der zionistischen Organisation zu sprechen, ohne erst einmal unseren festen und programmmäßigen Willen zu dieser Arbeit dargetan zu haben, und es wird auch in Zukunft keiner einzelnen Verbindung gelingen, wirkliche zionistische Arbeit zu leisten, wenn nicht in ihrer Mitte dieser Geist ganz lebendig ist. Es ist also nicht, wie man oft fälschlich annimmt, eine organisatorische Frage allein, um die es sich handelt, sondern letzten Endes und im wesentlichen eine Frage der Erziehung. Sie ist bisher mißlungen,, weil jede organisatorische Anregung nur von Menschen aufgenommen wurde, die darin eine mechanische Arbeitsleistung sahen. Organisation erhält erst ihren Wert durch den Geist, der mit ihr verbunden wird. Wem das nicht von vornherein klar ist, der brauchte nur einen Blick auf die meist tristen und langweiligen Ortsgruppen werfen. Es wird also darauf ankommen, in den Verbindungen diesen Geist der nationalen Verpflichtung und Einordnung, dieser unbedingten Pflichttreue zu pflegen, der eben nicht nur seinen Sinn für das Leben der Verbindung erhält, sondern darüber hinaus unsere Menschen erst fähig macht, in der Organisation nutzbringend zu leben. II. Was läßt sich nun schon heute ^positiv von unserer Arbeit in der Organisation sagen? Wir wollen zunächst nur von der Arbeit der Aktivitas sprechen. Es ist notwendig, heute wie oft schon früher darauf hinzuweisen, daß eine wirkliche nützliche zionistische