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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 43)
Language
German
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Vorbildung für Bauingenieure 43 ders in der ersten Zeit, durch den weit schwierigeren Nachschub, durch den Mangel an Bauholz, durch den Mangel an baufertigem Eisen und vor allem an wirklich geübten Arbeitskräften. Der im Land, arbeitende Ingenieur wird also weit mehr als Mer auf seine eigenen Fähigkeiten angewiesen sein, weil er nicht wie hier erfahrene Vorarbeiter, Facharbeiter usw. usw. stets zur Verfügung haben wird, die in allen Lagen genau Bescheid wissen, wie alles anzufassen ist, und weil auch die Arbeiter selbst nicht wie die deutschen Arbeiter meist von Jugend auf gewohnt sind, ein Handwerkzeug zu führen, sondern zu großem Teil aus dem Luftproletariat Osteuropas herkommen. Daraus folgt aus meiner Auffassung für den jungen Ingenieur zunächst, daß er mit den primitivsten Einzelheiten des Bauens vertraut sein muß, daß er die Handgriffe selbst zu tun imstande sein muß, daß er die Anwendung der primitivsten Maschinen kennen muß usw. (Wenn Bbr. D. noch jung ist und nicht durch Krieg oder anderes 5—6 Jahre verloren^ hat wie ich, wenn er imstande ist, einige Jahre auf den Verdienst zu warten, so möge er „arbeiten" lernen, vielleicht als Maurer, vielleichtv als Erdarbeiter, ganz gleich, irgend ein Handwerk usw. richtig zu beherrschen, wird ihm außerordentlich viel Nutzen bringen.) Des weiteren wird der junge Ingenieur lernen müssen, wie so wirtschaftlich wie möglich gearbeitet werden kann, wie auch die letzten Hilfsmittel in schwieriger Lage ausgenützt werden können. Denn drüben heißt es mit dem Groschen des jüdischen Volkes sparsam umgehen. (Ich halte es für ein Unglück, daß die Straßenbaukwuzoth in Palästina von vornherein wußten, daß sie mit Defizit arbeiten würden und daß einer da sein würde, der das Defizit trägt, und das sie deshalb von vornherein nicht auf rentables Arbeiten zu achten angehalten worden sind.) Erst wer die wirkliche Arbeit kennt und wer versteht, wie wirtschaftliche Bauarbeit organisiert werden muß, soll m. E. sich an das Projektieren begeben. Die Projekte in Palästina müssen mehr als irgend wo anders sich nach der bestmöglichsten Bauausführung und Baurentabilität richten. Darum möchte ich Bbr. D. den umgekehrten Weg empfehlen, als den er sich gedacht hat: er soll sich einige Jahre den Wind der Baustelle um die Ohren wehen lassen. Zugreifen wo es geht. Als Arbeiter, als Techniker, als Bauschreiber sich ansehen, wie man gut und praktisch und rentabel bauen muß. Man kann das bei deutschen Unternehmerfirmen lernen und von deutschen Arbeitern und Vorarbeitern (wie man überhaupt von deutscher Gründlichkeit viel Palästinawichtiges lernen kann). Nur nicht den Akademiker, den akademisch - gebildeten Dipl.-Ing. markieren wollen, in Palästina ganz und gar nicht. Zu jeder ^Arbeit muß man bereit und fähig sein. Von unten anfangen und sich ^daran gewöhnen, daß der Beruf im Leben nicht so ist, wie man ihn sich im jugendlichen Eifer malt und träumt. In Deutschland wird man Firmen, die größere Projekte (Talsperren, Schleusen usw.) bearbeiten, vergebens suchen. Denn diese Projekte kommen hier alle von den Behörden. Vor deren Betrieb möchte ich warnen. Bürokratie und alter Zopf herrschen dort. Man kümmert sich wenig darum, wie der Unternehmer am vorteilhaftesten arbeitet, andere Gesichtspunkte sind meistens maßgebend. Ob es wirklich lohnen wird, in Südspanien oder Italien Bewässerungsmethoden zu studieren, entzieht sich meiner Beurteilung. Ich möchte eigentlich daran zweifeln. Es ist das eigentlich mehr die Aufgabe eines Landwirtes als des Ingenieurs, und ich glaube, daß es wichtiger ist, die Grundlagen des Bauens zu kennen, die eben bei jedem Zweig des Bauens gleich oder verwandt sind. Darum ist es auch kein Fehler, wenn man sich diese Grundlagen auch im Eisen- und Brückenbau erwirbt und es ist prinzipiell direkt verkehrt, wollte Bbr. D. seine statischen Kenntnisse, die er für seine

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