Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Berufsfragen 41 haltungs-Abende, macht sie zionistisch — und Ihr werdet viele gewinnen, die bisher kaum wußten, daß sie jüdisch sind. Man sucht soviel nach „Aufgaben" für unser Kartell. Ich begreife dieses Suchen nicht. Es ist grundverkehrt, von uns einen höherprozentigen Zionismus zu verlangen als von andern; es beleidigt die anderem, und züchtet bei uns den Dünkel. Zionistische Akademiker — unter diesem Gesichtspunkt nämlich haben wir uns verbunden — haben nicht mehr zionistisches Pflichtgefühl als zionistische Nichtakademiker. Was wir vor den anderen Zionisten voraus haben, das ist die Befassung mit geistigen Dingen. Unsere „Aufgabe" kann deshalb nur in der geistigen Führung bestehen. Aber von der Erfüllung dieser Aufgabe sehe ich wenig. Es muß unsere vornehmste Pflicht sein, den Geist des Zionismus unter die Jugend zu tragen, nicht unter die akademische Jugend, sondern zu allen, und vornehmlich zu denen, deren geistiges Leben kümmerlich ist. Das K. J. V. muß Jugendvereine auf breitester Grundlage schaffen und in der Heranziehung der geistig Uninteressierten seinen größten Stolz erblicken. Nur in solchen Vereinen können neue Zionisten erzogen werden. Fordert nichts — keinen Schekel, keinen Landesbeitrag. Es ist Tatsache, daß die hohen finanziellen Ansprüche der Ortsgruppen vom Eintritt abschrecken. Macht erst in den Jugendvereirien die Zionisten, und führt sie dann den Ortsgruppen zu. Ich meine nicht, daß die Sondergruppen aufhören sollen zu bestehen. Im Gegenteil, sie sind nötig. Aber sie müssen sich auf ihren Zweck beschränken und müssen alles, was dem ganzen Zionismus, nicht ihnen allein, gehört, der ganzen zionistischen Jugend geben. Ich habe das alles nicht geschrieben, um einen Artikel zu schreiben, sondern um ein Problem anzurühren, das leider Gottes von den wenigsten erkannt wird. Ich hoffe, daß andere Bundesbrüder ihre Meinung dazu äußern werden. Und wenn ich ein kleines Häuflein von Zustimmenden finden dann wollen wir an die Arbeit gehen. Berufsfragen. Ein Brief von Dr. R u p p i n. Zionist Commission to Palestine. Jerusalem, den 6. November 1921. An die Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W. 15. Auf Ihr Schreiben vom 5. Oktober erwidere ich Ihnen, daß ich die Berufsvorbereitung für Chaluzim in Deutschland für außerordentlich erwünscht halte. Es ist für uns außerordentlich störend, daß der größte Teil der Einwanderer nach Palästina ohne Vorkenntnisse in der Landwirtschaft oder in einem Handwerk ankommt. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die wenigen jungen Leute, welche mit guten Kenntnissen in der Landwirtschaft hier ankommen, ohne weiteres Beschäftigung finden können, während diejenigen, die keine oder keine genügende Ausbildung genossen haben, hier außerordentlich schwer in der Landwirtschaft unterzubringen sind. — Ebenso könnten wir eine größere Anzahl von guten Handwerkern, insbesondere Schlosser, Mechaniker, Tischler, Bauarbeiter hier bei der Regierung unterbringen, wenn sie wirklich gut ausgebildet wären und die Fähigkeiten des deutschen oder englischen Handwerkers hätten. Da Deutschland eines derjenigen Länder ist, in welchen Landwirtschaft und Handwerk hoch entwickelt sind, und in welchen es bei den.