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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
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40 Die Organisation der Jugend Arbeitergruppen weisen nur ganz wenig Westjuden als Mitglieder auf; diese wenigen aber sind meist gerade durch ihre Fühlung mit den Ostjuden so exponiert, daß der Gegensatz dadurch nur stärker betont wird. Wo ist die Brücke vom Akademiker zum Kaufmann? Geringschätzung des einen durch den andern ist die Regel. Glaubt nicht, daß man das ändert, indem man einige Kaufleute ins K. J. V. aufnimmt. Man nimmt ja nur diejenigen, die sich unserem Milieu anpassen, weil sie nach ihrem geistigen Habitus eigentlich Akademiker sind. Die Aufnahme ist in den Augen der meisten ein Aufstieg. Nehmt ihr nicht alle, so betont ihr durch die Ausnahmen den Gegensatz nur stärker. Ich kenne einen Fall, in dem ein H. C.er ins K. J. V. aufgenommen wurde; fortan ließ er sich im H. C. nicht mehr sehen. Im H. C. aber betont man das Primat des Kaufmanns, klagt über die Verständnislosigkeit des Akademikers in Wirtsehaftsfragen, klagt über die Akademikerwirtschaft in der Zionistischen Organisation. Wir Zionisten haben es ja sogar verstanden, durch organisatorische Maßnahmen Klassengegensätze zu schaffen, wo früher keine waren. Wir kennen die Tragödie der letzten Spaltung des K. J. V. Rein persönliche Vorgange waren an dieser Trennung schuld. Aber seit wir K. J. V. und B. Z. K. nebeneinander haben, bildet sich immer deutlicher die Tendenz zur Bildung prinzipieller Gegensätze heraus. Und heute hat wohl jeder das klare Bewußtsein oder wenigstens das dunkle Empfinden, daß in jedem von beiden Kartellen verschiedene Klassen von Menschen sich verbunden haben. Bald wird jedes Kartell seinen eigenen klaren „Standpunkt" haben. Der Zerklüftungs- und Zersplitterungsprozeß geht weiter. Die Prozeßkosten trägt der Zionismus. Der Zionismus hat den Schwung verloren. Warum? Weil es ihm an der kompakten Masse fehlt. Wenn Ihr die Arbeiter einer Stadt zum sozialistischen Kampfe anfeuern wollt, so werdet Ihr nicht eine Konferenz von Gewerkschaftsführern und Vereins-Vorsitzenden einberufen, damit jeder „seinen Standpunkt vertritt". Sondern Ihr werdet alle Arbeiter versammeln und zu ihnen unmittelbar reden. Der Zionismus aber redet zu seiner Jugend, seiner ganzen Hoffnung, nicht unmittelbar, sondern durch die Vermittelung der Vertreter von Sondergruppen. Das ist der Fehler. Was wir brauchen, sind Allgemeine Zionistische Jugendvereine. Nehmt die Studenten und die Kaufleute, die Arbeiter und die Bürgerlichen, Jungens und Mädels, Ostjuden und Westjuden, schließt sie alle zu einer Vereinigung zusammen, und laßt sie nicht Vereinsvertreter, sondern Menschen zu Führern wählen. Gebt ihnen Gelegenheit, nicht K. J. V.-Politik, B. Z. K.-Politik, Misrachi-Politik, H. C.-Politik, sondern zionistische Arbeit zu machen. Schafft nicht Ostjuden-Heime, Blau- Weiß-Bibliotheken, H. C.-Klubräume, sondern schafft Jugendheime. Bringt die Menschen zueinander, und zwingt sie nicht in Sonderbestrebungen ein. 99% der Arbeit, die in den Sondergruppen und für die Sondergruppen getan wird, gehörten in Wahrheit in einen allgemeinen Zionistischen Jugendverein. Tut man diese Arbeit in einer Sondergruppe, so ist sie für die anderen entweder verloren, oder sie muß in den anderen sieben Gruppen noch siebenmal getan werden. So werden Kräfte und Geld vergeudet! Mit all unseren Sondergruppen aber erfassen wir keinen einzigen von jenen gänzlich uninteressierten, geistig unbeteiligten Menschen, die nur ihr Geschäft, das Kino und den Tanzboden kennen. Wo ist bisher ein ernsthafter Versuch gemacht worden, diese Leute heranzuziehen? Wo hätte er aber auch gemacht werden können? Sicher nicht im K. J. V., im H. C, im Blau-Weiß, im Misrachi usw. Wohl aber kann er gemacht werden im allgemeinen Zionistischen Jugendverein. Gebt Volksunter-

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