Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Die Organisation der Jugend ^Es bestand damals und besteht noch jetzt bei -ins als Folge der Assimilation zwischen dem jüdischen Akademiker und dem jüdischen Kaufmann ein Gegensatz oder doch eine Zusammenhanglosigkeit, eine Erscheinung, die bei der Jugend am stärksten fühlbar ist. Uber die Ursachen kann-man streiten; dagegen ist ein Streit darüber nicht möglich, daß diese strenge Differenziertheit bei Menschen des gleichen Milieus absurd ist und überwunden werden muß. Wir müssen unsere Anstrengungen richten gegen den lächerlichen, weil unbegründeten, geistigen Dünkel eines Teiles der Akademiker und gegen die trostlose, völlig unjüdische geistige Armut eines großen Teiles unserer Kauileute. Wenn man heute bestehende kaufmännische und akademische Vereine zusammenfassen wollte, dann würde man — auch wenn es sich um Vereine mit gleicher Erziehungsgrundlage, z. B, Sport-V. J. St. und Sport-Abt. des Bar Kochba handelt, — den gleichen Mißerfolg erleben, wie bei der Fusion Ivria —- Ruder-V. J. St. Einer Fusion muß eben die von den Akademikern zu leistende Kleinarbeit vorangehen. Diese Kleinarbeit wird auch schon jetzt — leider von viel zu wenigen — geleistet. Sie beruht aber auf einer falschen Einstellung und bleibt daher erfolglos. Der Akademiker kommt in den Kreis der Kaufleute mit großen Prätentionen; er ist sich der geistigen Distanz wohl bewußt; nicht das Gefühl, sondern zionistisches Pflichtbewußtsein treibt ihn. Auf diesem Wege kann die gegenseitige Beeinflussung nicht gelingen. — Als Gemeine, nicht als Unteroffiziere, müssen wir in den Kreis der Kaufleute treten, wenn wir die gefühlsmäßigen Zusammenhänge aufdecken und eine geistigere Atmosphäre schaffen wollen: Wenn das K. J. V. nicht in Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Volksarbeit die kaufmännischen Vereine, vor allem den numerisch so starken, in nationaler Beziehung so wenig belangvollen Bar Kochba von innen heraus reformiert, kann eine Vereinheitlichung der Jugendbewegung keinen Erfolg haben. Bisher ist es nur bei schönen Worten geblieben; bevor nicht eine tatsächliche Änderung eingetreten ist, soll man sich hüten, einer Sprengung des akademischen Rahmens, der, vom Standpunkt der Verbindung aus gesehen, eine Stärke bedeutet, das Wort zu reden. — Die Eingliederung einzelner, besonders geeigneter Individuen aus nicht akademischen Berufen wird den Charakter des K. J. V. kaum ändern und bedeutet daher keine Sprengung des akademischen Rahmens. Eine unvorbereitete, innerlich nicht notwendige Fusion mit einem nicht akademischen Verein ist dagegen eine ernste Angelegenheit, die regelmäßig den Tod des schwächeren Teils bedeutet, ohne den Stärkeren zu bereichern.. Die Organisation der Jugend. Von Max Jacobsohn, Breslau (V. J. St. Hasmonaea-Breslau A. H.). Es ist Gewohnheit und Vorrecht der Jugend, sich weniger um die Organisation als um die Sache zu kümmern. Aber es ist Pflicht derselben Jugend, ihre Organisation zu revidieren, wenn diese Organisation beginnt, Anlaß einer unheilvollen Entwicklung zu werden. Unheilvoll aber entwickeln sich die Parteiungen, Spaltungen, Sektierereien im Zionismus. Es läßt sich nicht leugnen, daß die zionistischen Ortsgruppen in ihrer Mehrzahl nach keiner Richtung hin homogen zusammengesetzt sind. Alte und Junge, Sozialisten und Bürgerliche, Thoratreue und Freigeister, Radikalisten und Revisionisten, Kaufleute und Akademiker — diese und andere Gegensätze bestehen, sind notwendig und werden nie verschwinden, sondern vermutlich durch neue Gesichtspunkte, neue Aufgaben immer noch vervielfältigt werden. Wir brauchen diese Differen-