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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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Sprengung des akademischen Rahmens 37 folg die sportliche Erziehung mehr in den Vordergrund zu rücken, oder mindestens eine Synthese zu schaffen. Eine Klarheit über diesen Punkt war noch nicht erzielt, als die Fusionsverhandlungen begannen. Bei diesen Verhandlungen, die außerordentlich langwierig und schwierig waren, wurde seitens der Ivria immer wieder darauf hingewiesen, daß in dem neu zu schaffenden Verein ein Zurückdrängen des sportlichen Erziehungsprogramms unter allen Umständen verhütet werden müsse. Das glaubte die Leitung des Ruder-V. J. St. gewährleisten zu können. Auf die Einzelheiten soll und braucht hier nicht eingegangen zu werden. Genug, die Fusion kam zustande. — Nunmehr, nach etwa zwei Jahren,;sind wir in der Lage, den Erfolg oder Mißerfolg zu beurteilen. Man kann das Resultat am besten mit dem bekannten Witzwort kennzeichnen: Die Operation ist gelungen, aber der Patient ist tot — Der jetzt bestehende fusionierte Verein steht rudertechnisch auf einem überaus schlechten Niveau; die Erziehungstendenz ergibt sich aus dem, — im J. St. geschriebenen Artikel von Bertram Fischer und Friedrich Simon („Formen im Kartell"). Die älteren Kaufleute der Ivria sind zu einem großen Teil als unbrauchbar entfernt worden; die noch im Verein befindlichen stehen mißmutig und ohne jede Beziehung zur Aktivitas untätig beiseite. In der letzteren befinden sich auch eine Anzahl junger Kaufleute, die nach der Fusion eingetreten sind; ob diese sich auf die Dauer in den Rahmen des Ruder-V. J. St. werden eingliedern lassen, entzieht sich meiner Beurteilung. Soviel steht jedenfalls fest, daß der Ruderklub Ivria völlig verschwunden ist; der heutige Verein steht auf dem Standpunkt des alten Ruder-V. J. St. Durch die Fusion sind nach meiner Schätzung mindestens 30 im Erwerbsleben stehende Kaufleute dem jüdischen Gemeinschaftsleben entzogen worden, die, wenn überhaupt, nur durch die alte Ivria zu aktivieren waren. Die fast kampflose Überwindung des alten Sportsgeistes ist der notorischen Überlegenheit des Akademikers über den Kaufmann in vereinstechnischer und organisatorischer Beziehung, vor allem aber dem Umstände zuzuschreiben, daß das geistige Fundament der Ivria beim Abschluß der Fusion erst rudimentär vorhanden war. Es soll hier nicht in eine Untersuchung darüber eingetreten werden, ob der Gedanke, der dem Erziehungssystem der Ivria mindestens unbe-» wüßt zugrunde lag, der Verwirklichung wert erscheint. Ich für meinen Teil glaube, daß wir gerade im Zionismus Menschen sehr nötig haben, deren Charakter in der harten Schule einer militärischen Disziplin gebildet ist; ich glaube weiter, daß sich dieses Erziehungsziel nur durch den Sport (und zwar den Mannschaftssport) erzielen läßt, endlich glaube ich, daß die durch diese gemeinsame körperliche Erziehung geschaffenen Bindungen persönlicher Art die Aktivierung der älteren Bundesbrüder in hohem Grade gewährleisten und damit zur Lösung des Alt-Herren- Problems beitragen. Allein über alle diese Fragen kann man auch anderer Ansicht sein. Hierauf kommt es aber nicht entscheidend an. Entscheidend ist vielmehr, daß bei der Fusion zwischen dem R. V. J. St. und der Ivria der sportliche Gedanke als integrierender Bestandteil des neuen Vereins von beiden Parteien anerkannt wurde und daß man die Eingliederung des größeren Teils der aktiven Ivria für selbstverständlich hielt. Beides war leider ein Irrtum. Es ist für uns, die wir in der alten Ivria groß geworden sind, ein schmerzliches Gefühl, daß der wertvollste' Repräsentant der jüdischen sportlichen Erziehung in Deutschland bei der Fusion sein Leben eingebüßt hat. — Gleichwohl bin ich der Uberzeugung, daß der Gedanke der Fusion ein glücklicher und gesunder war; die Ausführung war aber verfrüht. — Damit komme ich zu dem Kernpunkt der Fusionsfrage überhaupt, soweit es sich um die Angliederung kaufmännischer Vereine handelt.

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