Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Sprengung des akademischen Rahmens Sprengung des akademischen Rahmens? Von Dr. Fritz Schwabe, Hamburg (Ruder-V. J.-St. Ivria-Berlin A. H.). Seit einer Reihe von Jahren werden Versuche unternommen, den akademischen Rahmen des K. J. V. zu sprengen. Diese Versuche hat man etwa folgendermaßen begründet: Die zionistische Erziehung, so wurde gesagt, könne zwar ihrer Form, nicht aber ihrer Tendenz nach verschieden sein. Die Formen (Betonung der körperlichen, geistigen oder gemütlichen Seite) hätten ihren einzigen Grund in den verschiedenartigen Anlagen der Individuen; eine Scheidung nach Berufen sei dagegen mit einer nationalen Erziehung schwerlich vereinbar. Diese Argumentation ist meiner Ansicht nach zutreffend; ich nehme sogar an, daß die künftige Stellung des K. J. V. in der zionistischen Bewegung wesentlich von dem Erfolg der oben erwähnten Versuche abhängt. Bisher ist erst in einem Fall die Theorie in größerem Umfang in die Praxis umgesetzt worden, und zwar bei der Fusion zwischen dem Ruderklub Ivria und dem Ruder-V. J. St. Es erscheint mir wichtig, an diesem praktischen Fall die prinzipielle Frage zu prüfen. Es sei mir gestattet, den Werdegang des Ruderklub Ivria bis zur Fusion kurz zu skizzieren. Der Ruderklub Ivria ist aus dem jüdischen Jugendbund in Berlin hervorgegangen und vor etwa zwölf Jahren gegründet worden. Der hingebenden Arbeit eines österreichischen Kaufmanns und eines Akademikers (des 1917 gefallenen Karl Abraham) gelang es, die sehr großen technischen Schwierigkeiten, die im Rudersport selbst begründet sind, zu überwinden und den Verein in die Höhe zu bringen. Ermöglicht wurde dies durch eine ungemein straffe, fast militärische Disziplin, vor allem aber durch rücksichtslose Auslese. Bei Kriegsbeginn hatte der Verein etwa 40 aktive Ruderer und eine große Zahl von unterstützenden Mitgliedern. Das rudertechnische Können und die Disziplin hatten auch den Respekt der antisemitischen Ruderklubs erzwungen. In jüdischer Beziehung hatte sich unter dem Einfluß der im Verein tätigen Akademiker, die numerisch etwa des Mitgliederbestandes bildeten, eine Radikalisierung im zionistischen Sinne durchgesetzt, feste Formen für die geistige Erziehung wurden eifrig gesucht. Die Beteiligung am Klubleben war eine sehr befriedigende, insbesondere auch seitens der älteren, im Beruf stehenden Mitglieder. Mit dem Ausbruch des Krieges wurden etwa 90% der Mitglieder alsbald eingezogen. Trotzdem setzten die Zurückbleibenden die Arbeit fort, indem sie eine Jugendabteilung gründeten und auf sie die bestehende Tradition vererbten. Der Erfolg war über Erwarten groß. Im Jahre 1916 gelang es, gegen starke Konkurrenz zahlreiche Siege in öffentlichen Regatten zu erringen. Damit war der Ruf des Vereins in Berlin begründet. Inzwischen waren die jüngeren Mitglieder der Ivria nach dem Abiturium in das K. J. V., — und zwar selbstverständlich in den Ruder- V. J. St., — eingetreten. Diese Mitglieder, die eine wertvolle ruderische Ausbildung empfangen hatten und an ihrem Stammverein außerordentlich hingen, brachten den Gedanken einer Fusion zwischen dem Ruder- V. J. St. und der Ivria in Fluß. Die Fusionsfrage wurde mit dem Beginn des Friedens akut und mußte zu einer Lösung geführt werden. Der Ruder-V. J. St. hatte im Laufe seiner Geschichte den Akzent, umgekehrt wie die Ivria, mehr auf die jüdische als auf die sportliche Seite gelegt Die neu eintretenden Ivrier suchten mit wechselndem Er-