Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Jubiläum des K. C. 33 VI. Nun aber geht mir ein Licht auf, warum dies alles im K. C. betont wird. Es ist das Kampfmittel. „Als Gegner haben wir den antisemitischen Studenten aufs Korn genommen. . . . Wir suchen ihn auf seinem Boden auf und bekämpfen ihn mit seinen Waffen, indem wir uns auf ihn nicht nur äußerlich in Couleur und Komment, sondern auch in Denk - und Sinnesart einstellen." Es ist schon unzählige Male gegenüber dieser Anschauung unsererseits betont worden, daß man niemals einen Gegner zur Achtung und Anerkennung zwingen kann, wenn man seiner eigenen Art zu denken und zu fühlen zu entsagen sucht und sich gewaltsam — ohne Rücksicht, ob es jüdischer Art entspricht — mit gemachter Selbstsicherheit „in Denk- und Sinnesart" auf den Gegner einstellt. Der Erfolg solche^ Mimiker kann nur die noch stärkere Verachtung von Seiten des Gegners sein. Verstehen könnte ich noch etwa diese Kampfart, wenn der K. C. selbst an die Ehrlichkeit seines Gegners glaubte. Aber nicht einmal das ist der Fall. Bei der Kritik des A. J. G. V. S. 104 heißt es: Wer durch bloße Aufklärung den Antisemitismus bekämpfen will, nimmt unbewußt eine durchaus ethische Grundlage der gegnerischen Gesinnung an. Der Appell an den Verstand des Gegners blieb aber ohne jede Wirkung . . . Der K. C. negiert hier aber ausdrücklich die ethische Grundlage der Gesinnung seiner Gegner. Auf der andern Seite sucht er sich „nicht nur äußerlich in Komment und Couleur, sondern auch in Denk- und Sinnesart" auf diesen Gegner, dessen ethische Gesinnung er anzweifelt und dessen Unbelehrbarkeit er erfahren hat, einzustellen. Ich halte die Kritik solchen Verhaltens für überflüssig, das hierfür geprägte Wort fällt außerhalb der Reihe parlamentarisch gebräuchlicher Worte. VII. Die gleiche Oberflächlichkeit bei der Kritik unserer Tendenz. Man wirft uns „stillschweigende Anerkennung des gegnerischen Standpunktes" vor. Jeder, der sich mit dem Antisemitismus auseinandergesetzt hat, weiß, daß der Antisemitismus seine Grundlage hat in der Anschauung, daß die Juden eine nationale Sonderheit mit — gegenüber den Deutschen — minderwertigen Eigenschaften darstellen. Niemals hat der Zionismus diesem gegnerischen Standpunkt zugestimmt. Im Gegenteil, der Zionismus hat seine Grundlage in der Anerkennung der Juden als nationale Sonderheit mit wertvollen, zum mindesten denen der anderen Nationen gleichwertigen Eigenschaften. Wir glauben an diese noch ruhenden Möglichkeiten der jüdischen Nation und werden den Gegner durch unsre eigenen jüdischen Leistungen zur Anerkennung zwingen. Daß unser Weg richtig ist, zeigt sich im Verhalten unserer Gegner. Entweder werden unsere Leistungen negiert und totgeschwiegen oder das im Anfangsstadium noch Verworrene hervorgezerrt, um die Unfähigkeit der Juden zur Staatsbildung zu demonstrieren. Einst aber wird der Tag kommen, wo die Tatsachen unserer Leistungen nicht mehr verschwiegen werden können und die Grundlagen des Antisemitismus werden wanken. Aber nicht deswegen bauen wir Palästina auf, um den Antisemitismus durch unsere Leistung zu überwinden. Er ist tatsächlich für uns eine „Nebensache im jüdischen Empfinden"; durch den Hund, der uns auf der Straße anbellt, werden wir uns nicht vom Ziele unseres Weges abhalten las-