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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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32 Zum Geburtstag des K. C. Und die Mädchen! Da lockt ein brauner Mädchenzopf, Ein schaumgefüllter Henkeltopf, Ein Streit ist auch kein schlimmes Ding, Und Schmiß und Schmuck — acht's nicht gering! Und über alle Sachen Ein herzerquickend Lachen." IV. „Und nun wieder zurück zum Waschteich! In seiner Nähe holte sich rasch einer den ganzen Stolz männlicher Schönheit, wenn der böse Feind so freundlich war, einen „Durchzieher" zu schlagen. Und wenn's nicht mit Schlägen ging, dann brachte ihn der „krumme" Säbel." V. ■. - ■ Doch endlich habe ich das „Positive" gefunden. Da steht es geschrieben: „In Wirklichkeit ist die politische Tätigkeit des K. C. in höchstem Grade positiv. Der Kampf um das Recht ist eine jüdische Idee. . . ." Einem jüdischen Menschen, der ernsthaft seine ganze Persönlichkeit für den Kampf um das Recht einsetzt, der sich als Jude zum Beispiel besonders berufen fühlt, für eine unterdrückte Klasse eines fremden Volkes zu kämpfen, würde ich ernsthaft erwidern, würde ihm zeigen, daß Ideen, wie Freiheit, Recht und Gerechtigkeit, alle Völker bewegt haben und heute noch bewegen, jedes Volk aber in seiner Art, daß daher sein Kampf als Mensch zu achten sei, aber nicht seine jüdische Aufgabe sein könne, sondern daß er innerhalb seines Volkes seine Kraft einzusetzen habe. Aber kann man hier ernsthaft erwidern? Wer von einem Volke Gerechtigkeit für sich verlangt, der trete selber für das Recht dieses. Volkes ein; -er muß unbedingt alles ablehnen, was den Ausdruck des Dünkels eines Standes darstellt, der sich über jenes Volk erhaben fühlt, alles, was jene Mächte stützt, die allzu gerne ein Willkürregiment über jenes Volk führen möchten. Und tut dies der K. C.er? Nein. Während er für sich als Jude vom deutschen Volke Gleichheit, Freiheit verlangt, pflegt er selber in seinem Kreise die Sitten und Formen derjenigen, die sich in dünkelhafter Weise vom Volke absondern, die, an^ statt ihr Akademikertum als Dienst am Volke zu empfinden, und bescheiden ohne Pomp und Zeichen ihrer Aufgabe zu leben, hochmütig die Zeichen ihrer akademischen „Würde" zur Schau tragen, das Akademikersein als Berechtigung zu besonderen „Freiheiten" auffassend, und jederzeit aktiv hervortretend, wenn es gilt, das Volk zu treten (mam erinnere sich an die Rolle der Studentenschaft beim Kapp-Putsch), selber sich von Unterdrückung bedroht fühlend und Freiheit verlangend, nimmt er die Sitten derjenigen an, die das Volk, von dem er glei'che, Rechte und Freiheiten verlangt, mit Unterdrückung bedrohen. Kann man da überhaupt von einem Kampfe um das Recht, von einer „positiven" Aufgabe, geschweige denn „jüdischen" Aufgabe reden? Und vor allem, haben Menschen, die in den Formen der „Herrenkaste" leben, noch die innerliche Berechtigung, für Recht zu kämpfen? Können sie noch ehrlich die Worte: Freiheit, Gerechtigkeit im Munde führen? Man sei doch einmal endlich offen und ehrlich und gestehe es offem ein: Unser Leben wird vom Judentum (ich meine hier die „jüdische Religion", das „absolut" Wertvolle, welches gegen unseren nur relativ wertvollen Zionismus ausgespielt wird) genau soviel beeinflußt, wie von dem Gesetz des Korans. Unser Gesetz ist der deutsche, Sauf- und Paukkomment. Unser höchstes Streben der schneidige „Durchzieher". Ein solches Bekenntnis wäre ehrlich.

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