Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Zum Jubiläum. 4es K- C. sagen, die in ihren Untersuchungen über die Mißstände im V. J. St. alle mögliehen Probleme behandeln, aber diese erste und letzte, ihnen vielleicht überflüssig erscheinende Sorge außer acht lassen. Als Ernst Wolff austrat, sagte er, daß die träge Atmosphäre des B. J. C. auch die guten Zionisten anstecke und schwach und nachgiebig mache. Wer will leugnen, daß in diesen Worten mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt?! Hierauf will dieser Aufsatz aufmerksam machen. Er beschäftigt sieh absichtlich nicht mit anderen hierhergehörigen, sekundären, wenngleich vielleicht feineren Fragen, z. B. den von Kirschner angeschnittenen Problemen. Er müßte sonst — dies sei hier kurz hervorgehoben — gegenüber der möglicherweise gewollten, aber gefährlichen Einseitigkeit, mit der Kirschner über die Arbeit des V. J. St. urteilt und gegenüber seinen Forderungen, oder vielmehr nur gegenüber der Begründung seiner Forderungen betonen, daß die Bestimmung, gewissermaßen die Mission des V. J. St. nicht eine wissenschaftlich-kulturelle, sondern eine politisch-moralische ist (und auch nur sein kann), daß es sich also im V. J. St. nicht in erster Linie um Bildung wissenschaftlicher Ansichten, sondern um Formung politischer Überzeugungen handelt, und daß, wenn die Synthese „Glauben und Wissen" unmöglich wäre, vor der Alternative „Glauben oder Wissen" die Antwort des B. J. C. unbedenklich lauten müßte: Glauben!! Daß man im übrigen, innerhalb einer studentischen Korporation, sich der Grenzen des Möglichen bewußt bleiben und mit der Tatsache vertraut machen soll, daß eine Korporation als solche, d. h. unmittelbar durch sich selbst, auch bei größter Vervollkommnung ihrer organisatorischen, vor allem wissenschaftlichen Institutionen im Durchschnitt immer nur grobmechanische Arbeit leisten wird. Nur durch besonders qualifizierte Einzelpersönlichkeiten und dann wohl mich in Einzelpersönlichkeiten erzeugt sie höhere und feinere Werte. Die aber sind "dann ihrer Natur nach vorwiegend moralische, nicht intellektuelle; und müssen es auch sein! Damit soll die, jedenfalls sehr beachtenswerte Bemerkung Kirschners hierzu: „Charaktere sind nicht nur auf Fühlen und Wollen basiert, sondern auch — und gerade — auf Denken! Sie orientieren sich also nicht nur an sentimentalen und ethischen Momenten, sondern auch sehr stark an 'logischen oder, im weiteren Sinne, an intellektuellen", nicht übersehen, aber in ihrer Bedeutung für unsere Arbeit begrenzt werden. Aber all dieses müßte in einem besondern Artikel ausfuhrlich behandelt werden, ebenso wie schließlich der letzte und wichtigste, ebenfalls von Kirschner berührte Teil des Erziehungsproblemes: ob es möglich ist, für den Zionismus und durch ihn einen realen jüdischen Lebensinhalt zu schaffen, der vor dem übermächtigen Gegendruck deutscher Kultureinflüsse bestehen könnte. ... Zum Jubiläum des K. C. Von Leo 01 i t z k i, Breslau (V. J. St. Maccabaea-Berlin A. H.). I. Bei der Fülle der Fragen, die heute innerhalb unsrer Bewegung bestehen, haben wir es vergessen, einmal Umschau zu halten, in welcher Richtung heute die Entwicklung der nichtzionistischen Mehrheit der deutschen Juden sich bewegt. Die letzten Beschlüsse des" Zentralvereins haben gezeigt, daß in bestimmten Kreisen nichts zugelernt und auch