Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Mein Beitrag zur Diskussion 25 mals Palästina aufbauen, niemals ein starkes jüdisches Galuth schaffen. Wer wirken und schaffen will, kann es nur aus einer gewissen inneren Sicherheit und Zufriedenheit heraus tun . . ." (Januar J. St. 1921, S. 14.) Wenn (was ich leise bezweifle) das Berufsressort wirklich nach so verständigen Grundsätzen seine Arbeit leistet, bin ich zufrieden, nur fürchte ich, daß dann herzlich geringe Erfolge erzielt werden können. Der einzige Beruf, der nach wie vor für Palästina in Frage kommt, ist der des Landwirts, allenfalls einer gewissen Kategorie des Handwerks. Und Löwenstein gibt selbst zu, daß nur ganz vereinzelte Menschen hierfür prädisponiert sind. Zu akademischen Berufen für Palästina zuzuraten, wird man sich hoffentlich abgewöhnt haben, nachdem es sich gezeigt hat, wie voreilig es war, auf die Nachfrage nach dem' Lehrer allzusehr zu vertrauen. Zwei Wünsche habe ich für das Berufsressort: Erstens soll es unterlassen, je nach dem Augenblick Parolen für bestimmte Berufe auezugeben, da dies Dilettantismus schlimmster Art und mit der Verantwortung, die man für die Beratenen übernimmt, nicht vereinbar wäre. Und zweitens soll das Ressort nicht soviel Aufhebens von seiner Existenz machen. Es hat, wenn es im stillen arbeitet, durchaus seine Berechtigung, in dem Augenblick aber, wo es mit der Prätention auftritt, das neue Heil zu verkünden und durchgreifende Resultate zu erzielen, gelangen wir zu jener ideologischen Unwahrhaftigkeit, die wir mit allen Mitteln los werden müssen. Wir müssen wieder ehrlich werden, wir müssen den Leuten, die nur fordern und selbst nicht erfüllen, den Mund verbieten, wir dürfen, nur Forderungen stellen, denen ein immerhin beträchtlicher Prozentsatz auch wirklich nachkommen kann. Man habe keine Angst vor dem Worte „Minimalforderungen". Die Minimalforderungen sind noch immer schwer genug zu erfüllen, und angespannteste Erziehung tut dazu not. Die Revision des Kj. J. V. sehe ich darin, daß wir nicht mehr Höchstforderungen stellen (und nicht erfüllen), sondern daß wir Mindestforderungen aufstellen, denen aber dann wirklich nachkommen. Der Leser wird hier erstaunt aufhorchen und sich und mich fragen, ob ich meine „Diagnose" inzwischen revidiert habe und dem K. J. V. nun doch noch Lebensberechtigung zubillige. Meine Antwort lautet: Ich bleibe bei meiner so angegriffenen Diagnose, nicht aus Lust am Widerspruch, sondern weil sie mir richtig und bisher unwiderlegt erscheint. Ich stelle aus .eigener Kenntnis das Siechtum des Kartells fest, auch, wenn es nach außen hin Leben vortäuscht und scheinbar zu einer Konsolidierung gelangt. Da aber auch ich aus meiner zionistischen Erfahrung weiß, daß ohne eine geschlossene organisierte Studentenschaft der deutsche Zionismus einfach erledigt wäre, erhebe ich die Forderung nach einem — neuen K. J. V. Die erste conditio, ohne die ein neues lebensfähiges Kartell nicht entstehen kann, habe ich angegeben: erbarmungsloser Abbau unserer unwahrhaftigen Ideologie, ehrliche Erkenntnis der Grenzen, die sich die Gemeinschaft zu setzen hat, dann aber peinlichste Erfüllung der „Mindestforderungen". Doch ich würde mir nach dem, was ich an früherer Stelle eingehend aufzuzeigen versuchte, selbst widersprechen, wenn ich auf dieser alleinigen Grundlage die Möglichkeit erkennen könnte, die beste jüdische Jugend Deutschlands im K. J. V. zu vereinen. Für folgende Gedanken und Vorschläge erbitte ich Aufmerksamkeit. Das K. J. V. muß in ganz anderem Maße als bisher Erziehungsstätte werden. Unsere Ausbildung hat sich allzusehr darauf beschränkt, die Leute in die zionistische Lehre einzuführen und ihnen jüdisches Wissen zu übermitteln (leider nicht einmal mit besonderem Erfolg). Außer dieser mehr als „Unterricht" zu bezeichnenden Ausbildung verstand man als „Erziehung im engeren Sinne" zu ausschließlich die Übermittlung des Staatsbürger- und zionistischen Verantwortungsgefühls. Ich glaube nun