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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Mein Beitrag zur Diskussion 23 der ältere Mensch die Frage der individuellen Erotik anders und gereifter betrachtet als der Pubertätssekundaner, so „liebt" der weise gewordene Mann das Leben mit anderen Ausblicken als der jugendliche Stürmer mit dem prometheischen Feuer, nicht weniger vielleicht, aber anders. Und aut die Gefahr hin, stürmischen Widerspruch zu finden, spreche ich meine Meinung dahin aus: Eine wirklich lebendige Jugendbewegung läßt sich nicht allein ernähren mit dem Aufruf zu täglicher Pflichterfüllung, denn „auszufüllen mit treuem Fleiß den Kreis, den Gott ihr zugemessen", kann für Jugend kein Ideal bedeuten, wenn sie wahrhaft Jugend ist und nicht mit der ihr heteronomen Weisheit des älteren Lehrers in unedlem Stolze sich brüstet. Und dennoch plädiere auch ich für die Blumenfeldsche Parole, wenn sie in engste Beziehung gebracht wird zu Vorschlägen, die ich an späterer Stelle entwickeln werde. Unser Volk lebt im Kriegszustande. Wie es uns, die wir im deutschen Kriege waren, leider beschieden war, zu frühzeitig und zu wenig organisch zu reifen und zu desillusionieren, so verlangt die Lage des Zionismus, daß nüchternste Erkenntnis auch unter der Jugend herrscht und ihr Pflichten aufgebürdet werden, die in solchem Ausmaß wohl selten von einer Jugend getragen werden müssen. Ein jeder muß wissen, daß sich in diesen Jahren das Schicksal desPalästinaaufbaus entscheiden wird und daß es auf seine Mitwirkung ankommt. Wie wir es mit den Ansprüchen an die Arbeitsleistung des Einzelnen sehr ernst nehmen müssen, verlange ich aber, daß wir die unerträglichen Ideologien und die arroganten Losungen über Bord werfen, die den Ehrlichen unter der Jugend das Leben im K. J. V. einfach unmöglich machen. Die leitenden Männer des Kartells haben Maximalforderungen aufgestellt, haben deren „einstimmige" Annahme auf Kartelltagen erreicht. Und das Ergebnis? Exempla docent. Der Leipziger Kartelltag hat das Prinzip der Dienstpflicht angenommen. „Über die selbstverständliche Zeichnungspflicht hinaus hat sich jeder Bundesbruder, je nach Bedarf und Eignung, vier Wochen lang für die Arbeit zur Verfügung zu stellen." (Paul Hirsch, Januar J. St. 1921, S. 8/9.) Leo Rosenblüth hat in demselben Heft goldene Worte geschrieben, die ich restlos gutheiße. „Die Art ihrer (der Dienstpflicht) Durchführung wird erst den Beweis dafür liefern, ob hinter dem Kartelltag die einzelnen Bundesbrüder standen, und ob durch die Erfüllung dieser Pflicht eine starke Rückwirkung auf das Leben und den Geist des Kartells ausgehen wird; denn dieses sei klar gesagt: der Kartelltag bot nur einen Ausschnitt aus dem Gesamtbild unserer Gemeinschaft und ist, wie alle solche Tagungen geeignet, uns blind zu machen vor den wahren Zuständen..." (a. a. O. S. 4y.) Ich frage die leitenden Instanzen, ob wirklich ein nennenswerter Teil der Aktiven und Inaktiven Dienstpflicht leistet und ob nicht das hohe Präsidium jetzt selbst einsieht, wie sehr der Beschluß Geste war und wie wenig ihn innerstes Pflichtgefühl hervorrief. Nunmehr bitte ich um Gehör für folgende ausgezeichneten Sätze: „Ich sehe den tiefsten Grund für die bestehende Kartellsituation in dem tiefen Zwiespalt, der zwischen der Lehre des Kl. J. V. und seiner Wirklichkeit klafft. Wir sind in der Theorie das radikale Kartell, das die Einstellung auf Palästina, das Hebräische und andere radikale Forderungen stets als Grundlagen seiner Theorie angesehen hat und sich dem B. Z. K. gegenüber als das zionistisch Wertvollere fühlt. Was zeigt unsere Wirklichkeit? . . . Keine Erziehung kann auf die Dauer Früchte tragen, wenn sie jemandem Anschauungen, Ideale und Gesinnungen übermittelt, denen der Erzogene nachher auf Schritt und Tritt widerspricht. Und noch ein weiteres: keine Erziehung kann auf die Dauer Erfolge zeitigen, wenn sie von Menschen geleitet wird, deren Leben mit ihren Lehren im Widerspruch steht. Ich nannte es vorhin Unwahrhaftigkeit, daß man im K. J. V. sich dieses Radikalismus rühmt und ihn predigt, den man nicht ins Leben umsetzt. Es liegt auch eine gewisse Unwahrhaftigkeit darin, daß Menschen solche Lehren predigen, und aussprechen, die ihnen nicht

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