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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Mein Beitrag zur Diskussion 1.9 von neuem zu euch zu sprechen. Diesem Artikel liegen bereits fünf für den vorliegenden J. St. bestimmte Artikel zugrunde, deren Manuskripte mir die Redaktion auf meinen Wunsch freundlicherweise übersandt hatte. Vor Eintritt in die sachliche Erörterung muß ich mich mehr nolens als volens einer leidigen Aufgabe unterziehen. Ich muß mich nämlich denen meiner Disputanten, die ein gütiges Geschick vor meiner Bekanntschaft bewahrte, die aber offenbar auf Grund eines telepathischen Einfühlungsvermögens dennoch mein zionistisches Sündenregister kannten, ein wenig vorstellen. Der größte Teil meiner Gegner hat nämlich, nicht wie ich es erwartete, gegen die Sache, die ich vertrete, seine Polemik gerichtet und meine Argumente abgewürgt, sondern hat den bequemeren und wirkungsvolleren Weg gewählt, die vorgetragene Meinung in der Person des Vortragenden zu erledigen. Ich weiß, daß dies in der Politik so zu geschehen pflegt. Aber ich hätte doch nicht geglaubt, daß in unseren Reihen die Sitten bereits so verwildert sind, daß sogenannte Bundesbrüder die Stirn haben, erweislich unwahre Behauptungen mit grotesker Selbstverständlichkeit der erstaunt aufhorchenden Kartellöffentlichkeit mitzuteilen. Wenn — um aus dem Wust von Liebenswürdigkeiten einiges hervorzuheben — Goldwasser aus Hainichen meine „scheinheilige Miene" besingt und dann von mir sagt, ich hätte „in Wirklichkeit eine Diagnose für die eigene Lauheit, eine Entschuldigung für Mie eigene Untätigkeit" geliefert, ich hätte versucht, meiner „Bequemlichkeit ein Mäntelchen umzuhängen, das die eigene Unzulänglichkeit verdecken soll" — dann werden selbst meine grimmigsten politischen Gegner eine solche Bundesgenossenschaft ablehnen. Es kann nicht in meiner Absicht liegen, solche Argumente dadurch zu ehren, daß ich mich mit ihnen überhaupt auseinandersetze. Die „öffentliche Meinung" möge sich hiermit beschäftigen. Ich will nur ganz kurz all denen, die mich nicht kennen, sagen, wer ich zionistisch bin, um mir damit ein für alle Male die Legitimation zu verschaffen, in zionistischen Fragen mitzureden. Denn es ist durchaus richtig, daß es auch darauf ankommt, wer etwas sagt. Also: ich stehe seit etwa zehn Jahren im aktiven zionistischen Leben, habe bis vor kurzer Zeit fast wie ein Aktiver im K. J. V. gearbeitet, ca. zehnmal Fuxenstunden und Kurse gegeben, xmal geprüft, ständigen persönlichen Kontakt selbst mit den Jüngsten unterhalten, l3/4 Jahre im Präsidium gearbeitet, nicht ohne Erfolg mich an der Keren Hajessodarbeit beteiligt und gehöre zu den wenigen, die sich der Z. V. f. D. zu jeder Arbeit zur Verfügung stellen. (Gemeinde, Jugendarbeit, Propaganda usw.) Es dürfte genügen, wenn ich mich zum Beweise meiner ausreichenden zionistischen Tätigkeit auf das Zeugnis keines Geringeren als Felix Rosenblüths berufe. Was ich allerdings nie getan habe, das war, meine zionistischen Leistungen an die große Glocke zu hängen, Ehrgeiz und die Sucht nach Würden hat mir immer fern gelegen und ein homo publicus bin ich nie gewesen. Es kommt mir wahrhaftig komisch vor und liegt mir verflucht wenig, mich hier öffentlich vorführen zu müssen. Wenn es aber so weit gekommen ist, daß selbst ältere Bundesbrüder, die mich etwas kennen könnten, um fehlende Argumente durch Worlwirkungen zu ersetzen, mich als „Revolutionär a. D." abtun und mir in ihrer Gutmütigkeit 100% Bekennermut wünschen (Paul Hirsch) dann habe ich die peinliche Pflicht, meinen Gegnern die Argumente in personam aus der Hand zu reißen, — um der Sache willen, die ich mit tiefem Ernst und mit dem unzerstörbaren Glauben an ihre Wahrheit vertrete. „Was wir tun, wird nie* verstanden, sondern immer nur gelobt und getadelt." Man erspare es mir, das aneinander zu reihen, was ich nach

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