Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Mein Beitrag zur Diskussion ren unter uns müssen dafür sorgen, daß die Jungen über den wahren Wert unserer Worthelden und Konventsgrößen nicht im unklaren bleiben, daß sie die ihnen anerzogene Scheu vor der Phrase verlieren und die Bedeutung einer sog. Kartellgröße nicht nach der Länge ihrer Rede und dem Pathos ihrer zionistischen Forderung bemessen. Wir müssen den Mut finden, auch dann Worte der Entgegnung zu finden, wenn wir dadurch Gefahr laufen, wegen unseres Zionismus verdächtigt zu werden und dürfen keine Gelegenheit vorübergehen lassen, Hie zionistischen Prahlhänse und Maulhelden, die jede anclere Arbeit als die des Mundes meiden, solange an den Pranger zu stellen, bis sie in unserer Mitte unmöglich geworden sind. Der Geistigkeitsfimmel ist zum Verhängnis aller jüdischen Jugendbewegungen geworden, unsere Jungen und leider auch viele von den Älteren kriechen auf dem Bauche vor falschen Propheten, die sich als die Künder der wahren Lehre auszugeben verstehen. Wir müssen lernen, der wahren Leistung wieder zu ihrem Ansehen zu verhelfen. Noch gibt es genügend jener eifrigen wackeren Arbeiter, der Unentwegten, wie Holdheim sie nennt, die, solange sie im Kartell mitarbeiten und ihre Kraft für es einsetzen, noch nie den Mut verloren haben, an seine Zukunft zu glauben, die auf Konventen selten den Mund öffnen und den Redeschwall der „Großen" über sich ergehen lassen, um dann wieder unbeirrt ihren Weg zu gehen, zu arbeiten und zu schweigen. Sie, die eigentlichen Träger unseres Kartells, nicht viele an Zahl, aber genug, um unter Aufbietung aller Kräfte das Geschaffene allen Anfechtungen ihrer Antagonisten zum Trotz zu erhalten und auszubauen, sollten wieder die Vorbilder unserer jungen Bundesbrüder werden. Zertrümmern wir das falsche Ideal einer vergangenen Zeit, unsere revolutionäre Tat sei der Ubergang von der tönenden Phrase zur schweigsamen Tat! Meine Diagnose ist die: Das Kartell ist solange gesund, als Ihr nicht von seiner Krankheit redet, tut Ihr das, dann ist der Kranke nicht das Kartell, sondern Ihr. Beherziget das! Mein Beitrag zur Diskussion. Von Gerhard Holdheim, Berlin (V. J. St. Maccabaea-Berlin A. H.). Ich mache immer wieder die gleiche Erfahrung und sträube mich ebenso immer von neuem gegen sie, ich will es nicht glauben, ob ich es gleich mit Händen greife den Allermeisten fehlt das intellektuale Gewissen; ja, es wollte mir oft scheinen, als ob man mit der Forderung eines solchen in den volkreichsten Städten einsam wie in der Wüste sei. Bs sieht dich jeder mit fremden Augen an uod handhabt seine Wage weiter, dies gut, jenes böse nennend; es macht niemandem eine Schamröte, wenn du merken lässest, daß diese Gewichte nicht vollwichtig sind... vielleicht lacht man über deinen Zweifel ... [Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft.] Gegen meinen Aufsatz hat ein Trommelfeuer von so ohrenbetäubendem Lärm eingesetzt, daß ich, wenn Wortschwall und persönliche Verunglimpfung töten könnten, schon längst mit dem finsteren Orkus nähere Bekanntschaft hätte schließen müssen. Da aber die Pfeile, die die Disputanten meinem verräterischen Herzen zudachten, ihr Ziel verfehlt haben und ich so abgebrüht bin, gegen den Wunsch eines meiner Kritiker mich immer noch nicht im erlauchten Kreise unmöglich zu fühlen, gestatte ich mir, um der Diskussion zu klarerer Richtung zu verhelfen,