Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ist Holdheim ein Ketzer 17 lust verbreitenden Elemente, die die Stimmung auf den Konventen bis zur Unerträglichkeit mit phrasengeschwollenen Forderungen aufpeitschen und deren höchstes Ziel der Stunk ist. Menschen, die nichts anderes kennen als zu fordern, zu kritisieren und zu verneinen, die die positive Arbeit stören, indem sie das Erreichte herunterreißen und sich über die Kleinheit der Erfolge lustig machen, zu deren Erreichung sie meist auch nicht das geringste beigetragen haben, die mit Anmaßung als die wahren Verfechter der zionistischen Idee in ihrer Reinheit auftreten und sich freuen, wenn es ihnen infolge der Urteilslosigkeit der jüngeren Bundesbrüder, die betäubt von dem Wortschwall und der Wucht tönender Phrasen ihnen nicht zu widersprechen wagen aus Furcht, von ihnen als Zionisten zweiter Qualität gebrandmarkt zu werden, gelungen ist, neue unerfüllbare Forderungen durchzusetzen, um dann am Schlüsse des Semesters auf sie verweisend den Anlaß zu einer großzügig angelegten Rede zu haben, in der sie nachweisen werden, daß die Schuld an dem „Mißerfolge" auf den Mangel an zionistischer Begeisterung zurückzuführen ist, daß niemand seine Pflicht ganz erfüllt habe, und daß daran der eine oder andere äußere Umstand schuld sei. Man braucht nur dief Semesterberichte im J. St. zu lesen, nur einem Schlußkonvent beizuwohnen, überall wird man das gleiche pessimistische Fazit gezogen sehen, ein Bundesbruder scheut sich vor dem andern, eine Verbindung vor der andern, etwa Zufriedenheit mit dem Erreichten zum Ausdruck zu bringen, das würde ja bedeuten, daß man geringere Anforderungen stellt als andere, daß man ein weniger guter Zionist ist als der, den trotz gleicher Fortschritte seine Unzufriedenheit zu erkennen gegeben hat. Ich habe es erlebt, daß man Semesterberichte, die der allgemeinen Stimmung nach Abschluß eines, selbst den Anspruchsvollsten als befriedigend erschienen, Semesters Ausdruck gaben, deswegen verwarf, weil ein einzelner mit dialektischer Kunst nachwies, daß man doch nicht behaupten könne, es sei alles erreicht worden, was das Semesterprogramm vorgesehen hätte. Ist es ein Wunder, daß durch derartige heuchlerische Überspanntheiten unsere jungen Bundesbrüder zu innerer Unaufrichtigkeit erzogen werden, daß einer den andern im Radikalismus zu übertrumpfen versucht aus Furcht, sich dem Vorwurf auszusetzen ein schlechterer Zionist zu sein als der andere? Muß nicht die natürliche Folge eines ungebührlich überspannten und daher notwendig stets zu Enttäuschungen führenden Zieles sein, daß unsere Jungen den Mut zu weiterem Schaffen verlieren und an der Verwirklichung dessen, was sie als zionistisches Ideal betrachten, im Rahmen dieses Kartells verzweifeln, daß die Kartellmüdigkeit immer weiter um sich greift, je mehr auf die Unzulänglichkeit unseres Menschenmaterials und die sich daraus ergebende Notwendigkeit des Untergangs des Kartells hingewiesen wird? Das Kartell ist nicht in Gefahr, weil unser Mens che nmaterial schlechter geworden wäre, sondern nur, weil und solange ihm eine in Wirklichkeit gar nicht existierende Krankheit angedichtet wird. Die Kurpfuscherei angeblich besorgter Gemüter hat sich zu einem artigen Sport entwickelt, es gilt fast als unmodern, zu sagen, daß uns nichts fehle. Ich gehe aber noch weiter und behaupte, uns fehlt nicht nur nichts, sondern wir haben zu viel, nämlich von jenen Uberflüssigen, Vielzuvielen, jenen Phrasenhelden, Kritikastern und Mießmachern, die unsere Arbeit hindern, um uns dann zu verspotten. Hier muß reiner Tisch gemacht werden! Wir müssen aus dieser Atmosphäre der Unaufrichtigkeit hinaus, die dadurch großgezüchtet wird, daß die Maulhelden auf den Konventen dominieren, und daß unsere Jugend, die den unbedingten Willen des Geführtwerdens mitbringt, der prätenziösen Geistigkeit der Phrasenschmiede erliegt, deren innere Hohlheit sie erst zu spät erkennt. Es wäre falsch, unseren Jungen etwa einen Vorwurf daraus zu machen, daß sie zu wenig Opposition machten und sich allzu willig der Führung der Äheren anvertrauten. Das Bedürfnis, sich einem Führer anzuvertrauen, ist für die Jugend elementar und gesund. Aber die Älte- &