Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Ist Holdheim ein Ketzer keit, das Bundesgefühl, nennt es wie Ihr wollt, wieder ganz stark im Werden begriffen ist. Daß dieser Eindruck noch nicht bis zu Holdheim und manchem anderen gedrungen ist, liegt sicher an ihnen selbst. — Ein Mosaik aus Verbindungsberichten gibt noch lange kein Bild des Kartells. Denkt Euch das K. J.V. von der Bildfläche fort! Denkt Euch die Konsequenzen für den deutschen Zionismus. Das K. J. V. muß bestehen, muß eine Zukmtft haben und wird eine haben trotz infauster Prognose. Diese Zukunft wird von Optimisten gezimmert werden, von denen, die an das Kartell glauben. — Ist Holdheim ein Ketzer? Von Ludwig Goldwasser, Hainichen (V. J. St. Hatikwah- Leipzig A. H.). Ist Holdheim ein Ketzer zu nennen, weil er es wagt, Dinge zu sagen, von denen er weiß, daß sie auf heftigsten Widerspruch stoßen werden? Auf den Widerspruch derer, die er als die „Unentwegten" zu bezeichnen beliebt, jener unverbesserlichen Optimisten, die noch nie den Glauben an die Zukunft des Kartells verloren haben, und denen es zu danken ist, daß trotz aller Anstrengungen zünftiger Heilfanatiker der mißhandelte Körper des K. J. V. noch Lebenszeichen von sich gibt, jene, die er als nicht ernst zu nehmende Illusionisten hinstellen möchte, um ihnen den Mut des Widerspruches zu rauben. Was den Menschen zum Ketzer stempelt in den Augen der trägen und satten Menge, das ist die Kühnheit seiner revolutionierenden Idee, die Größe ihrer Konzeption und die lebendige Kraft des aus innerster Uberzeugung geborenen Bekennermutes. All das vermißt man beim Lesen des Holdheimschen Artikels. Ist das ein Ketzer, der nur wiederholt, was seit drei Jahren unablässig von der übergroßen Zahl aller Bundesbrüder immer und immer wieder gepredigt oder gedankenlos nachgeplappert wird, was nichts ist in Wirklichkeit, als eine Diagnose für die eigene Lauheit, eine Entschuldigung für eigene Untätigkeit, ein Versuch, der Bequemlichkeit ein Mäntelchen umzuhängen, das die eigene Unzulänglichkeit verdecken soll? Haben wir schon soviel von den Völkern Europas gelernt, daß der Geist der Zerstörung und die Kraft der Negation als revolutionäre Energien auch in unserem Lager betrachtet werden, oder sind wir bereits so morsch und so lebensunwert, daß Vernichtung zur Voraussetzung des Wiederaufbaues geworden ist? Fast möchte es so scheinen, wenn man sieht, wie auch Menschen, von denen man bisher im K. J. V. angenommen hat, daß sie zu den aktiven Kräften des Kartells zählten, sich zu jenen andern „Unentwegten" gesellen, jenen, die seit drei Jahren nicht aufgehört haben, die Arbeit der Verbindungen zu sabotieren durch eigene Untätigkeit, und die ihre Aufgabe darin erblicken, unserer Jugend das Verbindungsleben zu verleiden durch unausgesetzte Betonung der Unzulänglichkeit alles Geschaffenen und alles Erreichten und durch Aufstellung von Maximalprogrammen, zu deren Verwirklichung sie nie das geringste beigetragen haben, und an der Hand von Forderungen, an deren Erfüllung sie selbst am allerwenigsten glaubten, die Richtigkeit ihrer Diagnose zu beweisen und eine Rechtfertigung für ihre Untätigkeit zu finden versuchten, indem sie mit scheinheiliger Miene erklärten, in einem solchen Kartell sei für Zionisten ihres Schlages kein Betätigungsfeld. Nicht daß uns Holdheim nichts Positives zu bieten weiß, hat mich beim Lesen seines Artikels so geschmerzt — ich danke den Bundes-