Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Der Geschichtsunterricht im K.J.V. Seine Warnung vor der verflachenden Richtung, die heute den Zionismus zu untergraben und die nationale Idee zu schwächen sucht, deckt sich mit den Ausführungen vieler Bundesbrüder in der Erziehungsdebatte. Daß diese Mahnung nicht so ganz überflüssig ist, bewies das verunglückte Referat, das ein Bundesbruder am letzten Tage über Außenarbeit in der Studentenschaft hielt. Bei dieser Gelegenheit wurde von verschiedenen Rednern mehrmals deutlich betont, daß für uns die Abwehrarbeit in der Studentenschaft und überhaupt unedle Golusarbeit und notwendiges Übel ist. Trotzdem darf diese Arbeit, weil hier Assimilation und Kompromiß mit der Umwelt am stärksten drohen, nur von den bewährtesten und zionistisch durchgebildeten Leuten geleistet werden. Der Wortlaut der Referate und praktischen Vorschläge wird jedenfalls an anderer Stelle gebracht werden. Worin liegt nun das Ergebnis der Chargiertentagung, die wohl am besten als Ergänzung und gute Vorbereitung des Kartelltages angesehen wird? Zunächst ist klar geworden, daß die Gruppe der lebensmüden Zweifler klein und infolge unseres" Lebenswillens dem Tode geweiht ist. Sodann erkannte man, daß unser Kartell eine Erziehungs- und Kampfgemeinschaft ist für die Reinheit der nationaljüdischen Idee in ihrer Totalität. Der Austausch der Erfahrungen und praktischen Vorschläge kann für das Kartell nutzbar gemacht werden. Dem objektiven Beobachter der Situation in der nationaljüdischen Jugend Deutschlands zeigte die Tagung, daß die Lage in unserem Kartell verhältnismäßig am besten ist. Dem einzelnen Chargierten gab sie Mut und Kraft zur Weiterarbeit. Die nächste Zusammenkunft der Bundesbrüder wird der Kartelltag bringen. Zu ihm gilt es schon heute zu rüsten. Vorbedingung für jede Tagung, für jedes Zusammenleben ist die Forderung der persönlichen Verantwortlichkeit. Wenn jeder Bundesbruder berechtigte Kritik zunächst an sich selbst übt, in den Reihen des Kartells mitarbeitet und dann erst Mißstände der einzelnen Verbindung oUer des gesamten Kartells durch Kritik zu beseitigen sucht, müssen allmählich die Klagen der letzten Jahre verstummen. Das Kartell setzt sich zusammen aus der Summe der einzelnen Bundesbrüder. Von ihrer Einstellung und ihrer menschlich-jüdischen Herzens- und Geistesbildung hängt Stärke oder Schwäche des Kartells ab. Möge sich hier der Individualitätsdrang und das zarte und feine Innenleben der Bundesbrüder zum Nutzen des Ganzen bewähren. Der Geschichtsunterricht im K. J. V. Referat, gehalten auf der Erstchargiertentagung von Dr. Fritz Löwenstein, Berlin (V.J. St. Hasmonaea, Maccabaea-Berlin a. H.). Einige Referate der Erstchargiertentagung, in denen Gebiete behandelt werden, die für die Arbeit der Verbindungen von besonderer Bedeutung sind, werden in dieser und der nächsten Nummer des J. St. veröffentlicht. Die Beschäftigung mit der Theorie des Zionismus und mit den Fragen des Aufbaus von Palästina erfordern keine außerhalb des eigentlichen jüdischen Lebens liegenden Kenntnisse. Wir haben im Laufe der Jahre eine zionistische Ideologie entwickelt, deren Berührungspunkte mit allgemeinen Begriffen etwa der Philosophie öder des Nationalismus, eine ziemlich geringe Ist. Und was die Palästinafragen anlangt, so haben