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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Eindrücke und Gedanken von der Erstchargiertentagung 5 Stärke dieser Lebensbejahung war so groß, daß wieder einmal die Praktiker und Tätigen siegten über jene, die aus der Ferne Verelendungstheorien aufstellen. Kurz, Holdheim und seine Schar der Untergehenden blieben trotz aller Aufforderungen und Möglichkeiten sich zu äußern, stumm wie der Tod. Die Vertreter der Verbindungen mußten dieses unbegründete Schweigen als Rückzug oder Schwäche deuten, und man ging zur Tagesordnung über. So verlief der erste Abend, der Aussprache über die allgemeine Lage des Kartells brachte, anregender und fruchtbarer, als man erwartet hatte. Bileski vertrat mit überzeugender Kraft seine zum Teil schon im J. St. dargelegten Anschauungen — die allgemein Zustimmung fanden —, daß das K. J. V. im größeren Maße als früher über einen Kreis von Bundesbrüdern verfügt, die sich für die Lage der einzelnen Verbindungen und des ganzen Kartells verantwortlich fühlen, die überzeugt sind, daß der Bestand des Kartells nicht nur für den Zionismus in Deutschland, sondern auch für den einzelnen von uns bei der heutigen Lage unbedingtes Erfordernis ist. Diesen Grundgedanken der Liebe zum Kartell aus innerem Bedürfnis vertraten alle Redner, auch jene, die mit ihrer Kritik und ihren Zweifeln nicht zurückhielten. Am stärksten kam Skepsis und Unsicherheit am ersten Abend in der Berufsfrage zum Ausdruck. Mit Recht wies Fritz Löwenstein auf die Anfrage, weshalb Berufsberatung nicht als besonderer Punkt auf die Tagesordnung gesetzt worden sei, darauf hin, daß neue sachliche Gesichtspunkte kaum mehr vorgebracht werden können. Sei doch jede Berufsberatung abhängig vom Aufbau des Landes, von einer Menge Faktoren, die nicht in unserer Macht und Erkenntnis lägen. Allerdings sei immer noch Chaluziuth möglich — Aufgeben des Studiums und Hinausgehen in die Landwirtschaft. Übergang vom Mediziner zum Apotheker, vom Juristen zum National - Ökonomen dagegen habe mit Berufsumschichtung nur den Namen gemein. Die grundfalsche Behauptung Holdheims von der inneren Unmöglichkeit nach Palästina zu gehen, vertrat niemand. Im Gegenteil erschien der Gedanke der Palästinaübersiedlung bei vorhandenen äußeren Möglichkeiten als so selbstverständlich, daß man es nicht für nötig hielt, hierüber lange zu sprechen. Der gegen uns erhobene Vorwurf der Unwahrhaftigkeit (Holdheim spricht von einer Atmosphäre der Lüge) fällt damit in sich zusammen. Diskrepanz zwischen Wollen und Können ist höchstens tragisch, dient aber zur höchsten Anspannung der Willenskräfte und dadurch zur Uberwindung der äußeren Hemmnisse. Vielleicht lag überhaupt das Wertvolle der Tagung und der hohe Stand der Debatten darin begründet, daß die Notwendigkeit der vom Kartell an uns gestellten Forderungen kaum bestritten und nicht wieder über alle Grundbegriffe fruchtlos diskutiert wurde. Das zeigte sich bei den Beratungen der folgenden Tage. Leo Rosenblüth wies erneut auf die Wichtigkeit der Arbeitspflicht hin und gab vor allem praktisch Ratschläge für die einzelnen Arbeitsgebiete. Wichtig dünkt mir sein Hinweis darauf, daß Außenarbeit nur die Verbindung leisten kann, die innerlich gefestigt ist. Grundlage jeder erfolgreichen Betätigung des einzelnen oder der ganzen Verbindung ist gute Erziehung in und durch die Korporation. Wesentlich ist die Einstellung, aus der die Arbeit geleistet wird. Falsch ist es, nur die Mühe? und Last der Kleinarbeit zu sehen, nicht den Gewinn. Die Sammlungen, für den N. F. ermöglichen auch uns die Alijah, die Arbeit in den Jugendgruppen regt uns selbst an und erhält uns jung, das Zusammenleben mit unseren ostjüdischen Brüdern bereichert uns selbst. Wer nur die Last sieht, wird leicht müde, und reine Altruisten sind auch in unseren Reihen selten. Bald werden wir so weit sein, daß diejenigen, die in der Außenarbeit und im Erlernen unserer Sprache grundlos versagen, sich damit außer-

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