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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Bericht über die Erstchargiertentagung 3 Es entspann sich eine erregte Debatte über die Jabotinsky-Frage, in der man einmütig Jabotinskys Verhalten verurteilte. Unter anderem berichtete ßun.'esbiuder S i 1 b e r t - Hamburg ün*r die frühere Tätigkeit Jabotinskys im russischen Zionismus. Er sei stets ein Individualist gewesen* und habe unabhängig von der Gesamtheit gehandelt. Die Folgen seiner jetzigen Verhandlung mit Petljura würden furchtbar sein, besonders die Maßnahmen der Sowjetregierung. Petljura ist ein Abenteurer, vor zwei Jahren war er noch radikaler Sozialist, jetzt reaktionär. Er ist wandelbar, charakterlos, eiu Verhandeln mit ihm eine Unmöglichkeit. Die zionistisch© Bewegung ist eine demokratische Bewegung, Individualisten, die ihre persönliche Meinung über die der Gesamtheit stellen, sind aus ihr zu entfernen. A r i n s t e i n - Karlsruh spricht sein Bedauern aus über das Fehlen einer öffentlichen politischen Meinung. Die Politik des Opportunisten Jabotinskys war augenblicklich inopportun. Die neue Politik der Sowjetregierung war für uns günstiger, sie ist aber durch" die Affäre J.'s stark gefährdet. In Sowjetrußland geht heute der Prozeß der proletarischen Assimilation der Juden viel rascher vor sich als der Prozeß der Assimilation der jüdischen Oberschicht im Westen. Eine zionistische Politik, welche die Restauration Rußlands durch äußere Eingriffe gutheißt, führt den jungen russischen Juden in die Arme der Assimilation. Die Regeneration Rußlands wird von inneren Erfolgen bestimmr werden, nicht durch äußere Eingriffe. Dies müßten wir Zionisten, in deren Mitte der Begriff der nationalen Autoemanzipation geprägt worden ist, am besten verstehen. Die Chargiertentagung ist jedoch nicht kompetent und nicht genug informiert. An der Jüdischen Rundschau ist in der letzten Zeit ein Abrücken von den lebendigen Interessen der jüdischen Masse zu bemängein, das Kartell muß hier/.u Stellung nehmen. Das Präsidium vertrat den Standpunkt, daß die Erstchargiertentagung nicht kompetent zur Beschlußfassung sei, hält aber die Beteiligung der Bundesbrüder an zionistischen Fragen für einen großen Fortschritt gegen früher. Nachdem man sich dann über die Kompetenzberechtigung der Erstchargiertentagung ausgesprochen hatte, wurde darüber abgestimmt, ob die Tagung berechtigt sei, die Anträge der Frankfurter und Heidelberger Verbindung anzunehmen. Es wurde die Nichtkpmpetenz der Tagung mit 12 zu 11 Stimmen festgestellt. An Stelle? der genannten Anträge wurde als übereinstimmende Meinung der Tagung festgestellt, daß die an der Landeskonferenz der Z.V.f.D. teilnehmenden Mitglieder der Tagung durch Anfrage die Angelegenheit Jabotinsky zur Diskussion bringen sollten, falls dies nicht sonst geschehe. Die Frage der Form und Einrichtungen der Verbindungen, die durch das P e r 1 s c h e Referat eingeleitet wurde, zeigte uns folgendes: Die Zeiten, in denen man auf der einen Seite Sturm lief gegen» alles, was vor dem Kriege in dieser Hinsicht bestand und auf der andern! Seite ängstlich versuchte, alles Alte festzuhalten, sind endgültig vorbei. Es gibt heute keine Gruppe im Kartell, die aus diesen Fragen eine prinzipielle Streitfrage macht. Für den, der die heutige Situation kennt, konnte es keine Überraschung sein, daß in dieser Frage nicht viel Neues gesagt werden konnte. Es ist schon ein großer Fortschritt gegenüber der früheren Zeit, daß man sich über die Fundamente unseres Verbindungslebens klar geworden ist. In diesem Zusammenhange war es ein gutes Zeichen, daß gerade vom Ruder-V. J. St. aus die Begrenztheit des Sports als der Grundlage des Verbindungslebens gezeigt wurde, daß gerade von dieser Seite auf die überragende Bedeutung von Einrichtungen wie Konvent, Ehrenrat, Leibverhältnisse usw. hingewiesen wurde. Man wird sich immer mehr darüber klar werden, daß unsere Formen im wesentlichen davon abhängen, mit welchem zionistischen Ernst sie betrachtet und angewandt werden. Man hatte durchaus das Gefühl, daß in diesem Sinne eine einheitliche Stimmung im Kartell herrsche. Es ist selbstverständlich, daß gerade hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist und daß auch die heutigen Zustände noch immer einer scharfen Kritik bedürfen. An das Referat Löwensteins *über Geschichtsunterricht schloß sich eine Debatte an, die ein erfreuliches Interesse an der Frage der Ausbildung unserer Bundesbrüder zeigte. Hierbei führte u. a. Ernst Simon -Frankfurt a. M. folgendes aus: Dinge, welche in Beziehung zur Religion stehen, werden bei uns heute meist noch abgelehnt. Es ist Pflicht, andern einen Wpg zu zeigen, den man sft'bst gegangen ist. Dies bedpu^et icht, anderen eine Entwicklung aufdrängen. Die heutige Situation wird charakterisiert durch das Bild einer Retorte, in welche alles was an jüdischen Werten vorhandea

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