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Der jüdische Student · 1922-01-01 · Heft 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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2 Bericht über die Erstchargiertentagung Der Abend brachte allen denen eine Enttäuschung, die in der Erwartung hingekommen waren, daß im Mittelpunkt der Debatte die kritischen Äußerungen der Bundesbrüder, die in den letzten Nummern des J. St. geschrieben hatten, stehen würden. Man hatte erwartet, daß die Opponenten auf der Tagung das Wort ergreifen würden. Das geschah aber nicht. Die Diskussion des ersten Abends beschäftigte sich im wesentlichen mit der Frage der Berufsberatung. Löwenstein: wies noch einmal auf sein Referat auf dem letzten Kartelltag hin, daß auch heute noch seine volle Berechtigung habe. Den Beschluß nach der damaligen Auseinandersetzung bildete die Schaffung des Berufsressorts. Das Programm, das diesem Beschluß zugrunde lag, ist, auf Jahre geschaffen, Erziehung der K. J. V.er zur beruflichen Einstellung auf Palästina. Von anderen Bundesbrüdern wurde ebenfalls auf die Bedeutungt die das Berufsproblem heute schon für unsere jüngeren Bundesbrüder genommen habe, hingewiesen. Bundesbruder Rosenthal- Karlsruhe wies darauf hin, daß überall, wo Gelegenheit sei, in Abend¬ oder Ferienkursen sich handwerkschaftlich auszubilden, davon Gebrauch gemacht werden müßte. Er berichtete über den Bau des Blau-Weiß- Heims, das in Karlsruhe gemeinsam mit den K. J. V.ern aufgebaut wurde. Hervorzuheben ist ferner eine längere Rede von 01 i t z k i, der darauf hinwies, daß die Immatrikulierung jüdischer Studenten absolut nachlasse und wie — die anderen Gründe vorausgesetzt — auch so der akademische Rahmen tatsächlich aufzugeben sei. Außer diesen Fragen wurde die Frage der Werbetätigkeit, die nun kein Problem mehr im Kartell ist, besprochen, und Bundesbruder S i 1 b e r t - Hamburg beschäftigte sich ausführlich mit der Frage der Erfassung der Ostjuden. Die Tagung wurde am folgenden Tage durch das Referat von Bundesbruder Leo Rosenblüth über die zionistische Arbeit des Kartells in der zionistischen Organisation eingeleitet. Es erübrigt sich, hierüber weiter zu berichten, da das Referat im J. St. abgedruckt wird und über die Diskussion Bundesbruder Sa 11 y Heymann in seinem Artikel berichtet hat. Es war ein erfreuliches Zeichen, zu sehen, mit welchem Verständnis und mit welchem Eifer diese zum Teil sehr praktischen Fragen von den Bundesbrüdern erörtert wurden. Es zeigt dies, daß man im Kartell klar erkennt, daß die zionistische Arbeit in Deutschland ein wesentlicher Bestandteil unserer Tätigkeit ist. Im Laufe dieser Diskussion wurden von Ernst Simon, Frankfurt a. M., Anträge der V. J. St. Saronia-Frankfurt und V. J. St. Ivria -Heidelberg verlesen, in denen eine Stellungnahme gegen das Verbleiben J a b o - tinskys in der Exekutive verlangt wurde. Ernst Simon berichtet, daß die Konvente zur Ansicht gekommen seien, daß der Chargiertentag das Kartell repräsentiere. Die Beschlüsse seien im Namen des Chargiertentages zu fassen, nicht im Namen des Gesamtkartells. Ernst Simon begründet die Anträge/ folgendermaßen: Auf dem Kongreß wurde von Jabotinsky die Ratifizierung der Prager Beschlüsse erstrebt, die Anna) m« jedoch durch das Plenum vereitelt. Es kam zum Kompromißbeschluß der politischen Kommission. J. äußerte sich jedoch in Amerika in der Weise, als ob die Legion beschlossene Sache und nur noch durch den Keren Hajessod zu verwirklichen sei. Ein von ihm — Simon — der J R. eingesandter Opposi innsartikel sei nicht abgedruckt worden. Es fehlt in Deutschland eine, oppositionelle zionistische Presse. Die J. R. darf daher als alleiniges zionistisches Organ nicht „Regierungsblatt" sein und 1 abeauch Artikel der Opposition aufzunehmen. Ernst Simon hält den Verstoß von Jabotinsky in Amerika für den schwereren. J. hat als Privatmann mit Petijura verhandelt, aber Petljura nicht mit Jabotinsky als einen Privatmann, sondern als mit einem politischen Vertreter des Zionismus. Petljura, welcher bis je'zt in dem Rufe eines Progromhelden stand, nützt jetzt sein besseres Renomme, das ihm durch J. gngei en wurde, bei den Westmä<-hten aus. Dun-h J. ist die Rehabilitierung eines Progromh°lden geschehen. A ßerdem wird jetzt die Sowjetregierung ihre Politik gegenüber den Zionisten ändern. J. hat a so ein^n chw^ren Fehler begangen. Wir stehen vor der Entscheidung: sollten wir es dulden, daß Kongreßbecchiüssenichtig seien gegenüber einer stärkeren Persönlichkeit, oder soll ein Kongreßbeschl nß ein Beschluß bleibe «. J. diskreditiert die Organisation. Wir fordern ferre eine einhe fliehe Po'itik, ein einheitliches Ministerium, die Jüdische Rundschau darf nicht weiter geteilt bleuen,, oben ein Artikel für die Learion, unten über arabische Vprsöhnnntr^politik. Wir dür ten, geffen den Beschluß keine formalen Bedenken haben; denn der Beschluß kann politisch nicht bedeutungslos sein.

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