Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 6 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Verhältnis der Kadimah-Wien zum Kartell 269 Das Verhältnis zur zionistischen Organisation ist zweifellos fester geworden. Fast alle Verbindungen leisten heute an ihren Orten die von den Ortsgruppen verlangten Hilfsarbeiten, an manchen Stellen sind sie die aktiven Träger und Anreger der Arbeiten. Auch das Interesse für die Vorgänge in der zionistischen Organisation ist erheblich verstärkt, Diskussion aktueller zionistischer Fragen im Rahmen der Verbindungen wird vielfach als ständige Einrichtung beabsichtigt. Die stärkere Durchsetzung des Dienstpflichtgedankens, der bisher nur sehr geringe positive Ergebnisse gehabt hat, wird wahrscheinlich davon abhängen, daß man den Bundesbrüdern konkrete zionistische Aufgaben zeigen kann. (Über die in diesem Zusammenhang zu erwähnende Altherrenfrage wird später zu sprechen sein.) Die hier gegebene kurze Andeutung von Zuständen und Tendenzen kann, da nur eine Übersicht gegeben werden soll, nicht aut alle Gebiete der Kartellarbeit ausgedehnt werden. Manche Fragen von allgemeiner Bedeutung mußten ebenso wie zahlreiche einzelne, nur für bestimmte Orte wichtige Angelegenheiten unerwähnt bleiben. Die Verwertung durch positive Vorschläge für die weitere Arbeit wird zum Teil auf der Erstchargiertentagung, im übrigen in der Tätigkeit des Präsidiums erfolgen. Das Verhältnis der Kadimah-Wien zum Kartell. Das Präsidium hat sich in den letzten Jahren wiederholt bemüht, mit der Kadimah-Wien in nähere Berührung zu kommen, um nach Möglichkeit ein durch die Zugehörigkeit der Kadimah zum Kartell gebotenes engeres und wirklich innerliches Verhältnis herzustellen. Die Bemühungen mußten sich auf gelegentliche Besuche von Bbr. Bbr. beschränken. Ein tatsächlicher Anschluß der Kadimah an das Leben des Kartells konnte nicht erreicht werden. Gelegentlich des Kongresses hatten einige Mitglieder des Präsidiums mit einem Bbr. aus der Kadimah eine zwanglose Unterhaltung, aus der sich ergab, daß die vom Kartell erwartete und beabsichtigte Änderung in den Verhältnissen der Wiener Studentenschaft und der Kadimah nicht eingetreten war und auch nicht in Aussicht stand. Das Präsidium richtete darauf am 10. Oktober einen Brief an die Kadimah, der im wesentlichen folgenden Inhalt hatte: „. . . . Wie wir schon oben sagten, entspricht nach unserer Meinung die Tatsache, daß die Kadimah formell in genau der gleichen Weise dem Kartell angehört wie die andern Verbindungen, nicht den wirklichen Verhältnissen. Ihr wißt, daß in der äußeren Gestaltung der Verbindung noch immer sehr beträchtliche Unterschiede zwischen Euch und unsern. andern Verbindungen bestehen und diese Unterschiede beschränken sich vielleicht nicht nur auf manche äußeren Formen, sondern erstrecken sich wohl auch aut das innere Gebiet der Verbindungsarbeit, auf die Auffassung vom Wesen unserer Ziele, der Art, in der wir unsere zionistischen Aulgaben zu erfüllen haben. Als wir vor nun schon längerer Zeit diese Dinge einmal besprachen, wurden wir darauf hingewiesen, daß der damalige Zustand der Kadimah ein Übergangszustand sei, der durch gewisse äußere Notwendigkeiten, insbesondere durch die Stellung zur antisemitischen Studentenschaft, nicht sogleich aufgegeben werden könne. Die auf eine Änderung gerichtete Entwicklung, die uns damals in Aussicht gestellt wurde, ist nicht eingetreten."