Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 6 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionistische Tagesfragen 267 Es wird, auch zu diesem Zwecke, nötig sein, daß das Verständnis für unsere wirtschaftlichen Aufgaben innerhalb der Organisation gesteigert wird. Man hat mit Recht viel vom Palästinabudget gesprochen. Aber es ist merkwürdig und ein Mangel, daß in der schon einigermaßen umfangreichen Erörterung von Kolonisationsfragen, die nach dem Kon- , greb begonnen hat, keine deutüche Darstellung dieses Budgets gegeben worden ist. Es weiß eigentlich kein Zionist — wenn er nicht gerade zur Kolonisationskommission des Kongresses gehört hat — was denn dieses Budget bedeutet, welche Unternehmungen wir beabsichtigen, mit welchen Mitteln, nach welchen Methoden wir sie ausführen wollen, welche Ergebnisse wir erwarten. Und doch handelt es sich um einen der wichtigsten Teile des zionistischen Aktionsprogramms für die nächste Zukunft. Es muß verlangt werden, daß dieser Mangel beseitigt wird und eine klare Darstellung der einzelnen, im Budget niedergelegten Pläne gegeben wird und ihre Erörterung beginnt. Nur so kann es gelingen, die Organisation zur Teilnahme an diesen wichtigen Fragen zu bringen. Der Beginn der Arbeit ist auch auf organisatorischem Gebiet zu spüren. Die Exekutive hat eine Ressorteinteilung veröffentlicht, und wenn auch manche Einzelheiten nicht recht klar erscheinen, die Tatsache als solche bekundet den Willen zu systematischer Arbeit. Wir werden freilich von der Exekutive verlangen müssen, daß sie den Gedanken einer wirklichen Beteiligung der Organisation, wie er durch die - Neugestaltung des A. C. vielleicht nodh nicht geglückt, aber versucht worden ist, ernst nimmt und fördert. Die Exekutive braucht die Mitwirkung des A. C. und seine Kontrolle. Bedenken, die man insbesondere aus den staatsrechtlichen Begriffen Legislative und Exekutive herzuleiten sucht, sind hinfällig, denn diese Unterscheidungen passen nicht für unsere Verhältnisse. Die Kontrolle durch die Organisation oder ihre Vertretung, das A. C, ist schon deswegen notwendig, weil sie bewirken muß, daß die Exekutive als ein einheitlich handelnder Körper auftritt und empfunden wird. In dieser Richtung scheinen Zweifel nicht ganz ohne Grundlagen: Jadbotinskys erstes Wort bei der Aufnahme der Keren Hajessod-Aktion in Amerika galt auch wieder dem Legionsgedanken, trotzdem er doch nach Karlsbad, wohl nicht zum Programm der Exekutive gehört*). In lebhaft, bestrittenen Fragen, zu denen die Exekutive noch nicht deutlich Stellung genommen hat, sollten sich ihre Mitglieder zurückhalten, wenn nicht die Bedeutung des Kollegiums vermindert, seine Verantwortung unnötig belastet werden soll. Man möchte auch wissen, ob es richtig war, daß zwar die palästinensischen Mitglieder der Exekutive, nicht aber London den Rücktritt des Generals Storrs forderte. Die Entscheidung über die Bedeutung und die Aussichten solcher politischen Schritte muß einheitlich und daher durch die Gesamtexekutive, insbesondere auch unter Beteiligung der politisch führenden Personen, erfolgen. Zu manchen interessanten Vorgängen, insbesondere auch im deutschen Judentum, kann in diesem Aufsatz nicht mehr gesprochen werden. Seine Absicht ist im wesentlichen, die Bundesbrüder darauf hinzuweisen, daß die Betrachtung zionistischer Vorgänge eine unserer Aufgaben ist, an der sie mitzuwirken haben. Je mehr dies geschieht, üm so deutlicher werden wir unsere innere Anteilnahme am zionistischen Geschehen zum Augdruck bringen. *) Auf die ukrainische Angelegenheit, über die bei Abfassung dieses Aufsatzes nur unsichere Nachrichten vorlagen, konnte nicht eingegangen werden.