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Der jüdische Student · 1921-11-01 · Heft 6 (November 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 6 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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266 Zionistische Tagesfragen Zionistische Tagesfragen. Von Moritz Bileski (V. J. St. Maecabaea-Berlin und Ruder-V. J. St. A. H). Der Nachweis, daß der Kongreß eine wirküche Bedeutung für die zionistische Bewegung gehabt hat, wird zum großen Teil in der Zukunft geführt werden müssen: sie wird zeigen, ob es gelungen ist, die Organisation zusammenzufassen und zu beleben, die Zionisten mit dem Gefühl zu erfüllen, daß sie mitbestimmende und mitverantwortliche Träger, und nicht mehr oder weniger teilnahmsvolle Zuschauer der zionistischen Aktion sind. Die kurze seit dem Kongreß verflossene Zeit reicht zu einer Beurteilung in dieser Richtung noch nicht aus. Bei den fertigen Urteilen über den Kongreß, die man uns in der zionistischen Presse bietet, hat man mitunter das Gefühl, daß sie weniger aus der richtigen Beobachtung der Tatsachen und Zusammenhänge als zum Zwecke der Begründung bestimmter Forderungen entstanden sind. Das gilt z. B. auch von einem Urteil, welches die Sachlichkeit des Kongresses rühmend hervorhebt und welches den Mangel an stimmungsmäßigen, ideell begründeten Höhepunkten dem großen Interesse für praktische Fragen gegenüberstellt Solchen Darstellungen muß widersprochen werden, weil sie uns in doppelter Beziehung verwirren können: wir sollen wissen, daß die Stärke des Kongresses zum großen Teil noch immer in den zweifellos vorhandenen „Höhepunkten" lag, in denen uns die geistige Kraft und Eigenart des zionistischen Gedankens deutlich wurde. Das war der Fall, wenn Weizmann uns die Würde unserer Idee, ihre Wirkung 'auf andere Menschen und Kräfte, aber auch ihre unerbittlichen, der Erfüllung keineswegs sicheren Forderungen fühlen ließ; oder wenn Sokolow uns die historische Bedeutung unserer Gegenwart klar machte. Und, wir sollen andererseits wissen, daß die Leistung des Kongresses an sachlicher Arbeit aus vielen Gründen, die hier nicht erörtert werden können, deren Besprechung aber gerade in unserem Kreisle lohnen würde, nicht allzu bedeutend ist und den Kongreß keineswegs so stark beschäftigte, wie es nach den angeführten Äußerungen scheinen könnte. Wir müssen das feststellen, weil alle Mitarbeiter in der Organisation sich klar darüber sein sollen, daß zu einer Zufriedenheit in dieser Richtung keine Veranlassung ist. Es ist zweifellos noch eine Aufgabe, die richtigen Methoden für sachliche Leistungsfähigkeit zu finden und das Interesse dafür in der Organisation zu steigern. Wenn also etwas Endgültiges über die Bedeutung des Kongresses noch nicht gesagt werden kann, weil ihre Bestätigung in der zionistischen Arbeit bisher naturgemäß noch nicht erbracht werden konnte, so gibt doch der Beginn unseres neuen Zeitabschnitts zu guten Hoffnungen Berechtigung. Wir fühlen, daß die entscheidenden Arbeiten angefaßt werden. Die neue Delegation nach Amerika, die hoffnungsvollen Nachrichten, die ihr Eintreffen begleiten, sind dafür ebenso von Bedeutung wie die Nachrichten über die Fortschritte der Hypothekenbank und über die Errichtung einer amerikanischen Filiale des J. C. T. Wenn die letztere Mitteilung als Zeichen für einen planmäßigen Ausbau unserer Wirtschaftsinstitute angesehen werden kann, so wäre sie von besonderer Bedeutung. Es wäre von großer Wichtigkeit, wenn wir die Periode jähre- oder jahrzehntelangen Stillstandes in wirtschaftlicher Beziehung überwinden und die zionistischen Wirtschaftskörper in alle Zentren jüdischer, wirtschaftlich wirkender Kräfte hineinstellen könnten. Ihre Leistungsfähigkeit, ihr Nutzeh würde dort verstärkt werden, sie könnten an der Zusammenfassung jüdischer Energien mitwirken und sie deutlich in der Richtung auf die nationale Aufgabe führen.

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