Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 6 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Formen im Kartell selbe erreicht werden kann. Das K. J. V. muß wieder dahin kommen, überall einen Typ hervorzubringen, wie es zweifellos der alte B. J. C.er war, heute der Blau-Weiße ist. Daß dies nur durch eine einheitliche K J. V.-Erziehung möglich ist, dürfte ja einleuchten. Die Formen, die wir vorschlagen, sollen nicht nur die besonderer S p o r t - V. j. S t.e n sein, sondern die Form aller K. J. V.-Verbindungen werden. Wenn der Sport-V. J. St. eine Berechtigung hat, so ist es die sehr wichtige, die etwa vergleichsweise das Laboratorium in einer Fabrik besitzt. Die Hauptveranstaltungen der Verbindung müssen im Freien stattfinden. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung muß ein Spiel stehen (Fußball, Handball, Schlagball, Völkerball, Barlauf, Hockey usw.). Man wird immer wieder die Erfahrung machen, daß Leute, die mit einem gewissen Widerwillen an „Spielen" herangehen und es für kindisch erklären, nach ganz kurzer Zeit ihre unnatürlichen Hemmungen verlieren und aus einem gesunden Spieltrieb heraus mit förmlicher Leidenschaftlichkeit dabei sind. Sehr viele scheuen auch das Spiel, weil sie den bekannten Typ des „Unehein" darstellen und für sie z. B. das Abfangen eines Balles Anlaß unfreiwilliger Komik ist. Sie lassen sich dann durch die Aussichtslosigkeit, körperlich etwas zu leisten, gern abschrecken, sich dieser Art der Betätigung zu widmen. Es wäre der größte Fehler; den wir machen könnten, wenn wir diese Leute abseits stehen ließen. Hier gerade liegt unsere wichtigste Aufgabe. Es ist gewiß erfreulich, wenn ein sportlich veranlagter Bbr. seine Leistungen durch eifriges Training steigert, ersprießlichere Arbeit wird geleistet, wenn es durch mühevolle Kleinarbeit und zielbewußte Systematik gelingt, aus einem „krummen" Fux einen Menschen zu machen, der mit Freude Leibesübungen treibt. Es ist natürlich kein Zufall, daß bei uns der Typ des „Unehein" so häufig ist. Was nützt uns aber die historische Betrachtung, daß Völker, deren Vorfahren großen Wert auf Handfertigkeit gelegt haben, „praktischer" seien als die Nachkommen von Verfolgten, die zu einseitigen Berufen verurteilt waren. Nun haben wir in den letzten Jahrzehnten die erfreuliche Erfahrung gemacht, daß der physiologische Ortssinn, Augenmaß, Muskelsinn, die Beherrschung des Körpers, der Sinn für Lage und Gleichgewicht, das Gefühl für Rhythmus, der Kraftsinn usw. usw., daß alles dies bei den Juden nicht verloren gegangen ist. Man konnte, zu unserm Glück, beobachten, daß es aber auch stets gelungen ist, dort, wo man systematisch daran ging, diese verkümmerten Sinne zu heben und zu entfalten, der Jude vollkommen „körperlich regenerierte". Wir verstehen bei unserer Arbeit unter Systematik nicht etwa langweilige, trockene Übungen des Körpers, die man nur aus Kartelldisziplin durchführt, weil etwa ein Kartelltagsbeschluß darüber besteht. Wem es nicht gelingt, bei der Aktivitas Freude an diesen Dingen zu erwecken, der wird wohl bald die Waffen strecken müssen. Man muß mit der Durchführung eines Spieles unbedingt beginnen und muß versuchen, den bei jedem Menschen schlummernden Spieltrieb durch dauernde Anregung hervorzuzaubern. Unsere Erfahrungen im Ruder-V. J. St. sollten jeden Erstchargierten unserer Verbindungen ermutigen. Nach wenigen Versuchen sind nämlich unsere Jungen mit Feuer und Flamme dabei. Das Streben, etwas im Spiele zu leisten, stellt sich überraschend schnell ein. Hier erhält man die Anregung, man müsse, um im Laufen gewandter zu sein, doch auch Leichtathletik treiben, dort fühlt man plötzlich das Bedürfnis, doch wenigstens einmal in der Woche zu turnen. Dazu ist heute in jeder Stadt Gelegenheit, und der Leiter einer solchen Veranstaltung kann beliebig vor oder nach dem Spiel Anregung zum leiehtathletischen Training oder zum Turnen geben. Jeder K. J. V.er, der sich die Mühe einmal gemacht hat, mit unsern Jungens Spielnachmittage zu veranstalten, wird berichten können, wie Bbr. Bbr., die anfangs