Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 6 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Formen im Kartell 263 mann werde am besten dazu fähig sein, auch zionistisch sein letztes herzugeben". Ein Blick in die deutsche Sportwelt zeigt ein völlig anderes Bild. Jene „Meister", also jene Idealtypen, zu denen die deutsche Jugend bewundernd emporblickt, sind Leute, deren ganzes Leben völlig durch den Sport ausgefüllt und beherrscht wird, und bei denen die Ausbildung ihres Körpers fast zum Beruf wird. Wo bleibt der von Diem geforderte Gemeinschaftsgeist, wenn man dauernd sieht, daß „Meister" ihre „Gemeinschaften" wechseln, je nachdem ihnen bessere äußere Positionen oder sportliche Lorbeeren in Aussicht gestellt werden. Es ist ganz verfehlt, zu glauben, daß Sportsleute, denen es in gewiß anerkennenswerter Fähig« keit gelingt, Höchstleistungen zu übertreffen, dies in Erfüllung einer Idee tun (kaum einmal um Lorbeeren für ihren Verein zu erringen), sondern man muß sich immer wieder darüber klar werden, daß es sich hierbei um die Befriedigung primitivster Selbstsucht handelt. Wenn nun doch diese sportlichen Erfolge von den Deutschen national ausgewertet werden können, so ist das genau dasselbe, wie einzelne künstlerische, wissenschaftliche, technische Leistungen, die letzten Endes auch nicht aus nationalen, sondern aus persönlichen Motiven entstanden sind, deutsche Erfolge sind, weil sie von Deutschen hervorgebracht werden. Genau dieselben Erscheinungen (auch auf sportlichem Gebiete) würden bei uns auftreten, wenn wir normale nationale Zustände hätten. Paul Hirsch sagt: „Sport im letzten und reinen Sinne ist kein Mittel, sondern Zweck." So finden wir ihn bei Völkern, wie Amerikanern, Deutschen und Engländern. In ähnlicher Form mag er für die jüdische Turnerschaft bei ihrem losen, nur auf Massenwirkung berechneten Programm einen gewissen Wert besitzen. Das K. J. V. kann sich einen solchen Luxus nicht leisten, und hat auch ganz andere Sorgen. Das Kartell will einen Bund enger Gemeinschaften schaffen, deren Mitgüeder dazu erzogen werden sollen, Aufbauarbeit für unser Volk zu leisten. Dabei gilt es mit tausend — Aufgaben fertig zu, werden, unter denen die körperliche Regeneration sicherlich eine der vornehmsten ist. Würden wir den Sport im Kartell wirklich von „sportlichen" Gesichtspunkten aus betreiben, d. h. den Betrieb der Verbindungen so einrichten, daß das Training und die Teilnahme an öffentlichen Konkurrenzen integrierender Bestandteil der Semesterarbeit wird, dann müßten wir, um nur die geringste Aussicht auf Erfolg zu haben, viele der wichtigsten Dinge (z. B. nur Hebräisch) zum mindesten stark vernachlässigen. *) Wir wollen in unsern Bbr. Bbr. die Lust an körperlicher Betätigung, die in jedem gesunden Menschen schlummert, und die Freude an eigenen, körperlichen Leistungen wecken. Wir wollen unsern Bbr. Bbr. eine Gemeinschaftsform geben, die ihnen die Möglichkeit gibt, durch engstes Zusammenleben sich näher zu kommen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß das Rudern allen diesen Ansprüchen gerecht wird, da es nämlich die Vorzüge des Wanderns mit denen des Sportes verbindet: Ausdauer, Wettkampf, Kennenlernen der Natur, Verständnis für das Umgehen mit Material, Handfertigkeit usw. Es wäre kein schlechter Gedanke, das ganze K. J. V. auf die Gemeinschaftsform, die der Ruder-V. J. St. hat, einzustellen, wenn das eben nicht an finanziellen und technischen Gründen scheitern würde. Damit ist nicht etwa gesagt, daß es nicht noch andere Mittel gibt, mit denen das- * Wir wollen dabei nicht in Abrede stellen, daß das Training und die Teilnahme an öffentlichen Wettkämpfen für die einzelnen Bundesbrüder nnd den Geist der Verbindung von zionistischm Wert sein kann (z.B. die gelegentlichen Regatten des Ruder-V. J. St.), aber aus Zeitmangel müssen wir ja leider anf viele sicher sehr wertvolle Dinge verzichten. Wenn wir troizdem die .systematische Pflege der Leibesübungen für das ganze Kartell als erzieherische Ge- Hi^inschaft<form fordern, so geschieht das, weil wir eben etwas ganz anderes damit beabsichtigen. Wir wollen, daß unsere Jungen auf der Wanderung und auf dem Sportplatz, im Spiel und im Ruderboot ihre Gemeinschaft lieb gewinnen.