Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 6 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Formen im Kartell Diese kleine Sammlung von Richtlinien erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist auch nicht als Schema gedacht. Die überaus wichtige Leibburschenfrage, die auch in diesen Zusammenhang gehört, will ich bloß erwähnen. Es wird sicher wieder eine Menge ganz .Gescheiter geben, die über alle diese Kleinigkeiten lachen und es unter ihrer Würde finden werden, den großen K. J. V.-Geist daran zu wenden. Gewiß sind es Kleinigkeiten, aber sie geben doch "zusammen ein beachtliches Ganzes. Dieses Ganze aber ist die Basis, auf der allein wir eine Arbeit aufbauen können» die die nötige Stetigkeit und Verteilung aufweist, mit dem erforderlichen Schwung und Eifer geleistet wird, und die allein einen umfassenden Erfolg ermöglicht. Formen im Kartell. Von Bertram Fisher und Friedrich Simon (Ruder-V. J. St. J.A.B.). Das K. J. V. befindet sich immer noch in der Phase, in der man sich bemüht, einen Ersatz für die abgeschafften studentischen Formen zu finden. Jeder Fux weiß heute, daß Fechten und Kneipen überlebte Dinge sind. Es ist überflüssig, darüber noch einmal zu reden, doch muß unumwunden zugegeben werden, daß mit diesen Formen, mit denen die deutsche Studentenschaft ein bestimmtes Erziehungsziel erreichte, bei uns zionistische Menschen herangebildet wurden. Man suchte jüdische Formen. Es gibt so eine Fülle jüdischer Formen im Ritual, und dort im Galuth, wo Juden in Massen leben. Doch da eine Institution mit den Zielen des K. J. V. noch nie existiert hat, so sina wir leider gezwungen, uns aus analogen Bewegungen anderer Völker Formen zu borgen. Nun sind solche Bewegungen stets national differenziert, und decken sich eben nur teilweise mit der zionistischen Bewegung. Es ist deshalb unmöglich, ein System völlig zu übernehmen. Wir müssen daher eine vorsichtige Auswahl treffen und versuchen, wie die Formen sich bei uns bewähren. Man hat nun vorgeschlagen, den Sport in den Mittelpunkt des Verbindungslebens zu stellen. Man ging dabei aus von den Erfahrungen, die die alte Ruderabteilung des B. J. C. gemacht hatte. Man hatte sich stets ein frisches Leben erhalten, der aus ihr hervorgegangene Ruder-V. J. St. konnte somit unberührt von dem Formenchaos, ein kräftiges Verbindungsleben im Stile der alten Ruderabteilung aufnehmen, in das die neuen Aufgaben ohne Schwierigkeiten hineinwuchsen. Man schuf das Turn- und Sportressort, das versuchte, Sport-V. J. St.en aus dem Nichts zu schaffen, und propagierte in Wort und Schrift, auf Kartellfragen und im J. St. den Sportgedanken. Auch in dem letzten Artikel von Paul Hirsch (J. St. vom März 1921) lesen wir wieder Schlagworte wie: Sportgedanken, Sport nicht Mittel, sondern Zweck, Geist des Sports und anderes mehr. Das sind Begriffe, wie wir sie wörtlich in der nicht;üdischen Sportliteratur wiederfinden. Dort haben sie zweifellos ihre Berechtigung, während sie im K. J. V. stets leere Worte waren und auch bleiben werden. Ist der nichtjüdische Sportsmann wirklich ein solcher Idealtyp, daß wir ihn zum Vorbild für unseren zionistischen Arbeiter wählen sollten? Wenn wir in dem Buch von Karl Diem „Sport" (Teubner 1920) die Forderung finden, der einzelne habe im Sport alles der Gemeinschaft, zu geben, er sei ein gehorchendes Glied des Ganzen, kurz, der Sport sei ein Erziehungsgedanke, dessen Pflege die Volksgemeinschaft voranbringen werde, so können wir es verstehen, daß man in unseren Reihen zu der Ansicht kommt, „der jüdische Sports-