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Der jüdische Student · 1921-11-01 · Heft 6 (November 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 6 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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258 Aufgaben des K.J.V. desbrüder aus dem R. V. J. St, mit denen ich mich einig weiß.) Der Grund der sogenannten Krise also — von deren Wirkung man übrigens Im R. V. J. St. nichts gemerkt hat und auch heute noch nichts merkt — liegt darin, daß diese „relativistische" Auffassung im K.J.V. nicht geteilt wird, daß man da immer noch glaubt, die alten Normen und Formen seien maßgebend, während sie in Wirklichkeit längst überholt sind. Den größten Teil der Formen hat man zwar abgeschafft — (das Fechten, das Kneipen, durch Gewohnheitsrecht teilweise auch den Zipfel) — aber neue an ihre Stelle zu setzen, hat man vergessen (mit Ausnahme unserer Sportverbindungen). Statt dessen hat. man noch die alten Wertmesser behalten. (Es ist an der Zeit, auch sie mit dem andern alten Inventar, wie auch von rechtswegen, dem B. Z. K. endgültig zu überlassen und uns nicht weiter mit ihnen zu belasten.) Der Gedanke, für das Kartell wieder feste Formen zu schaffen, ist fast gänzlich neu und, man kann wohl sagen, auf den Kreis des R. V. J. St beschränkt. Freilich Sport zu treiben, diese Forderung ist auch innerhalb des Kartells keineswegs neu, in allerletzter Zeit wurde sie sogar mit allen möglichen Begründungen wieder hervorgeholt. Aber daß uns durch den Sport unsere verloren gegangenen Formen wieder ersetzt werden könnten, dieser Gedanke ist einstweilen über den Kreis des R. V. J. St hinaus noch nicht gedrungen. . Daß er hier auftauchte, ist begreiflich, weit gefehlt aber wäre es, hieraus auch irgendwelche Schlüsse über seine Begrenztheit zu ziehen. Die Forderung nach sportlicher Form im Kartell ist keine rein zufällige (durch das Interessengebiet der Sportverbindungen gegebene); die Ursache hierfür — gleichzeitig die Ursache der ungelösten Krise — liegt tiefer. — Der Grund, weshalb im K. J. V. heute täglich geklagt und gezweifelt wird, weshalb man seine Existenzberechtigung bestreitet und nach Allheilmitteln sucht, um die Kränken zu retten — der Grund ist, daß 4a s K. J. V. heute keine Jugendbewegung mehr ist. Daher die auffallenden Zeichen der Bequemlichkeit und Stagnation in den Verbindungen, die nicht etwa durch äußere Momente veranlaßt sind (politische Lage des Zionismus), sondern in mangelnder Schwungkraft und Jugendlichkeit ihre Erklärungen finden. Wir müssen wieder ein Teil der Jugendbewegung werden! Früher waren wir einmal die jüdische Jugendbewegung in Deutschland. Seitdem aber diese begonnen hat, sich zu entwickeln, haben wir * uns Schritt um Schritt von. ihr entfernt. Wir schweben heute in der Luft zwischen Organisation und Jugendbewegung. Dabei haben wir zwei große Aufgaben: Die eine: Die Menschen der Jugendbewegung, wenn ihr Zionismus gereift ist, in uns aufzunehmen, und selbst die Führer in der Jugendbewegung zu sein. Die andere: Aus unsern Reihen die Vorkämpfer für das zionistische Leben in Deutschland zu stellen. Der letzteren sind wir zum Teil gerecht geworden; der ersteren noch gar nicht. Wir könnten den großen Platz ausfüllen, zu dem wir berufen sind; den Kopt der Jugendbewegung zu bilden und den Kern im deutschen Zionismus, — wenn wir wollten. Noch sind wir weit davon entfernt. Zuerst einmal ist es notwendig, daß wir uns den Formen der Jugendbewegung nähern; in ihnen" steckt auch ein Teil ihres Geistes. Die Formen der Jugendbewegung sind Sport: Wandern, Rudern, Leichtathletik, Turnen. Dann werden wir unsern Verbindungen die Möglichkeit geben, daß sich in ihnen der Geist der Gemeinschaft entfalten kann, wir werden ihnen damit geben, was Holdheim das „Brot menschlicher Bindung*' nannte, und was in Wahrheit das natürliche Bedürfnis eines jeden Menschen ist, — auch wenn er Zionist ist!

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