Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 6 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufgaben des K.J.V. 257 arbeiten. Wir werden das Leben innerhalb der Verbindung, das uns heute, gemessen an seinen konkreten Leistungen für Palästina so geringschätzig, so unnütz erscheint, wieder wie in vergangenen Tagen als den Boden werten, aus welchem dem Zionismus für seine Durchsetzung tätige Menschen erwachsen; und wir werden durch die gegenseitige Achtung vor der Leistung des andern zu jener menschlichen Verbundenheit zurückfinden, die wir jetzt so sehr vermissen. — Wir werden (im Gegensatz zum augenblicklichen Verhalten) im Kreise unserer Bundesbrüder ohne Furcht, jüdische Dinge hintanzusetzen, von den geistigen Strömungen der Umwelt sprechen, weil wir keine einseitigen., Scheuklappen tragenden Parteianhänger erziehen wollen, sondern Menschen, die zu dem Komplex der die Menschheit bewegenden Probleme eine Stellung haben. Wir werden, davon ausgehend, in unsern Fuxenstunden den Zionismus als eine zwar in ihren äußeren Erscheinungen oft von exogenen Einflüssen beeinflußte, in ihrem Grundziel aber unwandelbar auf die Befreiung des jüdischen Volkes hinstrebende Bewegung darstellen; — nicht als etwas Starres, das alle bejahen müssen, sondern als etwas Lebendiges, zu dem jeder seinen Standpunkt sich erarbeiten muß, der, bei Achtung der von der Organisation geschaffenen Wege zur Erfüllung, doch seinem Menschentum entspricht. Und diese immer wieder sich als notwendig erweisende Auseinandersetzung wird in unseren Bundesbrüdern den inneren Zusammenhang mit dem K. J. V. und dem Zionismus stets erhalten und sie, nach Zeiten der stumpfen Gleichgültigkeit, von neuem hinführen zur Arbeit für unser Volk. — Ich bin mir bewußt, daß die vorstehenden Zeilen nur einen unvollkommenen Versuch darstellen, die Wege aufzuzeichnen, die zu einer Gesundung des Kartells m. E. führen könnten. Aber gerade diese Einsicht, die der allgemein verbreiteten Überzeugung von der Unmöglichkeit Wandel zu schaffen, entspringt, glaubte ich, außer Acht lassen zu dürfen, weil nur eine offene Aussprache, zu der jeder sein (wenn auch geringes) Teil beiträgt, die ersehnte Neubelebung des K. J. V. vorbereiten kann. » Aufgaben des K.J.V. (Statt einer Antwort an Holdheim.) Von Karl Sulmann (Ruder-V. J. St., Fux). Der Grund zur augenblicklichen Krisis im Kartell liegt nicht darin, daß infolge der allgemeinen Entwicklung des Zionismus unsere Existenzberechtigung verloren gegangen ist. Die ist vorhanden, solange der Zionismus noch Existenzberechtigung hat. Letztere wird niemand bestreiten wollen. Im Gegenteil, die Entwicklung des Zionismus ist (wie das ja natürlich) auch für das K. J. V. günstig. Nur muß es freilich wie der Zionismus mit seinen höheren Zielen wachsen. Naive Geister sagen, die Ziele sind statt 100o/oig nur noch 10°/oig. Wir, im Zeitalter der Relativitätstheorie, wissen, wie das zu beurteilen ist. Es ist eben alles relativ. Die einen — (Amerikaner, Binjan-Haarez, Holdheim) — sagen, Diasporazionismus, — Kulturprogramm, — Sport — bedeuten Einschränkung, Verflaehung, sind 10o/0ig — wir — sehen darin eine Entwicklung, Erweiterung, 110o/oig, gemessen an der früheren Valuta. Es ist gleichgültig, wer recht hat, entscheidend ist, mit welcher Theorie wir weiter kommen; mit der „klassischen" oder mit der „relativistischen". Holdheim selbst sagt, daß er keinen Ausweg sieht. Wir sind überzeugte Relativisten! (Wenn ich hier „wir" sage, so meine ich damit meine Bun-