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Der jüdische Student · 1921-11-01 · Heft 6 (November 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 6 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Aufgaben des Kartells 247 die Entfaltung und Entwicklung der Einzelpersönlichkeit dadurch nicht beeinflußt. Die radikalsten Resolutionen und begeistertsten Lieder konnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Gedanken- und Gefühlswelt alles andere als jüdisch war. Bei der Homogenität der zionistischen Anschauungen — es gab in Wirklichkeit nur eine — stand dem engen Zusammenschluß der Menschen nichts im Wege. Außerdem erforderte ja auch ein Kampf, der Erfolg versprechen sollte, eine geschlossene Front- Aber wie kann auf die Dauer die Unzufriedenheit mit der jüdischen Situation, also eine Negation, Menschen miteinander verbinden! Diesem Mangel suchte man durch eine straffe studentische Organisation abzuhelfen, die — jüdisch übertüncht — aus Form bald auch Inhalt wurde. Die Abschaffung der Satisfaktion beweist das zu deutlich, trotzdem und gerade weil sie eine Tat war. Welcher assimilantische Student, dessen jüdisches Gewissen erwacht war, konnte sich nicht zu Hause fühlen in einem Kreis fröhlicher Menschen! Konnten sie sich doch stolz als 100«/oige Zionisten fühlen, da sie das Bewußtsein hatten, durch ihr Bekenntnis zur Idee und — oft nur wissenschaftlicher — Beschäftigung mit jüdischen Dingen, ihre Pflicht erfüllt zu haben. Die Übernahme studentischer Formen und der Umstand, daß jne Erfüllung der zionistischen Pflichten die Menschen nicht ausfüllte, führte zu einer Betonung der Gemeinschaft und Bundesbrüderlichkeit „Nicht nur ein Mittel zum Zweck sollte die intensivierte Gemeinschaftsform darstellen, sondern zum Selbstzweck erhoben, sollte sie der Befriedigung unserer menschlichsten Bedürfnisse dienen, ein großer Notbehelf für Palästina" (Holdheim, Gedanken über die Zukunft der Maccabaea, 11. Kriegsrundschreiben der Maccabaea). Daß ein so geartetes Kartell mit der zionistischen Entwicklung nicht Schritt halten konnte, zeigte deutlich die Zeit nach dem Kriege, als Blau-Weiße in das K. J. V. eintraten und gegen die überkommenen Formen Sturm liefen. Überall da, wo man diesem Ansturm nachgab, entstand ein Vacuum, eine Krise. Damals versuchte man ihrer Herr zu werden durch die Parole: Außenarreit (Volksheim, Blau-Weift, Hapoel-Hazair) Hierdurch wurde jedoch der Schwerpunkt der zionistischen Tätigkeit nach außen verlegt und die Verbindung verlor vollkommen ihre Bedeutung. Als Reaktion auf die „Radikalisierung", „Lockerung des bundesbrüderlichen Zusammenhanges" erfolgte die Abspaltung des B.Z.K. In dieser Situation war das K. J. V., als der Beschluß von San Remo fiel Dieses Ereignis macht mit einem Schlage das utopische Vorkriegsspiel zur Wirklichkeit. Nur muß sich das K. J. V. als lebendige Bewegung bewähren, muß erkennen, daß dieser Erfolg nur Etappe sein kann auf dem Wege zum fernen Endziel, dem jüdischen Palästina. Wie und mit welchen Mitteln wollen wir bei der Erreichung dieses Zieles mitarbeiten? Vor allem haben wir in noch höherem Maße als früher die Pflicht, für die Idee zu werben, mit der Assimilation um die* Jugend zu kämpfen, da wir glauben, mit der Jugend die wertvollsten Kräfte unseres Volkes der konkreten Aufgabe des Aufbaues dienstbar zu machen. Dann auch fühlen wir uns im weitesten Sinne mitverantwortlich für Arbeit und Entwicklung der Organisation, denn auch sie soll Quelle für die Energien zum Aufbau sein. Vornehmste Aufgabe des K. J. V. muß aber sein, die Entwicklung seiner Menschen so stark zu beeinflussen, daß sie die letzte persönliche Konsequenz des Zionismus ziehen, daß sie unter Hintansetzung aller individualistischen Rücksichten selbst in Palästina am Wiederaufbau des Landes mitzuarbeiten bereit sind. Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist uns die Verbindung als Erziehungsgemeinschaft Mittel. Sie vermittelt uns die allgemein zionistischen Kenntnisse und die der jüdischen Geschichte und ermöglicht uns so eine positiv-zionistische Einstellung. Zugleich aber läßt sie in uns den Wunsch wach werden, die Sprache unserer Vergangenheit und zugleich die unserer Zukunft uns anzueignen. Jüdische Geschichte und cu> hebräische

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