Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 6 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Aufgaben des Kartells In den beiden wichtigsten Punkten stürzt die Begründung der Holdheimschen Diagnose zusammen. Die anderen, die er anführt, nennt er selbst nebensächlich. Soll man da an die ungünstige Prognose glauben? Ich glaube an das K. J. V.! Aber nicht aus irgendwelchen theoretischen Gründen, sondern weil ich trotz allem Leben in ihm sehe. Ericb Cohn hat ganz recht: findet sich unter der Jugend des K. J. V. eine Anzahl, die bei den beiden Artikeln aufschreien und in die Welt rufen: Nein, wir wollen nicht sterben!, dann sind die Leichenredner widerlegt; wenn nicht, dann haben sie recht, daß das K. J. V. todesreif ist — nicht auf Grund der Holdheimschen Diagnose, aber auf Grund irgendeiner anderen, an Diagnostikern wird es uns nicht fehlen! Meiner Überzeugung nach wird es sich in der K. J. V.-Jugend regen. Vielleicht, daß mancher Zweifelnde auf Grund der Artikel verzweifelt. Die Besten unter den Jungen werden aufschreien! Sie werden erkennen, daß das K. J. V. eine Notwendigkeit ist, also muß es bestehen. Und sollten das nicht 2000 oder 1500 sein, sondern nur 200 oder 300, dann sind diese 300 eben das K. J. V. Aufgaben des Kartells. Von C o r n e 1 J a n c u (V. J. St Maccabaea-Berlin a. B.). Motto: „Nation ist eine Bereitschaft oder Disposition, die dürr und hohl und klappernd wird, wenn sie ohne Verbindung mit der S ach Wirklichkeit, mit Aufgaben und Arbeiten auftritt, und wenn sie anders ist als deren Ursprung und Tönung (Gustav Landauer „Sind das Ketzergedanken?*) Die Frage, ob das K. J. V. existenzberechtigt sei, kann nur von dem gestellt werden, der als kritischer Beobachter außerhalb der Reihen des K. J. V. sieht. Insofern ist der Aufsatz von Holdheim als Niederschlag einer ganz persönlichen Auffassung zu werten und es ist nicht angängig, ihn als Meinung der Mehrzahl der Bundesbrüder aufzufassen. Holdheim mag in einem zweiten Artikel sich damit befassen, auf welcher Basis sich „lOo/oige Zionisten" vereinigen können — aber nicht im J. St. Die Frage nach der Existenzberechtigung des K. J. V. — sie stellen, heißt sie negieren — ist im K. J. V. nicht akut. Allerdings spielt sich das Leben bei uns nicht in bourgeoiser Selbstzufriedenheit ab. Unsere Idee ist noch weit von der Verwirklichung entfernt. Wir wollen nicht bei der Erkenntnis unserer Unzulänglichkeit — einem Kennzeichen jeder Bewegung — Halt machen. Diese Erkenntnis gibt uns immer wieder Impulse zur Arbeit und Kraft zum Fortschreiten auf dem steinigen Weg. Wenn die Problemstellung nach Holdheim gegeben wäre, würden wir K. J. V. K. J. V. sein lassen, weil wir nicht an der Erhaltung eines dem Tode geweihten Organismus unsere Energie vergeuden. Aber an Hand von Holdheims Artikel möchten wir versuchen, unsere Auffassung vom K. J. V. darzulegen und scheuen nicht die Gefahr, alte Weisheiten noch einmal aufzutischen. Die persönlichen Verpflichtungen, die das zionistische Bekenntnis vor dem Kriege auferlegte, erforderten nicht den Einsatz des ganzen Menschen. Das Ziel, Schaffung der öffentlich-rechtlichen Bedingungen zum Aufbau der Heimstätte, was San Remo erfüllte, konnte für Einzelne, denen persönlich Galuth keine Frage mehr war, Lebensaufgabe sein; Für die anderen war es das Objekt idealer Schwärmerei („Wir sind ja die Schwärmer"). Ihr gemeinsames Streben erschöpfte sich im Kampfe gegen Assimilation. Der Mut, der zu dieser Einstellung gehörte, wird nicht verkannt und ihre Bedeutung für die Entwicklung des K. J. V. und des deutschen Zionismus keineswegs herabgewürdigt. Im übrigen wurde