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Der jüdische Student · 1921-11-01 · Heft 6 (November 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 6 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Sterben wir? 245 ken eine absolut ungünstige Prognose, so daß er eine Therapie gar nicht mehr versuchen will. Wenn ein Arzt eine Therapie für vollkommen aussichtslos hält, so muß er der Diagnose unbedingt sicher sein. Und wenn er diese Resignation anderen verkündet, so muß es die Gewähr haben, daß seine Diagnose von anderen anerkannt wird. Stimmt die Holdheims che Diagnose? Sie stimmt in den zwei wichtigsten Punkten der Begründung nicht, in denen nämlich nicht, in welchen er sie auf den Unterschied in der zionistischen Lage zurückführt. Die Verschiedenartigkeit in der zionistischen Situation zwischen der Zeit vor dem Kriege und heute ist nämlich sub specie K. J. V. gar nicht so groß: Ich gebe zu, daß „die Oppositionsstellung dem Duckmäusertum, Mangel an Bekennermut, Elternhaus usw. gegenüber" sehr viel dazu beigetragen hat, die Bundesbrüder trotz ihrer Verschiedenartigkeit stärker aneinander zu ketten. Ich gebe «-zu, daß diese Kampfstellung ganz wesentlich dazu verhalf, uns zusammenzuschweißen. Aber ist denn das heute so erheblich anders? Der Zionismus ist „salonfähiger" geworden. Wo denn? Bei englischen Ministern! Aber doch nicht etwa bei der jüdischen Bourgeoisie Deutschlands, deren Sohne wir für uns zu gewinnen suchen und auch gewinnen (auch heute noch, Erich Cohn!). Die Assimilanten sperren sich ja nicht etwa gegen die Palästinakolonisation; das ist ihnen Wurst; sie geben ja sogar, wenn es sein muß, für den Keren- Hajessod. Ihr Antizionismus ist letzten Endes durch die Antithese: Deutschtum — Judentum begründet Und hier greifen wir ja bei ihren Söhnen an. Wir wollen doch nicht vergessen, daß immer noch die e r s t e Aufgabe unserer Erziehung ist, das Judentum in unseren Bundesbrüdern zu wecken; daß wir nicht nur Palästinakolonisatoren, sondern Zionisten zu erziehen wünschen. Ist es nötig, gerade Holdheim auf die Wichtigkeit, der theoretischen Fundierung hinzuweisen? Da liegt der Konfliktsstoff mit dem Hergebrachten, nicht nur Familie, sondern in vielen Fällen den Anschauungen des Bbr. selbst — heute noch genau so wie ehedem. Und das zweite: lOOo/oiger Zionismus war Chaluziuth nicht nur heute, sondern schon längst. Auch hier ist wieder die Balfour-Deklaration und San Remo sub spezie K. J. V. ziemlieh irrelevant. Denn nicht nur seither besteht die Forderung an jeden K. J. V.er, nach Palästina zu gehen. Sie besteht seit dem 10. Kongreß, sie besteht insbesondere seit dem Posener Delegiertentag mit seiner Resolution, daß jeder Zionist Palästina in sein Lebensprogramm aufzunehmen habe. An ihr sollten doch wenigstens wir K. J. V.er nicht herumdeuteln! Und wir wollen nicht vergessen, daß wir vor dem Kriege Palästinawanderungen veranstalteten, um die Bundesbrüder durch die Anschauung des Landes an ihre Verpflichtung überzusiedeln zu mahnen; wir wollen nicht vergessen, daß vor dem Kriege eine Anzahl Bundesbrüder den Plan einer gemeinsamen K. J. V.er-Siedlung ernstlich vorbereiteten. Durch San Remo sind wir nur noch einmal an diese Forderung gemahnt worden. Aber kann eine Mahnung allein so verheerende Wirkungen ausüben? Palästina ist noch nicht Zion geworden, nicht aus Mangel an Menschen! Wäre Menschenmangel vorhanden (nicht etwa Mangel an Geld), so würden wohl nicht 90% der K. J. V.er zu den „anderen" Holdheims gehören! Es sind eben nicht nur „innere" Hemmungen, sondern auch äußere, die das Gros der K. J. V.er an der Übersiedelung hindern. Trotzdem soll man die Forderung der Übersiedelung im K. J, V: aufrechterhalten — nicht durch Kartelltagsbeschlüsse, sondern durch Erziehung, deren Aufgabe es eben ist, innere Hemmungen zu überwinden. Gelingt es nicht, bleiben innere oder äußere Hemmungen bestehen, nun, dann wollen wir jene Bundesbrüder nicht verachten, sondern uns mit Holdheim daran erinnern, da& die Aufeechterhalturig der zionistischen Intensität auf dem steinigen B©den/ des j Galuth auch eine Aufgabe ist, > vielleicht doch noch»mehr als lOWwZiDm^muSi^; 6<his*v :■)>■,■ - vv. tw^r-vr* .-wlx i^ir'^i;-^

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