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Der jüdische Student · 1921-11-01 · Heft 6 (November 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 6 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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244 Sterben wir? Der Konsiliarius hat seine Diagnose und Prognose gestellt. Die scheinbar gründliche Untersuchung war nicht sorgfältig. Er hat den Körper vor sich nur betrachtet. Wir, der Hausarzt, die wir im K. J. V. arbeiten und es täglich beobachten, uns, denen es Lebensziele gestellt hat, wir können die ruhige Versicherung aussprechen, es ist auf dem Wege der Gesundung. K. J. V. lebt, in ihm die Jugend, und es wird auch leben trotz der Todesdiagnose, die die alte Generation in Verkennung des Zionismus ausstellt, trotz und gegen sie: im „Geiste des Protestes". Sterben wir? Von A r o n I s s e r 1 i n (V. J. St. Maccabaea-Königsberg A. H.). ch bedauere die Artikel von Holdheim und Erich Cohn. Nicht weil ich es für verantwortungslos halte, seiner inneren Überzeugung über K. J. V.er-Fragen schonungslos Ausdruck zu geben — auch mir gilt „Die Reinheit der Erkenntnis üoer alles" —, sondern deswegen, weil zwei Bundesbrüder, „die in den ersten Reihen gefochten und die glückhaften Zei-* ten des ungeteilten, sieghaften Ideals miterlebt haben", zu dieser trostlosen Perspektive kommen. Ich bedauere, daß gerade solche Bundesbrüder den Glauben an das Kartell verloren haben, und ich wünsche mit Holdheim selbst, daß sie einsehen, daß sie unrecht haben. Denn Holdheims ganze theoretische Begründung beruht auf eine Unkenntnis des heutigen Kartells. Es ist nicht mehr der Sieche, der einen langsamen Tod erwartet. Die Verbindungen leben (wenn auch noch manches so ist, daß es sich wesentlich von einem normalen Leben unterscheidet, aber es ist das Leben eines Genesenden); es wird gekeilt, wir lasen ja im letzten J. St von 117 Aktivmeldungen, wir lasen, daß zum ersten Male in diesem Semester den Weisungen des Überweisungsressorts Folge geleistet worden ist. Es wird hebräisch gelernt — sogar trotzdem es Kartelltagsbeschluß ist —, es wird mindestens ebensoviel und intensiv jüdisch gearbeitet als vor dem Krieg, die Burschenprüfungen beweisen das — es wird Kleinarbeit geleistet, wesentlich mehr als in den besten Zeiten vor dem Kriege. Aber vor allem: die Jungen haben Liebe zum K. J. V., nicht weniger als wir Älteren. Sieht so ein sterbender Organismus aus? Vermag eine dem Tode geweihte Idee Menschen zu begeistern, in ihnen Liebe zu erwecken, sie trotz allem aneinander zu schweißen? Trotzdem vor allem, daß noch immer keine Form der Geselligkeit gefunden ist, die das ja wesentlich erleichtert. Das Alte mußte fallen, und Neues ist bis heute noch nicht da. Aber gerade die Jungen suchen dauernd; und nichts ist vielleicht kennzeichnender für die Falschheit der Holdheimschen Auffassung als die Tatsache, daß sie trotz aller Mißerfolge in dieser Beziehung im allgemeinen am K. J. V. nicht verzweifeln, daß sie es trotzdem weiter lieben und für es arbeiten. Die beiden Leichenredner kennen leider das heutige K. J. V. nicht genügend, sonst hätten sie wohl nicht so geschrieben. Wären sie und manche anderen der Älteren z. B. nur beim letzten Kartelltag gewesen — Berlin-Leipzig sind ja nur drei Stunden Bahnfahrt —, vielleicht hätte das allein schon sie zum Glauben an die Zukunft des Kartells veranlaßt. Doch Holdheim führt ja theoretische Gründe dafür an, daß das Kartell todesreif ist. Auf Grund einer genauen Diagnose stellt er dem Kran-

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