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Der jüdische Student · 1921-11-01 · Heft 6 (November 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 6 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Fehldiagnose, weil Ferndiagnose 243 möglichkeit. Es heißt Negation unserer Geschichte, zu verlangen, daß eine oder zwei Generationen zwei Jahrtausende mit einem Male ungeschehen machen sollen. G a 1 u t h arbeit ist Pal äs tinaarbeit, sie wird es sein, solange nicht Palästiira Erez Israel ist. Und bis es das sein wird, wird noch eine oder zwei Generationen gekommen sein. Ja, leisten wir denn diese Galutharbeit für Palästina? Hebräisch, Arbeit in der Organisation, Keren Hajessod, Maasser — der „gezehntelte" Zionismus. Es ist Kurzsichtigkeit, dies zu behaupten. Nur 100%- iger Bekennermut vermag dies zu leisten, denn die Forderung ist keine einmalige, - keine zehnjährige, sondern eine unseres Lebens. Beinahe könnte ich Holdheim um seine Sicherheit beneiden, daß ihm das Leben 90<y0 Rabatt auf seinen Idealismus gegeben hat. Doch ich fürchte, er irrt. Das Leben gibt keinen Rabatt, am allerwenigsten in Idealen. Man soll auch hier keinen vor seinem Tode glücklich sehätzen. Auch Holdheim wird noch mal den 100o/oigen Bekennermut brauchen, wie wir alle, ob im Galuth, ob in Erez Israel, um zu beweisen, daß Zionismus ihm Lebensziel war. Eine Auseinandersetzung steht uns bevor, die schwerste, das ist die mit der kommenden Generation, mit denen, die nach uns kommen. Sie wird zeigen, ob Zionismus Jugendphrase oder Lebensbereitschaft war. Wehe uns, wenn sich dann herausstellt, daß der angebliche Rabatt ein Darlehen des Lebens war, das von uns verschleudert wurde. Die Kommenden, sie werden 100<>/oigen Bekennermut, sie werden den „Geist des Protestes" von uns verlangen oder sie werden den Weg gehen, den viele von uns gegangen sind, den Weg des Protestes gegen das Vaterhaus. Hier liegt die Aufgabe des K. J. V. Hier ist die gemeinschaftsbildende Kraft. Darüber zu wachen, daß von unserem Bekennermut nicht l°/o unnütz vertan wird. Wir erleben Gemeinschaft in der freiwilligen Rechenschaft über unser Leben, das wir täglich unserem Bunde ablegen müssen. Und Holdheim irrt, wenn er dem Sport die große Kraft zuschreibt. Wir würden auf den Ruderverein verzichten, wenn er nicht dies verlangte: Zionistische Bereitschaft Mit dem Sport allein wäre er ein goischer Verein mit jüdischem Etikett. Das ist's, was uns verbindet, daß wir wissen: Über uns wird Konto geführt, das wir uns täglich vor Augen zu halten haben. Zionistisches Vorbild gilt. Rudern ist uns Form, wie früher Fechten und Kneipe war, allerdings eine Form, mit großen Vorzügen, die auch gemeinschaftsbildende Tendenz haben. Und so ist K. J. V. Vorbereitung für jüdisches Leben, wo es auch immer sei. Denn vielleicht wird im Galuth jüdisches Leben, dieser kleine gezehntelte Zionismus, schwerer zu erfüllen sein als Leben in Erez Israel. Diese Vorbereitung ist das, was Schmarja Levin bei uns neulich „Tchiath hametim" nannte, Wiederbelebung der toten Generationen, Vorbereitung, dies ist Verknüpfung unseres Lebens hier mit Erez Israel, Vorbereitung, das ist Bekennermut für den schwersten Kampf, den in der eigenen Familie. Das ist das Gebot des K. J. V., dazu dient es uns. Wer von uns seine Schenkungen, seine Gemeinschaftskraft für das Leben bewahren wird, weiß keiner. Aber ist es nur der zehnte Teil, so hat das K. J. V. seine Tat vollbracht, seine Existenzberechtigung bewiesen.- Deshalb verlangen wir Arbeit. Wer dies will, wird mit uns sein. Die anderen, sie mögen gehen und uns fern bleiben. Jene, deren „Persönlichkeit" bei uns verkümmert wird — (wie oft wird Holdheim dies bei seinen Keilbesuchen gehört haben?) —, wir wollen sie nicht. Wir kennen sie, diese Persönlichkeit, die besser mit Bequemlichkeit, mit ruhigem Leben zu bezeichnen ist, ja, wir kennen sie auch von uns selbst. Solche „Persönlichkeiten" könnten wir alle sein; ihnen gilt unser Kampf. Uns soll K. J. V.ertum davor bewahren, uns den Geist des Protestes erhalten für die ferne jüdische Zukunft.

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