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Der jüdische Student · 1921-11-01 · Heft 6 (November 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 6 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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242 Fehldiagnose, weil Ferndiagnose Fehldiagnose, weil Ferndiagnose.*) Von Paul Hirsch (Ruder-V.J. St. i, a. B.). Und lebt jetzt nun in Nikolassee Als Revolutionär a. D. Alfred Kerr. Die Forderung war, „Kampfwille, Bereitschaft und Verwirklichung." So Holdheim von der alten Generation vor dem Kriege. Und heute die Forderung an uns? Haben diese drei Worte nicht ihre volle Gültigkeit? Und genau wie damals trifft jetzt der Nachsatz zu: „all die, die wahrhaft in der Gemeinschaft stehen, erfüllen sie." Holdheim betrachtet scheinbare Krankheitskeime unter dem Mikroskop und stellt seine Diagnose. Aber er hat schlecht gesehen. Die Krebszellen, die er im Körper des K. J. V. wahrgenommen haben will, aut Grund, deren er die Prognose: Tod stellt, sind nichts anderes als das Regenerationsgewebe, das der vollständigen Heilung vorausgeht. Die Voraussetzung ist falsch, die Diagnose fällt. „Die gute alte Zeit." Wie war sie so schön! Rückbetrach+ungen, ohne Vorwärtssehauen, Resignation ohne Blick für die Gegenwart. Denn diese ist der Gradmesser für die Vergangenheit. Wo sind die „Revolutionäre" der Vorkriegszeit geblieben, jene, die angeblich 100o/oigen Zionismus erfuhren, als es galt, die in der Gemeinschaft erlebte Verschwörer - gesinnung zu bewähren? Wo ist der „Geist des Protestes" zu spüren? Die Luft des Salons hat ihn unterdrückt und nur manchmal noch, im Klubsessel sitzend, denken wir jener Zeiten und ihrer Jugendsünden. Schon sehe ich sie kommen, frohlockend ihrer Untätigkeit, sie, die nichts tun, sie geben Holdheim recht, nicht die Jugend, sondern die „Revolutionäre a. D." Nicht, um anzuklagen, sage ich dies, nur um zu zeigen, daß von den Verschwörern von damals vielleicht ein Zehntel Verschwörer geblieben sind, als es sich um mehr als um eine Geste handelte. Und dies, trotzdem sie angeblich alles, was wahre Gemeinschaft bieten könne, im B. J. C. und K. Z. V. erlebt haben. Die Entschuldigung von der Salonfähigkeit des Zionismus ist nur sehr matt und recht oberflächlich. Trennt uns denn wirklich nichts mehr von „Mauschel", der sich jetzt mit dem Zionismus abfindet? Oder steckt in uns doch noch etwas von jenem Geist des Protestes? Ist es denn wahr, daß dem Nichtzionisten das Zionismus ist, was er uns bedeutet, mit all seinen Forderungen und Konsequenzen. In der Tiefe seiner Seele ist Mauschel eben Mauschel geblieben. Die jüdische Jugend von heute hat noch genau dieselben und vielleicht noch zehnfache Schwierigkeiten als frühere. Uns ist Zionismus immer noch „Utopie", noch nicht eingetretene Wirklichkeit, Utopie, die auch für uns nie „Topie" werden wird. Mauschel ist Zionismus-Realität; haben sich doch die Großen der Welt mit ihm befaßt. Uns ist er Sehnsucht, ihm konstatierte Tatsache, uns Bereitschaft für die Zukunft, in Erez Israel oder im Galuth, ihm Zeitungsnotiz des „Berliner Tageblatt". Nein, Mauschel ist immer noch Antizionist, er freut sich über jeden unserer Fehlschläge. Wahr ist's, Kleinarbeit wird verlangt, sie ist ein Teil unserer Bereitschaft. Aber ebenso wahr ist es, daß nur die sie leisten, denen der „Geist des Protestes" gegen jüdische Gegenwart lebendig ist Protest aber bedeutet Verknüpfung unseres Lebens mit Erez Israel. Zu keiner Zeit war man sich im K. J. V. darüber unklar, daß Chaluziuth nur von wenigen erfüllt wird. Aber sie als „den" Zionismus hinzustellen und selbst mit müder Resignation zurück sich zu ziehen, ist eine Un- *) Zum Thema des Holdheimschen Artikels (im vorigen Heft) liegen außer den Her vexöffentlichen Aufsätzen noch mehrere Äußerungen vor, die in diesem Heft nicht mehr erscheinen konnten, da sie erst zwischen Abschluß und Drucklegung eingingen. (D. Red.)

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