Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Turnen und Sport im K. J. V. 225 1913 nach Amerika zum Studium der Leibesübungen gesandt wurde, fragte auf einem play ground (große, mit allen Einrichtungen für jede Leibesübung versehene Plätze, die jedem Einwohner des betr. Bezirks zur Verfügung stehen) in Newyork, wieviel Kinder durchschnittlich auf den Platz kommen und erhielt zur Antwort: „In dem Bezirk wohnen so undj soviel Kinder. Glauben Sie etwa, daß auch nur eins fehlt?" In England liegen die Verhältnisse ähnlich. Ein besonders gutes Beispiel bilden auch Schweden und Finnland, dort hat man es wahrhaft verstanden, in kurzer Zeit, den Sinn für Leibesübungen zu wecken, denn noch vor nfcht allzu langer Zeit war Schweden bezüglich des Gesundheitszustandes ziemlich an letzter Stelle in Europa, heute ist es sportlich das leistungsfähigste Volk. In Deutschland hat man nun auch begonnen, nach diesen Gesichtspunkten, Leibesübungen zu fördern. In der jüdischen Turnerschaft hat man bisher wenig erreicht. Man hat auf der einen Seite äußerliche Erfolge (starkes Wachsen der Mitgliederzahlen, Rekordleistungen) als Leistung gebucht und sich damit zufrieden gegeben, auf der anderen Seite jedoch zu wenig getan, um auch nur die Vorbedingungen für einen richtigen Turn- und Sportbetrieb zu erfüllen. Man hat Zwang auferlegt, da wo er nicht zu fordern ist, und hat sonst aber, wo es angebracht wäre, nicht allzu viel auf Dis-< ziplin gesehen. Im K. J. V. (bzw. B. J. C. und K. Z. V.) hat man vor dem Kriege in einigen Verbindungen Sport getrieben, und es mögen an einzelnen Orten und durch einzelne Persönlichkeiten gute Ansätze vorhanden gewesen sein. Nach dem Kriege, auf der Suche nach der neuen Form, hat man versucht, durch Zwang auf die einzelnen Bundesbrüder einzuwirken. Natürlich ohne Erfolg, denn Sport ist keine Form, sondern eine Idee, und nur Gleichgerichtete können sich hierfür den gleichen Ausdruck suchen; und erst dies gibt der Gemeinschaft eine Form. Ruder- und Sport-V. J. St. in Berlin bilden hiervon eine Ausnahme, denn für diese Vereine war Leibesübung Notwendigkeit, nicht durch Statut, sondern durch Willen jedes einzelnen Mitgliedes, wenigstens bei der Gründung. Leider ist man auch hier in letzter Zeit etwas verflacht, da man bei der Aufnahme auf die richtige Einstellung zur Leibesübung nicht den nötigen Wert gelegt hat. * Als Folgerungen aus diesem ergibt sich: Man hat überall da, wo man ohne allen Zwang die Möglichkeit der sportlichen Betätigung gegeben hat, viel erreicht. Man hat dort wahre Sportleute erzogen, das Gelühl für den Körper geweckt, und da- * mit der Nation genützt* Man hat nichts erreicht durch äußeren Zwang. Wir müssen also die Möglichkeit sportlicher Betätigung geben, das ist unsere Aufgabe. Für das K. J. V. ergeben sich hieraus folgende Konsequenzen: 1. Die bestehenden Sportverbindungen müssen von allen Elementen, die nicht die richtige Einstellung zum Sport haben, gereinigt werden. Nur solche Bundesbrüder dürfen in ihnen vereinigt sein, für die Sport Lebensnotwendigkeit ist, für die jede logische Begründung für oder gegen den Sport schon allein durch ihr Gefühl entschieden ist. 2. Neue Sportverbindungen dürfen nur dort gegründet werden, wo sich eine Anzahl von Leuten zusammenfindet, die die Voraussetzungen unter 1) erfüllen. 3. In den übrigen Verbindungen ist ein systematischer Turn- und Sportbetrieb einzurichten unter Hinzuziehung von möglichst geeigneten Leitern, evtl. unter Anlehnung an andere Organisationen (Turn-, Rudervereine usw.). Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen ist freiwillig, d. h. nur der nimmt daran teil, der selbst, will.