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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
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224 eingenommen hat. Jedenfalls hat man erkannt, daß Leibesübungen Forderungen der Hygiene im weitesten Sinne, sind. Die Wissenschaft hat ihre hohe Bedeutung erkannt, als Prophylaxe, als Verbesserung der allgemeinen Konstitution, als Therapie gegen konstitutionelle, organische und psychische Erkrankungen allgemeiner wie spezieller Art. D.er erzieherische Wert der Leibesübungen und des Sports ist gleich hoch geschätzt worden wie der soziale, so daß aus all diesen Gründen die Forderung der Leibesübungen von Staat und Kommune aufgestellt wurde. Diesen Standpunkt hat etwa der Kartelltag, wenn er sich mit dieser Frage, beschäftigt, zu vertreten. Dem entgegen steht der Standpunkt des einzelnen Bundesbruders, der persönlich Stellung zu diesen Dingen nehmen muß. Treibt er wahrhaft Sport, dann kommt er freiwillig. Ihn treibt sein Gefühl und daher bedarf es für ihn keiner logischen Begründung. Wer dieses Gefühl nicht hat, dem kann mlan es nicht durch' äußeren Zwang einimpfen; im Gegenteil, man wird wahrscheinlich bei dem, der im Unbewußten einen ganz kleinen Rest davon noch hat, auch dies verdrängen. Mit dem Standpunkt, diese ganze Frage durch Offiziellmachen zu erledigen, ist also nichts getan (man sieht auch die Erfolge: Göttinger und Erlanger Studententag, Kartelltage des K. J. V. sowie 90o/o aller Verbindungen an deutschen Hochschulen.) So geht es also nicht; daher will ich kurz darauf eingehen, wie" in den klassischen Ländern des Sports diese Bewegung entstanden ist, um hieraus für uns neue Wege zu suchen. Im klassischen Griechenland war Leibesübung Volksgut. Jeder einzelne treibt Leibesübung, nicht, weil es gefordert wird, sondern weil es selbstverständlich ist. Das Körpergefühl war zu einem starken Schönheitssinn entwickelt; harmonische Entwicklung von Körper und Geist, war das Ziel. Der Staat sorgt für Leibesübung durch Gymnasien, wahre Prachtbauten, in denen Gelegenheit war für jede Leibesübung wie auch Räume und schattige Plätze zum Unterricht und zur Unterhaltung, durch Anstellung von Gymnasiarchen, durch Veranstaltung von Wettkämpfen, die zu großen nationalen Feiern wurden. Dichter, Gelehrte und Ärzte priesen die Leibesübungen. „Man soll weder die Seele ohne den Körper, noch den Körper ohne die Seele bewegen, damit beide sich gegenseitig abwehrend an Stärke gleich und gesund werden. Es muß also 'der, welcher die Wissenschaft treibe, oder mit Eifer eine andere Übung mittels der Denkkraft vornimmt, auch die Bewegung des Körpers hinzufügen, indem er der Turnkunst obliegt, und andrerseits muß, wer den Körper mit "Sorgfalt bildet, die Bewegungen der Seele dagegen hinzufügen, indem er der Musik und aller Liebe zu den Wissenschaften sich befleißigt, wenn er mit Recht schön und in Wahrheit gut genannt werden soll." (Plato.) Den Niedergang bildet das Aufkommen der Beruf sathleten, die, um Geld zu verdienen, ihre Kräfte sehen lassen. Das Mittelalter bringt uns zwar auch Kunde über Veranstaltungen und Übungen, in denen die Kräfte erprobt wurden; dort haben sie meist als Hauptziel die Kriegsbereitschaft, so daß wir sie nicht hierher rechnen können. In der Neuzeit: Ausgang ist Deutschland, wo Basedow in der Dessauer Musterschule, dem Philanthropin, um 1780 Gymnastik als Unterrichtsgegenstand einführt. Die richtige Wiedergeburt der Leibesübung als Gut des Volkes blieb Jahn vorbehalten, der 1811 auf der Hasenheide seinen Turnplatz eröffnete und Schüler und Studenten in großer Zahl für die Sache begeisterte. Doch das geringe Interesse, das die Behörden der Leibesübung zuwenden, bringt die Bewegung zum Erlahmen.^ Aber der Funke, der geschlagen ist, glüht weiter, wenn auch nicht in Deutschland, so doch in anderen Ländern. "England nimmt die Bewegung auf und mit ihm Amerika, wo heute Sport wieder zum Volksgut geworden ist. Man ist nicht etwa mit Zwang vorgegangen, sondern man hat Sportplätze gebaut und für die Verbreitung der Leibesübungen Sorge getragen. Der Leiter einer deutschen Kommission, die im Jahre /

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