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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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Turnen und Sport im K. J. V. 223 handeln. Ob bei dem Einzelnen diese Liebe mehr oder minder stark ist, aus welcher Quelle sie fließt, das hat für das große Ganze keine Bedeutung, das Volk wird zusammengehalten durch die Einheitlichkeit der Liebe; die große Mehrheit folgt gern dem Rufe, der in ihren Herzen einen Widerhall findet. Unser Zionismus muß begründet sein eben auf dieser in jedem Juden bestehenden Liebe, der auch nur noch eine Spur jüdischen Empfindens hat; aber er muß sich auch vollständig damit begnügen und sich hüten, diese Aufforderung mit einer anderen irgendweicher Art zu verquicken; das ist logisch, psychologisch und geschichtlich verfehlt, und deshalb kann eine solche Verbindung niemals zu einem positiven Ergebnis führen. Es scheint mir notwendig, daß das K. J. V. einmal in seiner Gesamtheit zu einer klaren Erkenntnis kommt, ob und in welchem Maße es sich Leibesübungen zunutze zu machen hat und ob es die Einführung von Sport im Kartell und in der jüdischen Jugendbewegung als seine Aufgabe betrachten muß. Da ich glaube, annehmen zu müssen, daß ein großer Prozentsatz der K. J. V.er Laie auf diesem Gebiete ist, ich aber andrerseits doch erreichen will, daß jeder zu diesen Fragen Stellung nimmt, so muß ich die Begriffe Turnen, Leibesübung, Sport erst erklären. f Leibesübungen sind alle Übungen des Körpers, die den Zweck haben, den Körper harmonisch auszubilden. Unter Turnen versteht man die Ausführung der Leibesübungen im weitestgehenden Sinne, es umfaßt außer Freiübungen alle Übungen am Gerät, sowie mit irgendeinem andern Hilfsmittel, so daß (nach Jahn) Reiten, Fechten, Rudern usw. auch zum Turnen zu rechnen sind. Zum volkstümlichen Turnen gehören die leichtathletischen Übungen, wie Laufen, Springen, Werfen; ferner gehören hierzu alle Turnspiele und Staffelläufe. . Wenn in diesem Sinne Turnen getrieben wird, dann wird sich bald der Wettkampf zeigen, denn es liegt ,triebmäßig inyder Natur des Menschen, das Beste zu leisten und somit den Mitbewerber zu besiegen. Der Wille zur Macht, der in jedem Menschen steckt, sucht sich hier eine primitive Äußerung. Der Mensch, der aber sein Bestes leisten will, muß seinen Geist — und damit auch seinen Körper — beherrschen. Dies nennen wir Sport. Sport ist also nicht irgendeine bestimmte Leibesübung, sondern die Einstellung, die man zur Leibes- Übung hat und die Art, wie man sie ausführt Das Treiben von Leibesübungen wirer mit der Zeit zu einem ästhetischen Sinn für den harmonisch ausgebildeten Körper führen, dem Körpergefühl, das uns verloren gegangen zu sein scheint. In Deutschland hat die Turn- und Sportbewegung in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen. In den Vereinen der jüdischen Turnerschaft und der jüdischen 'Jugendbewegung überhaupt, hat diese Entwicklung nicht gleichen Schritt gehalten. *) Dies liegt wohl an der Einstellung, die man in den jüdischen Turnvereinen von Anfang an und Turnen und Sport im K. J. V. Von Ernst Simon II, Würzburg. *) Damit soll nicht gesagt sein, daß die Entwicklung in Deutschland als mustergültig angesehen wird.

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