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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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222 Binjan und Ideologie tretenden Negation positive Forderungen- und Aufgaben traten, * die sieb bis zur Idee der Weltherrschaft verdichteten, war das Christentum in der Lage, seine Siegeslaufbahn anzutreten. Was ist nun aus dem Zionismus im Laufe der Zeit geworden? Die heute in Deutschland führenden Kreise dieser Bewegung haben vollständig vergessen, was die unerschütterliche Grundlage unserer Bewegung^bleiben muß. sie haben an Stelle der positiven Unterlagen etwas Negatives gesetzt Der offizielle Führer des deutschen Zionismus konnte auf dem letzten Delegiertentage .unter der Zustimmung der großen Mehrheit erklären, daß der Zionismus geboren sei aus der Wurzellosigkeit des jüdischen Volkes im Golus, die jede geschichtliche Voraussetzung der Bewegung sei. Es hat keinen Zweck, sich mit dieser grundfalschen Auffassung auseinander zu setzen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre müssen wir vorläufig wenigstens den Gedanken aufgeben, daß die Anhänger dieser Auffassung sich eines besseren belehren lassen. Die Ursache, weshalb diese Auffassung überhaupt sowohl in Rußland bzw. Polen wie auch in Deutschland entstehen konnte, ist geschichtüch sehr einfach zu erklären. Alle diese Leute sind zu einem positiven Bekenntnis des Judentums und zum jüdischen Volke nicht gekommen als positive Juden, denen ihre jüdische Gesinnung etwas Selbstverständliches war, sondern sie haben sich zu Juden erst entwickelt unter dem aufpeitschenden Einfluß des Antisemitismus. Je stärker dessen Macht und Einfluß waren, je mehr sich der Einzelne infolgedessen in einem mehr oder minder großen Gegensatz zu seiner Umgebung in poütischer, -wirtschaftlicher oder sozialer Hinsicht gebracht sah, um so eher wurde er veranlaßt, zumal bei der geistigen Veranlagung unseres Volkes, nach den „logischen" Gründen hierfür zu fragen; psychologische und historische Gründe kamen für uns als Minorität, in der wir uns überall gegenüber unserer Umgebung befinden, so gut wie gar nicht in Betracht. Geht man aber * an ein Problem, wie es die Judenfrage ist, mit den Waffen der Logik und Dialektik heran, so darf es einen nicht wundernehmen, daß nun auch antithetisch im logischen Aufbau sich die Idee der Wurzellosigkeit entwickelt hat. Sie ist und bleibt etwas Künstliches, wobei es weiter gar nicht darauf ankommt, daß gewisse tatsächliche Momente ihr einen mehr oder minder großen Schein von Berechtigung möglicherweise verleihen. t * Die unwiderleglich richtige Beweisführung für das hier Gesagte ist der Zionismus jener westeuropäischen und amerikanischen Kreise, die von des Gedankens Blässe nicht angekränkelt, lediglich aus Liebe zu ihrem Volke zum Zionismus gekommen sind. Wer je mit Juden aus diesen Kreisen, die natürlich nicht der Schicht der ersten Einwanderung angehören dürfen, gesprochen oder verhandelt hat, der wird mir Recht geben, wenn ich behaupte, daß nur etwas rein Positives, nämlich die alte unausrottbare Zionsliebe es ist, die diese Juden zu Zionisten gemacht'hat, und daß lediglich die Durchführung des Baseler Programms ihrer Auffassung des echten Zionismus gerecht wird. Die .Leute würden erstaunt den Kopf schütteln, wenn man sie als wurzellos in ihrer Umgebung hinstellen würde, und ich glaube nicht, daß ein Herbert Samuel, früherer englischer Minister, an dessen Zionismus wohl auch unsere Gralshüter nicht zweifeln dürften, für eine solche Auffassung auch nur das geringste Verständnis hätte. Heute, wo wir vor der praktischen Durchführung dieses Programms stehen, vor einer Aufgabe, deren Schwierigkeiten unüberwindlich scheinen könnten, messen wir auch in Deutschland uns endlich von einer falschen Ideologie, die mit dem wahren Zionismus nichts zu tun hat, frei machen. Der Zionismus darf und kann nur begründet werden und darf seine ausschließliche Rechtfertigung nur finden in der Liebe zu Zion und in dem Willen, nicht bloß andächtig zu schwärmen, sondern auch werktätig zu

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