Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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,218 Die Arbeit für die National-Bibliothek lieh. Dann müßten wir uns so lange mit Mietsräumen behelfen. Hier muß schleunigst eine Entscheidung fallen. Denn wir dürfen gering gerechnet mit einem jährlichen Zuwachs von etwa 20(100 Bänden rechnen, der in späterer Zeit schnell steigen wird. Aber auch ohne Steigerung bedeutet das im Laufe von zwanzig Jahren bereits einen neuen Bücherschatz von 400 000 Bänden. Hierzu reicht aber kein Anbaia und keine Aufstockung im jetzigen Gebäude auch nur anriShernd aus. Ferner darf man bei einem solchen Werke wie dem der National-Bibliothek nicht mit ein paar Jahrzehnten rechnen. Man muß sich überlegen, was nach zwei Jahrhunderten sein wird. Da wird die Bibliothek inmitten belebter Stadtteile liegen, wo jeder Fußbreit Landes infolge der hohen Grundrente Gold wert ist ,Da kann man die Bibliothek nicht erweitern, ohne viele Millionen auszugeben, um die Gebäude zu erwerben, die man niederreißen muß, um einen Bibliotheksbau zu schaffen. Das ist ja in jeder großen Stadt der Fall gewesen. Alle National-Bibliotheken wissen ein Lied davon zu singen. Wir sind in Jerusalem in der glücklichen Lage, schon jetzt einen Bauplatz reservieren zu können, der die Bibliothek tragen kann, wenn sie so groß angewachsen sein wird, wie die Staats- (Königliche) Bibliothek zu Berlin, wie die Bibliothek in der Rue Richelieu (früher im Louvre), im British Museum oder wie die Congress Library in Washington. Jetzt und nur jetzt muß der Platz für die Bibliothek festgelegt werden, ausreichend, um apeh in zwei Jahrhunderten der geeignete Bibliotheksplatz zu sein. Aber auch schon jetzt muß ein Bauplan geschaffen werden, wie die Bibliothek dann aussehen wird. Sin Teil dieser Bibliothek, das Verwaltungsgebäude, das auch die %Lese- und Arbeitssäle enthält, muß schon jetzt ausgebaut werden, während der übrige Platz so lange gärtnerische Verwendung findet, bis der Zwang eintritt, weitere Magazinteile auszubauen Sehr geeignet wäre es, hier bis dahiri systematische botanische Beete abzulegen, um den Benutzern der Bibliothek und der andern wissenschaftlichen Institute Gelegenheit zu geben, in den Stunden der Erholung in die Systematik der Botanik einen anschaulichen Einblick zu bekommen. Unmittelbar neben der Bibliothek muß das Archiv seine Stelle finden. Beide müssen ausreichenden Raum haben, beide isoliert stehen, zwischen vier Straßenzügen, und beide im Innern der akademischen Stadt in nächster Nähe, ab£r nicht unmittelbar neben der Straßenbahnverbindung. Denn sie müssen im vollen Getriebe der werdenden Großstadt Inseln der Ruhe bilden. Man wird im Bibliotheksgebäude außer den Magazinen Lese- und Arbeitssäle, Auditorien, Zeitschriftenzimmer, Räume zur Benutzung von Musikalien, Kunsttafeln und Karten haben, aber auch stille Arbeitszimmer für einzelne Gelehrte. Vor allem aber wird man hier alle Bücher vorfinden, an denen ein Jude und ein Kulturmensch Interesse haben kann.,