Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Die Arbeit für die National-Bibliothek der allerwichtigsten Positionen, um das Land Israel, das uns verloren gegangen, wieder zu erwerben, ist seine Durchdringung mit jüdischer Bildung. Und je höher die Kulturstufe der palästinischen Juden ist, um so eher werden wir die Priorität im Lande haben, die durch jüdischen Geist und nicht durch Legionen und Waffen errungen wird. Die Universität ist schon im Augenblicke ihrer Gründung und erstmaligen Eröffnung so viel wert wie hundert neue* jüdische Kolonien und auf die Dauer wie viele Hunderte. Ihre wichtigste Vorbereitung ist die Schaffung einer gebrauchsfertigen Bibliothek. Die unschätzbaren Chazanowiczschen Sammlungen bilden die Grundlage nur für eine judaistische Fakultät. Wenn wir jetzt an die Gründung einer medizinischen Abteilung, an die Schaffung eines chemischen, physikalischen, hygienischen und mikrobiologischen Instituts, an die Errichtung einer Kette landwirtschaftlicher Beobachtungs- und Versuchsstationen herantreten, so muß zuerst einmal die Universitäts- und National-Bibliothek in den Stand gesetzt werden, diese wissenschaftlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Erst im .allerletzten Jahre sind auf Betreiben der Hauptsammelstelle in Berlin nach dieser Richtung hin die ersten Anfänge gemacht worden. Jetzt muß man den bisherigen ,engen Rahmen durchbrechen und großzügig werden. Freilich bedeutet das eine ungeheure Steigerung der Kosten, die in keinem Verhältnisse zu allem bisherigen steht, um so mehr als der grimmige Feind aller nationalen jüdischen Aufbauarbeit in Palästina auch, und noch mehr, der Hauptgegner der Bibliothekstätigkeit ist, die Plage der Valuta. Die Bibliothek soll ein Gebrauchsinstrument sein, keine Raritätensammlüng. Gewiß ist uns jedes seltene und kostbare Buch willkommen, und jeder, der im Besitze solcher ist, sollte beizeiten daran denken, sie der Jerusalem-Bibliothek zu stiften. Aber zum Aufbau gebrauchen wir jetzt eine Sammlung solcher Bücher, deren der Forscher und Kolonisator jeder Art bei seinen Arbeiten nicht entraten kann. Im Augenblicke ist das Handbuch der Architektur und sind Poggendorfs und Liebigs Annalen für uns wichtiger, als Gütenbergs Bibel, ohne daß es bestritten werden soll, daß kostbare Inkunabeln und Handschriften der schönste Schatz der nationalen Bibliotheken in der ganzen Welt sind. In der Zukunft werden wir nicht umhin können, von allen Büchern und Handschriften der Welt, die irgendwie zum Judentum oder Palästina Beziehungen haben, und die wir nicht erwerben können, photographische Abdrücke in unserer Bibliothek zu bewahren. Aber heute brauchen wir neue Bücher, so wertvoll und wichtig die alten sind, die wir später keineswegs vermissen wollen. Letzten E?ndes ist freilich jedes Buch wichtig und keines zu entbehren. Die Bibliothek entsteht wirklich als nationales Werk des jüdischen Volkes. Freiwillige Gaben sind es, die sie zusammenbringen, und soweit nicht fachmännische Arbeit in Frage kommt, sind es freiwillige Helfer, die die Arbeit leisten sollen. In erster Linie werden Bücher gespendet, einzelne und Sammlungen. Natürlich