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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Die Arbeit für die National.Bibliothek 213 hange mit der neuen Bewegung jüdischer Wiedergeburt entstanden war. Diese Leute bedurften der Bücher, und zwar in erster Reihe der hebräischen Literatur. Ihre kleine Vereinsbibliothek mündete in die große Sammelarbeit, die nunmehr Chazanowicz auf sich nahm, der night dabei stehen blieb, nur den Gedanken einer großen jüdischen National-Bibliothek in die Welt gesetzt zu haben. Hier ist nicht der Ort, um Chazanowiczs Persönlichkeit zu würdigen. Er hat sein ganzes weiteres Leben nicht bloß mit zionistischer Arbeit und der grenzenlosen Aufopferung für Kranke, Arme und Leidende ausgefüllt, sondern er hat unter Opfern, die keinen Vergleich dulden, die ersten vierzig- bis fünfzigtausend Bände zusammengebracht, die jetzt den Grundstock der Jerusalemer Bibliothek bilden und die allein einen unendlich wertvollen Schatz ausmachen. Hat er doch mit einem Spürsinn ohnegleichen und einem Opfermut, der kaum ähnliches kennt, überall seltene hebräische und judaistische Bücher aufgebracht, so daß wenigstens an diesen kein Mangel in Jerusalem empfunden wird. Verschieden von dem schöpferischen Gedanken des Gründers — denn das ist Chazanowicz unbestritten — ist die heutige Auffassung der Jerusalemer Bibliothek, weil*ihr Träger von einem andern Gesichtspunkte ausgeht. Selbstverständlich soll die Bibliothek alles umfassen, was jemals von Juden geschrieben und verfaßt^ erdacht und gedichtet worden ist. Es ist kein Zweifel, daß Alles, was für und gegen Juden und Judentum geschrieben und gedruckt ist, den wesentlichsten Teü der Jerusalemer Bücherschätze ausmachen soll und muß. Aber darüber hinaus muß die Bibliothek alles enthalten, was überhauptmenschlicher Geist geschaffen hat. Das jüdische Volk ist eine Eigenart. Es soll sie bleiben. Aber es war niemals isoliert. Es hat stets andere Völker beeinflußt, und hat auch die Wirkung ihres Geistes auf sich empfunden. Ohne die Geister anderer Völker bleibt der des jüdischen Volkes unverstanden und unverständlich. So wie es im Altertume zwischen Ägypten und Babel und andern orientalischen Kulturen stand, von ihnen beeinflußt war und doch sein Selbst unabhängig baute, so war es zu allen Zeiten bei aller seelischen Eigenart und Selbständigkeit doch im vollen Austausche mit allen Völkern, mit denen es in nahe oder entferntere Berührung kam. Deshalb ist die Geschichte des jüdischen Geistes in allen Zeiten nur dann voll verständlich, wenn man ihn in der Mitte der werdenden und wachsenden Menschheit betrachtet, mit der er in dauernder Wechselwirkung steht. Daher muß eine jüdische National- Bibliothek auch alle Geistesschöpfungen aller andern Völker mit umfassen, so zwar, daß das Judentum im Mittelpunkte dieser kulturellen Sammlungen steht. Das Ziel der Bibliothek ist daher jetzt zwar dasselbe, wie es ihr Josef Chazanowicz gesteckt hat, aber doch erweitert. Die Bibliothek, die in erster Linie als National-Bibliothek gedacht ist, soll zugleich auch Universitäts-Bibliothek sein. Denn eine

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